Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 181
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Vzpomínky na skleněné koule

Glaskugel-Erinnerungen

Hurra, sie kommen wieder, die Glaskugeln unserer Jugendzeit. Da und dort strahlen sie schon zwischen Rosenbäumchen und Dahlien.

Nach dem Kriege hatte man sie mit den Wichtelmännchen zusammen auf den Schutt geworfen und sie „Kitsch" genannt. Nur wenige konnten sich verschämt in Rumpelkammern retten. Bald standen auf weichem Teppichrasen graue Plastiknackedeis, worüber sich jedoch kein einziges Kind freuen kann. Aber nun soll es wieder besser werden. Die Zwerglein sind schon da, mit Schubkarren, mit Gießkannen, mit Rechen oder auch nur mit Pfeifen. Sie lächeln der Sonne entgegen und lassen den Regen geduldig auf ihre Zipfelmützen fallen.

Die Glaskugeln sind etwas zaghafter. Die jetzt schon auf Stangen gespießt in Gärten stehen, sind die Hervorgeholten aus den Dachkammern, aber ungezählte warten auf ihre Hersteller. Ich weiß, daß viele Leute sie mit mir voller Freude empfangen werden. Gott gebe, daß meine Zeilen von einem Glasbläser in Neugablonz gelesen werden, denn in ihnen ist der Anstoß zu einer erfreulichen Konjunkturbelebung verborgen, womit gleichzeitig eine friedvolle Marktlücke geschlossen werden könnte.

In Österreich gibt es zwar schon einen Mann, der sich mit Glaskugeln beschäftigt, aber sie werden im Schatten des Domes zu Salzburg so teuer gehandelt, daß man um sie bangen muß, falls man sie über Nacht im Garten läßt. Ein wunderschönes Exemplar habe ich von meinen Kindern zum Geburtstag geschenkt bekommen. Es schimmert zwischen den dunkelgrünen Blättern meines Philodendrons und erinnert mich tagtäglich an Neusattel.

Dort lebten einstmals mein Onkel Anton und meine Tante Anna in ihrem grauen Häuschen, und waren umgeben von einem Garten, der aus Liebe wuchs. Längs des Zaunes blühten im Spätsommer kleine und großkopferte Dahlien, und jeder Stock wurde von einer Stange gestützt, auf die entweder eine rote, blaue, gelbe, grüne oder lilane Glaskugel gesteckt worden war. Dieses farbenfrohe Bild habe ich gerettet über alle Höhen und Tiefen meines Lebens hinweg, und nun leuchtet es mir entgegen, wenn ich meine Glaskugel anschaue . . .

Sobald die Märzsonne den letzten Schnee weggefressen hatte, entfaltete sich bei Onkel Anton die Frühjahrsaktivität. Er stülpte die Beete um, säte, planzte, sägte, hämmerte und strich die Gartenlaube wieder grün. Tante Anna lobte ihn und lächelte anerkennend. Mein Onkel kämpfte tapfer gegen Wühlmäuse, Maulwürfe, allerlei Gewürm, Mehltau und Schnecken.

Guter Lohn war ihm nach reichlichem Schweiß beschert, denn er fuhr meistens schöne Ernte ein. Tante Anna hatte oft bis tief in die Nacht damit zu tun, sie für den Winter zu konservieren. Nichts durfte verderben. Tante Anna war eine vorzügliche Hausfrau.

Und sie war die älteste Schwester meiner Mama. Zwölf Jährchen lagen zwischen ihnen. Da mein Bruder und ich Spätankömmlinge unserer Eltern waren, kam es, daß unsere Cousins und Cousinen aus Neusattel uns fast eine ganze Generation voraus waren. Wir nannten sie darum ebenfalls „Onkel" und „Tante". Fünf waren es. Bis auf Onkel Ludwig waren sie alle aus dem Haus. Nur ganz früher war Onkel Rudi auch noch da. Tante Anna liebte ihre Kinder sehr, immer war sie in Sorge um sie. Wenn eine Frau fünf Kinder großzieht, dann fällt ihr die Decke nicht auf den Kopf, sie hat nicht einmal die Vorstellung, wie so etwas vor sich gehen könnte.

Tante Anna war auch eine gute Tante. Wir besuchten sie gern. Alle vier oder fünf Wochen war für Mama und uns Kinder „Neusattelsonntag". Wir kamen mit dem Zug angereist. Von weitem schon sahen wir das mausgraue Häuschen im freundlichen Garten. Es hatte weiße Sprossenfenster mit Spitzengardinchen und roten Geranien dahinter und eine wiesengrüne Haustüre mit schöner Messingklinke. Treppchen führten hinauf. Tante Anna stand immer schon da und wartete auf uns. Sie umarmte und küßte uns, und sie weinte ein bisserl. Tante Anna sah frisch und stattlich aus, hatte rote Wänglein, blanke Augen und einen dicken kastanienbraunen Schoppel. Im Haus roch es nach Seife, Bohnerwachs, Kaffee und Kuchen. Onkel Anton war meistens noch mit seiner Sonntagstoilette beschäftigt. Ich konnte zusehen, wie er seine Igelhaare striegelte und die Bartbinde abnahm. Mit den Fingerspitzen durfte ich an seinen Kaiser-Wilhelm-Bart tippen. Der Onkel war ein fescher, gepflegter Mann, stets sah er aus, als ob er eben aus der Badewanne käme.

Die Stube war sehr gemütlich. Mama setzte sich auf das Plüschsofa, Tante in die Wachpostenecke, von wo sie ungesehen alle Vorübergehenden beobachten konnte. Zwischen den beiden Fenstern hing der schöngeschliffene Spiegel, vor dem ich mich drehte und wendete. Da

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