Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 181
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„Navzdory zdi a ostnatému drátu — i tam za hranicí je Německo." Úvaha ke Dni domoviny 1985

„Trotz Mauer und Stacheldraht — auch drüben ist Deutschland." Betrachtungen zum Tag der Heimat 1985

„Trotz Mauer und Stacheldraht — auch drüben ist Deutschland."
Betrachtungen zum Tag der Heimat 1985

Und mag es noch so schmerzlich klingen — es ist eine bittere Realität von heute, daß die Wiedervereinigung Deutschlands unter den gegenwärtigen Verhältnissen noch in weiter Ferne liegt. Darin hat uns auch die viel verheißene „Wende" noch keinen Schritt näher gebracht.

Unsere Brüder und Schwestern ost- und mitteldeutscher Herkunft werden den diesjährigen Tag der Heimat nicht ohne Bitterkeit begehen, angesichts des ungleichen Maßes wie ihre Not infolge der Spaltung Deutschlands von Menschen der Bundesrepublik empfunden wird. Während sie Tag für Tag, ja oft auch Stunde für Stunde die großen und kleinen Lasten der Teilung und der Einverleibung in eine unfreie Welt zu tragen haben, ist es für viele in unserer Wohlstandsgesellschaft bereits ein Ärgernis von der Heimat zu sprechen und für sie einzutreten. Da qualifizieren die einen die Heimat als einen überholten Begriff aus Großvaterszeiten ab, während die anderen sich daran stoßen, daß die aus der Heimat Vertriebenen auch nach diesem langen Zeitraum von 40 Jahren immer noch keine Ruhe geben wollen und den Rechtsanspruch auf die Heimat aufrecht erhalten.

Wollen wir den derzeitigen Machthabern, die gegenwärtig die staatsrechtliche Gewalt über Teile Deutschlands ausüben, nicht erliegen und damit für immer uns mit der Teilung Deutschlands abfinden zu müssen, dann tut ein Umdenken im Deutschlandbewußtsein vieler unserer Menschen, auch so mancher Vertriebener, not. Der erste Bundeskanzler der freien Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer, hat den Vertriebenen einmal zugerufen: aus der Liebe zur Heimat erwachse die seelische Kraft, ein bitteres Schicksal mit Geduld tragen zu können." Das sind Worte, die auch heute noch ihre Gültigkeit besitzen, obwohl sie vor mehr als 20 Jahren gesprochen worden sind. In welchem Gegensatz dazu stehen die heutigen Worte eines Politikers „daß ohnehin nichts verloren ist, was nicht schon längst verspielt worden sei.

Laßt uns endlich aus einem solchen Teufelskreis der Selbstdemütigung ausbrechen. Das Erinnerungsgut, das wir als Erlebnisgeneration unter dem Sammelbegriff „alte Heimat" zusammengetragen haben, darf nicht zu einem Tabu werden. Für uns bedeutet der Begriff Heimat immer noch der von der Natur mit Bodenschätzen mannigfaltigster Art gesegnete Landstrich, in dem wir geboren wurden und unsere Jugendzeit verlebten - und dann, trotz unseres bürgerlichen Wohlverhaltens gegen jedes Völkerrecht wie räudige Hunde vertrieben wurden.

Wenn wir, die wir durch diese unselige Vertreibung in all Winde verstreut leben müssen, uns mit den Brüdern und Schwestern im unfreien Teil Deutschlands als Angehörige eines deutschen Volkes fühlen, so ist das wahrhaftig kein frevelhafter Nationalismus, sondern der Ausdruck eines gesunden Volksempfindens, den man allen zivilisierten Völkern zugesteht, nur nicht dem deutschen Volk. Wenn Heimat also heute, wie es scheint, noch kein fester Begriff eines der bloßen Gewalt nachhängenden Völkerrechtes ist, so wird und muß sie es um des Menschentums willen bald werden. Auf dem Boden der heimatlichen Landschaft und im Zusammenleben mit Landsleuten aus der Heimat wird nur jene Lebenshaltung weiter gedeihen, die uns vom ersten Mutterlaut und den ersten Schritten im Vaterhaus begleitete, oft auch hin bis zum Grabe.

Einen in einer solchen Lebenshaltung verwurzelten Menschen muß deshalb der Zeitgeist von heute vieler unserer Landsleute bitter aufstoßen und in seinem Innern etwas zerbrechen lassen, wenn alles, was den eigenen Volkscharakter entspricht als überspitzt völkisch in Grund und Boden verdammt wird. So geschah es doch bei einer Sonnwendfeier in Grenzlandnähe, daß das daheim bei gleichen Anlässen zum ungeschriebenen Gesetz gehörende Lied „Wenn alle untreu werden" keine Zustimmung in der heutigen Zeit wegen seiner dritten Strophe fand, wo es heißt: „Wir woll'n das Wort nicht brechen, nicht Buben werden gleich, woll'n predigen und sprechen fürs heilge deutsche Reich". Sollte es aber nicht gerade heute in dem Bestreben um die Einheit eines deutschen Reiches erst recht zu unseren Aufgaben gehören dafür zu predigen und zu sprechen? Der Weg zur Einheit Deutschlands bedarf der Symbole, sonst wird er nie ausreichend markiert erscheinen. Eines dieser Symbole aber ist auch das Nichtvergessen der Menschen in Mittel- und Ostdeutschland in dem unerschütterlichen Bewußtsein, daß es früher oder später doch wiedereinmal nur ein Deutschland geben wird.

Für uns hier im freien Teil unseres deutschen Vaterlandes muß es bis zu diesem Zeitpunkt aber nach wie vor heißen: „Die Bundesrepublik ist nicht das ganze Deutschland".

Josef Braun (Marienbad / Reutlingen)

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