Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 181
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První vlastní bochník chleba po vyhnání

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in Hammelburg interniert sei, weil er der Ortsgruppenleiter war. Aber wir wurden dann gut - soweit man das so nennen konnte - behandelt. Wenigstens hatten wir im Augenblick ein Dach über dem Kopf. Erschöpft ließen wir uns auf den blanken Fußboden nieder. Nur dem Kinde wurde ein etwas besseres Lager bereitet. Mitternacht war ja schon lange vorbei.

Am nächsten Morgen schauten wir uns erst einmal um, wo wir da eigentlich gelandet waren. Womit sollte denn etwas zum Kochen hergenommen werden. Kahl und leer war der Raum. Ich kann heute nicht mehr sagen, wie wir es zustande brachten einen Ofen zu bekommen. Es war ein alter eiserner Ofen an dem sich zwei Türflügel befanden und die Kochplatten lagen innen. Doch er tat uns dann wochenlang gute Dienste. Aber woher etwas Kochbares nehmen? Das war eine andere Sache. Man hatte uns mit Reisemarken für 3 Tage ausgestattet. Was man darauf bekam? Vielleicht kann sich noch jemand erinnern, der solche gebraucht hatte. Fast nichts! Nur gut, daß wir doch einen Kochtopf, Teller und Löffel mitnehmen konnten. Es war ein ungeheuer schwerer Anfang dieses neue Leben in Bayern, und es wird wahrscheinlich sehr vielen Landsleuten nicht besser ergangen sein. Aber wir schafften es. Ein kleines Beil hatten wir, und der Wald war nicht weit. So konnten wir erst einmal Holz herbeibringen, um die karge Mahlzeit bereiten zu können.

Die Wirtin hatte sich eine kleine Menge an Kartoffeln zurückbehalten, damit sie ihrem Mann und den noch nicht heimgekehrten Buben etwas Eßbares geben konnte, wenn diese heimkehren sollten. Aber Woche um Woche verging und keiner meldete sich. So überließ sie uns einen großen Teil dieser kostbaren Frucht. Aber Brot gab es keines. Wieder war uns das Glück zugetan. Eine Kriegerwitwe hatte die Milchsammelstelle. Diese Frau hatte ein Einsehen und gab unserer Tochter mehr Milch als uns auf den Karten zustand. So hatten wir jetzt schon zwei Wohltäter. Aber die übrige Ortseinwohnerschaft begegnete uns mit größtem Mißtrauen.

Durch das Nichtstun, es gab damals keine Arbeit mit Entlohnung, streifte ich die Gegend ab. Eines Tages, im Juli, bemerkte ich, daß die Getreidefelder reiften und geerntet wurde. So zogen wir auf die abgeernteten Getreidefelder zum „Nachlesen-Ährln", so sagten wir früher, und haben uns viele tausendmal nach jedem Halm gebückt. So hatten wir in einigen Tagen eine Menge gelesen. Mit der Hand rieben wir die Körner aus und ließen sie durch die Hände auf das ausgebreitete Tuch fallen. Der Luftzug sorgte für die Reinigung. Die ersten 2 1/2 kg Korn trugen wir zum Bäcker und dafür gab uns dieser einen 2 1/2 kg schweren Laib Brot. Das war ein Festtag für uns, und der ganze Laib wurde sofort von uns Dreien aufgezehrt. Emsig hatten wir dann in den nächsten Tagen das Ährenlesen betrieben. Zeitig in der Frühe zogen wir los. Den ganzen Tag bückten wir uns nach den Ähren. Ein gutherziger Mann erbot sich dann uns die Körner mit dem Dreschflegel (Drischl) auszuschlagen und sie mit der Putzmaschine zu reinigen. So etwa 2 - 3 Zentner Körner dürften wir damals in den Sommerwochen der näheren und weiteren Umgebung des Unterbringungsortes gesammelt haben. Die größte Not war überstanden. Etwa in einem 6 km entfernten Ort war die Familie Roßmeissl untergebracht. Von dieser Familie borgte ich mir die Kaffeemühle aus, und auf dieser wurden viele kg Körner für den gesunden Korn- oder Weizenbrei gemahlen. Nachdem nun wieder etwas zu essen und vor allem Brot vorhanden war, kehrte auch die Zuversicht und die Hoffnung auf andere Zeiten wieder ein. Aber mit dem Wohnraum wollte es noch nicht klappen. Die Leute in dem Dörfchen waren selbst sehr beengt, denn manche Flüchtlinge aus der ausgebombten Stadt Aschaffenburg hatten dort schon früher Aufnahme gefunden.

Nun möchte ich hier eine Zeitspanne von einigen Monaten überspringen. Eines Tages - es war der 16. Dezember 1946 - konnten wir nach dem Markt Schöllkrippen umziehen. Anfangs wollten auch diese Leute uns nicht gerne. Aber wir haben nie welche Ansprüche gestellt. Dann begann für uns eine recht angenehme, ruhige Zeit. Sofort wurde unsere 5 Jahre alte Tochter in den Haushalt der gastgebenden Familie aufgenommen und vollkommen verpflegt. Der 84 Jahre alte Opa drängte seine Tochter, ja nicht das Kind hungern zu lassen. Meine Frau und ich griffen ebenfalls mit in der Landwirtschaft zu, und so entwickelte sich ein Freundschaftsverhältnis wie man es selten ausbauen kann. Unsere Kinder - mittlerweile kam noch eines dazu - wurden wie die eigenen in der Gastfamilie gehalten. Noch heute zählen wir zu der großen Familie in diesem Ort, obwohl wir schon mehr als 30 Jahre im eigenen Haus und 30 km weit weg in Kahl am Main wohnen. Nach einer solange vergangenen Zeit leben diese Begebenheiten ab und zu wieder auf. Darum wurde noch nie ein Stücklein Brot von uns weggeworfen. Es war fast nicht zu ertragen, dem eigenen Kind kein Brot geben zu können, weil es damals eben keines zu geben gab. So blieb mir der Erwerb des ersten Laib Brotes nach der Vertreibung bis zum heutigen Tag in Erinnerung.

Richard Brummeissl

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