Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 181
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Vzpomínky na skleněné koule

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ein Kißchen, dort ein Kißchen — da ein Spitzchen, dort ein Spitzchen — da ein Bildchen, dort ein Bildchen — all das schaffte kuschelige Geborgenheit in diesem Raum.

Bald hüpften wir Kinder hinaus in den Garten. Über den Sommer schwelgte er in bunten Farben. Onkel Anton holte die Schere und schnitt für uns einen riesigen Strauß. Im Zugabteil sagten nachher die Leute jedes Mal zu mir: „Håust du owa schöina Blouma!"

Einmal hatten wir bis zum „Gehtnichtmehr" Onkels Stachelbeersträucher geräubert. Die Beeren waren aber noch hart und sauer. Mama wollte eben zur Heimfahrt rüsten, als wir zu stöhnen und zu ächzen begannen und das „Häuserl" dauernd besetzten. Sie konnte sich nicht erklären, wovon wir das haben konnten. Onkel Anton aber, dieser Schlaumeier, lief schnurstracks zu seinen Stachelbeersträuchern und entdeckte, was er bereits geahnt hatte. Unser Drangsal bereitete ihm Vergnügen, Tante Anna schimpfte deswegen mit ihm. Unsere Mama jedoch schämte sich, daß sie solch verfressene Kinder hatte. Wir konnten erst mit dem späten Zug heimfahren, denn die Stachelbeeren gaben keine Ruhe, bevor sie nicht alle wieder draußen waren.

Ganz besonders schön war es, wenn Tante Anna den Kaffee in die Laube brachte. Für Heini und mich kochte sie Schokolade. Das feine Gebäck schlang Heini nur so in sich hinein, und wenn er nicht mehr konnte, dann stopfte er sich damit die Taschen voll. Wenn es Mama sah, wurde sie wild und sagte, daß wir uns aufführen würden, als gäbe es bei uns daheim nichts zu essen. Manchmal entdeckte sie es aber erst im Zug, wenn nämlich mein Bruder die Bröserln aus der Hosentasche „wulcherte". Da rückte sie sprachlos in ihr Eckchen und fragte sich, warum ihr ständiges Bemühen so wenig Erfolg zu haben schien.

Über Onkels Garten flatterten ohne Unterlaß Onkel Ludwigs Brieftauben, und sie gurrten den ganzen Tag. Onkel Ludwig, mein ältester Vetter, war ein Brieftaubennarr. Er kannte seine Lieblinge ganz genau. Er brauchte sie nur zu rufen, da kamen sie schon. Wenn ich brav gewesen war, dann durfte ich mit über die steile Stiege auf den Boden. Manchmal durfte ich sogar eine Taube in die Hände nehmen. Aber das war schon etwas ganz Besonderes. Onkel Ludwig war mit der „jungen Tante Anna" verheiratet. Sie war schmal und zart. Ihre Wangen blühten wie Heideröslein, und ihr Blick war warm und freundlich.

Eines Tages entdeckte ich an ihr etwas, was mich zutiefst bekümmerte. Sie war nicht mehr so schön. Sie hatte einen dicken Bauch bekommen wie unser Ulmannfleischer. Abends sprach ich mit Mama darüber. Die aber lächelte nur und meinte, daß das bald wieder vergehen würde. Ich war gespannt. Als wir das nächste Mal nach Neusattel kamen, war der Bauch noch größer geworden. Das war ja fürchterlich! Wieder sagte ich, und das es nicht wahr sei, was sie mir gesagte hatte, im Gegenteil, die junge Tante Anna wäre nun noch dicker geworden. Mama lächelte wiederum. Bei unserem nächsten Besuch, so erklärte sie mir, würde die Tante ganz bestimmt wieder so schlank sein wie früher. Außerdem hätte sie dann ein kleines Buberl oder ein kleines Mäderl, nicht viel größer als eine Schlafpuppe. Das könne sie mir fest versprechen. Wirklich, nach vier Wochen trat mir die junge Tante wieder hübsch entgegen, und sie hatte einen „Pischl" in den Armen. Stolz zeigte sie mir das Büblein darin. Es gefiel mir jedoch nicht, weil es rot und runzelig war. Meine Schlafpuppe fand ich tausendmal schöner. Erst als das Büblein ein molliges glattes Bürschlein geworden war, änderte ich meine Meinung.

Tante Annas älteste Tocher lebte in Deutschland. Sie hieß Marie. Ich habe sie selten gesehen, denn wenn sie mit ihrer Familie in den Ferien kam, dann war unsere Mama mit uns Kindern bereits bei Tante Emilie, die zwischen Prag und Kladno daheim war.

Die nächste Neusattler Kusine war Frieda. Sie lachte gern obgleich sie zu der damaligen Zeit nicht so recht glücklich war. Sie machte schöne Handarbeiten und zog für uns fürchterliche Grimassen. Als uns unsere gute Mama für immer verlassen hatte, kam Tante Frieda zu uns ins Haus. Sie half uns tröstend über die erste Zeit hinweg. Der Abschied von ihr nach drei Monaten hat uns sehr weh getan.

Meine jüngste Cousine in Neusattel war die Hermine. Ich nannte sie „Tante Herma". Sie war sehr hübsch. Immer wollte ich so werden wie sie. Ich sehe sie noch heute in einem wunderschönen Etaminkleid auf dem rote Rosen blühten. Sie hatte eine wippende Bubikopffrisur und wohlgeformte Beine. Als einst in Meierhöfen ein großes Turnerfest veranstaltet wurde, stand Tante Herma mit mir am Straßenrand und winkte fröhlich mit ihrem zarten Spitzentuch. Mir entging nicht, daß die strammen Sportler noch strammer marschierten, wenn sie meine Tante Herma erblickten. Ich war stolz auf sie.

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