Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 180
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Co zůstává...

Was bleibt . . .

Was bleibt . . .

Kürzlich - es war in der Karwoche - kramte ich in meinen Briefschaften herum. Dabei fiel mir eine vergilbte Bleistiftzeichnung in die Hände. Sie stammt von mir selbst und zwar aus der Kinderzeit. Mein Onkel Ewald ist darauf gut erkennbar dargestellt.

Lange betrachtete ich das Bildchen und träumte in die Vergangenheit. —

Da sah ich meinen Onkel am Fenster sitzen. Sein geneigter Kopf mit dem ausgeprägten Profil hob sich klar gegen die Helle des Sonnentages ab. Es war das Motiv für meinen ständigen Ausdruckswillen.

Schnell nahm ich ein Stück Papier. Es war nur eine leere Würfelzuckertüte. Darauf begann ich zu zeichnen. Niemand beachtete mich, und niemand störte mich. Als ich mit meiner Arbeit fertig war, rutschte ich vom Stuhl und ging ans Fenster, denn ich wagte nicht, mein Werk vorzuzeigen. Onkel Ewald aber wollte es sehen. Er betrachtete es lange. Dann kam noch die ganze Familie herbei und schaute ihm über die Schulter. Alle staunten und lobten mich. Ich war glücklich darüber. Zu meinem Onkel sagte ich plötzlich: „Ich schenk es dir!" Da schrieb meine Tante Maria noch unter das Bildchen: „Von Herma gemalt mit 6 Jahren". Onkel Ewald streichelte meine Wangen, nachher faltete er die Tüte und steckte sie in seine Brieftasche. —

Die Jahre vergingen. Wir wurden alle vom Leben heftig gerüttelt und geschüttelt. Nachkriegswirren trieben uns in alle Windrichtungen. Ich dachte nicht mehr an jenes Bildchen.

Immer schneller begann sich die Reihe der Menschen zu lichten, die mich einmal von der Wiege an begleitet hatten.

Übrig blieb mein Onkel Ewald.

Als ich ihn einmal besuchte, er war inzwischen achtzig Jahre alt geworden, da gab er mir das Bildchen zurück. Er hatte es durch alle Stürme seines Lebens aufbewahrt. Ich freute mich deswegen, aber gleichzeitig ist mir schmerzhaft bewußt geworden, was ich schon immer geahnt hatte: Wenn Onkel Ewald von dieser Welt scheiden wird, dann nimmt er das letzte Stück meiner Kindheit mit. Nun ist er wirklich fortgegangen — vom Karfreitag zum Karsamstag in der Nacht.

In meinen Händen zittert die vergilbte, eingerissene Zuckertüte, jedoch das Bildchen darauf, bringt mir tausend liebe Erinnerungen zurück. Sie sind das, was bleibt ...

Hermine Walter, geb. Palm

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