Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 181
/ 32
česky německy obojí klasické zobrazení →
Sken listu 2
Milí krajané! Úvahy o létu, žních a nadprodukci

Liebe Landsleute!

Wie aus den Spendennachweisen zu ersehen ist, haben sehr viele Landsleute erhebliche Beträge für die Erhaltung des Heimatbriefes aufgebracht. Es ist erstaunlich, wie die Gedanken noch immer in unseren Orten, die uns einst Heimat und echtes Daheim gegeben haben, verweilen. Ich möchte allen danken, die es ermöglichen, daß der „Schlaggenwalder Heimatbrief" weiter erstellt werden kann. Möge diese Opferbereitschaft allen zum Segen gereichen.

Der Sommer liegt nun beim Eintreffen des Heimatbriefes wieder einige Wochen zurück. War es ein Sommer, so wie wir ihn noch von einst in Erinnerung haben? Erleben wir noch die Schnitter? In meiner Erinnerung sehe ich noch so manchen rüstigen Mann mit der Sense und Wachler daran auf der Schulter tragend, den Wetzstein um die Hüfte am Ledergürtel und seinem Vesper im Tuche an der Hand durch unsere Gassen gehen. Müde war sein Schritt, und der Schweiß stand ihm im Gesicht. Er hatte ein schweres Tagwerk vollbracht.

Nun haben sich die Zeiten der körperlichen Schwerstarbeit verändert. Die Maschinen besorgen jetzt das Ernten und erleichtern somit alle Feldarbeiten. Die Chemie tut was nur möglich ist, um das Wachstum zu fördern und somit auch die Profitgier zu steigern. Immer größere Mengen werden produziert, die man abgesetzt wissen will. Aber nun quellen die Lager über. Fleichberge, Butter stapelt sich zu Millionen Tonnen in den Lagern. Wohin mit diesem Überfluß, den die EG hortet? Vielleicht läßt sich Rußland herbei und nimmt einen Teil davon, wenn man die Transportkosten noch dazu übernimmt.

Man muß sich fragen, was treibt den Menschen dazu eine derartige Überflußproduktion zu betreiben? Hat er ganz vergessen, daß es in unserem gebräuchlichsten Gebet heißt: „Unser tägliches Brot gib uns heute!" Gewiß, man kann sich auch andere Leckerbissen leisten. Aber wer einmal richtig Hunger hatte, dem war ein Stücklein Brot ein echter Leckerbissen. Warum also diese ungeheuren Mengen von Getreide unverwertet verkommen lassen? Wer bezahlt diese Verschwendung eigentlich? Ganz einfach, man nimmt es dem Armen, denn der trägt die große Steuerlast, die die Staatsverwaltung ihm auferlegt. Wir wissen nicht, welche Lobbies in Bonn um Subventionierung anstehen. Die Milliardensummen würden ausreichen, die dort vergeben werden, um genügend Arbeit für die Arbeitslosen in unserem Lande zu schaffen. Der kleine Landwirt kommt eh nicht in den Genuß der Mittel, die dort für den Verbrauch des Min. Kiechle gegeben werden. Das beweisen die Demonstrationen, die nun mehrfach von den Bauern veranstaltet werden. Zuerst demonstrierten die Bauern in Frankreich gegen die billigen Gemüsepreise und gegen die Weineinfuhr aus Italien. Da wurde lastwagenweise frischgeerntetes Gemüse auf die Straße gekippt. Später waren dann die Eierpreise zu niedrig. Aber jetzt fangen auch unsere Bauern mit Streiks an und geben so ihre Unzufriedenheit kund. Wenn die Arbeiter das Recht haben Streiks durchzuführen, warum dann nicht auch die Bauern? Was ist das doch für eine Welt, und welcher Zukunft gehen die Menschen entgegen? Man schürt spürbar die Unzufriedenheit in der Masse, und das ist der jetzige Frieden. Wollen wir abwarten, was jetzt nach dem sogenannten Sommerloch für Überraschungen unsere Politiker der Allgemeinheit präsentieren werden. —

Hier möchte ich allen, die mir zum Geburtstag gratuliert haben, den herzlichsten Dank sagen. Meine Freude über die vielen Zuschriften und Anrufe war sehr groß gewesen, denn ich konnte nicht annehmen, daß man an diesen Tag denkt. Nochmals herzlichen Dank!

Danken möchte ich auch den Landsleuten, die mithelfen, durch ihre Erinnerungen an „Daheim" unseren Heimatbrief zu gestalten. Viele Bilder konnten somit uns allen zugänglich gemacht werden, die uns die Heimat nicht vergessen lassen. Leider künden sie auch von dem Verfall und von Zerstörungen, und das dürfte wohl schmerzlich für uns alle sein. Der Zeitenlauf läßt sich nicht aufhalten und so muß viel Altes aufgegeben werden. An das Neue gewöhnen heißt verzichten können.

Richard Brummeissl

Der Schlaggenwalder Heimatbrief ist die letzte Brücke zur Heimat!

věta pokračuje na dalším listu ⟶

list 2 z 32
Rozdělení textu na listy je odhad — text může o odstavec přetéct na sousední list. Původní znění vlevo je vždy přesné.
Klikni na větu a ukáže se, kde na skenu stojí. Zvýrazňují se celé řádky, ne přesná slova — místo je tedy přibližné.