Was unsere Leser schreiben
Liebe Schlaggenwalder!
Vor einigen Tagen gelang ich, durch Herrn Brummeissl, zum ersten Mal in den Besitz einer Serie von älteren Heimatbriefen. Meine Mutter, Hildegard Domikowsky, geb. Zhorschel, war eine Schlaggenwalderin. Sie wurde dort 1906 als Tochter des Zhorschel Josef und seiner Frau Anna geboren. Zwei Jahre später kam noch der Sohn Franz dazu. 1929 zog meine Mutter zu einer Tante (Schwester ihres Vaters) nach Swinemünde. Hier wurde ich 1930 geboren. Im Jahre 1933 baute mein Großvater, der Zhorschel Josef, sein Haus am Kaunitz 9.
In meinen Kinderjahren hörte ich immer wieder von den Schönheiten des Egerlandes. Auch mein Onkel, der Zhorschel Franz, zog zu uns nach Swinemünde, und so war die Heimat durch Erzählungen der Geschwister ständig nah. Meine Mutter brachte mir sogar den Egerländer Dialekt bei, der zu sprechen mir sehr schwer fiel. Immerhin war ich eine wasserfeste Pommeranze. Sehr oft erlebte ich ihr Heimweh nach der Heimat. In Gedanken zog ich durch die Gassen und Staffeln der würdigen Bergstadt. Auch hörte ich die Namen der Einwohner und beim Lesen der Heimatbriefe erinnere ich mich immer wieder, diese Namen gehört zu haben. 1943 fuhren wir dann zum ersten Mal nach Schlaggenwald. Es war Sommer. Die Reise war damals sehr unangenehm, denn in Berlin und Dresden gab es Fliegeralarm. Nun sah ich Karlsbad. Mit meinen dreizehn Jahren nahm ich die Schönheit dieser Stadt schon voll auf. Ich war begeistert. Morgens, in aller Frühe, ging es dann weiter vom Unteren Bahnhof mit der Kleinbahn. Ich glaube in Schönwehr mußte man umsteigen. Schön war diese Fahrt durch die Höhen und Täler, an Felsen vorbei und über Brücken. Bei den Großeltern angekommen, war die Freude groß. Endlich konnte ich alles mit eigenen Augen betrachten, von dem meine Mutter immer erzählte. Ich erinnere mich genau an den Kugelhof, an das Siechenhaus, an das Bräuhaus. Das ganze verträumte Städtchen habe ich heute noch vor Augen. Sehr oft strolchte ich über den Friedhof, und sah mir die Bildchen der Verstorbenen auf den Grabkreuzen an. Solches gab es bei uns im Norden nicht. Etwas gruselig war mir immer vor dem überlebensgroßen Jesus an der Kirchenmauer. Schaudernd drückte ich mich auch in der Kirche herum. Es gab dort sehr viel zu sehen. Eines Tages besuchten wir auch die Türmerin. Auf einem Zwischenboden zum Turm, ich meine, zu ihrer Wohnung, es war wohl nur ein großes Zimmer, züchtete sie Kaninchen. Welch eine Aussicht von dort oben. Eine Freundin fand ich dann in der Loisl Hahn vom Kaunitz. Wir gingen zusammen baden in den Leßnitzteichen. Ich glaube, auf dem kleinen Weiher waren auch die Gänse und Enten der Nachbarschaft zu Hause. Jedenfalls war das Wasser danach und wir rochen auch so. Aber es war herrlich. Auch eine Bandlnweberei besuchten wir. Die Besitzerinnen waren ehemalige Freundinnen meiner Mutter.
1944 fuhren wir dann wieder im Sommer zu den Großeltern. Das Ende des Krieges bahnte sich an, und alles wurde immer schwieriger. Ich glaube, in diesem Urlaub machte ich die Bekanntschaft des jungen Hansi Gröschel. Übrigens damals ein bildhübscher junger Mann. Zum Abschied gab es dann Tränen, zumindest bei mir.
Der Krieg war zu Ende. Ein Chaos. Wir Swinemünder mußten auch die Heimat verlassen und fanden hier in Holstein eine neue Bleibe. Meine Eltern siedelten um nach Bielefeld und starben dort in den Jahren 1972 und 1980.
Vor einem Jahr unternahmen meine Tochter und ich eine Städtetour mit der Bahn nach Karlsbad. Noch heute ist uns dieses Unternehmen ein Alptraum. Schikanen an der Grenze, Gewehre an den Zugtüren. Im „Hotel Pupp", unsere Unterkunft, unfreundliche Bedienung. Überall Geschmacklosigkeiten, verdreckte Toiletten, unsauberes Geschirr. Über der ganzen Stadt ein Geruch von Moder. Wenn auch die Tschechen mit ihrer Gesetzgebung nicht zufrieden sind, saubere Toiletten haben mit dem Regime nichts zu tun. Der Verfall der einstmals wunderschönen Stadt ist weit fortgeschritten. Was ist aus dem schönen Karlsbad von einst geworden?
Auf der Rückreise ließen uns die Zollbeamten nicht in den Nürnberger Zug einsteigen. Wir kamen laut Fahrplan eine halbe Stunde zu spät in Cheb an, uns blieb ein sehr unangenehmer Aufenthalt von neun Stunden in Cheb/Eger. Der Bahnhof grau in grau. Ein junger tschechischer Beamter sah die Panik in unseren Augen. Hilfsbereit versuchte er ein Taxi zu besorgen, das uns zum Autogrenzübergang bringen sollte. Kein Taxi zu bekommen. Nach einiger Zeit bot er uns seinen eigenen Wagen an. Ein anderer Beamter fuhr uns dann nach Pomezi. Vielleicht können Sie sich unsere Aufregung vorstellen. Nach vielen Anstrengungen erreichten wir dann
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