Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 180
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Třešňové knedlíčky (Kirschnkniadala)

Kirschnkniadala

Kirschnkniadala

Die Sommerferien hatten begonnen.

Ich durfte bereits am ersten Tag nach Gfell fahren. Aber allein. Mein Bruder Heinrich sollte später nachkommen. Es würden seine letzten unbeschwerten Ferien sein. Unsere Kindheit begann abzubröckeln. Im Herbst schon sollte Heini die Lehre in Vaters Betrieb beginnen. Ihm graute davor, denn insgeheim hegte und pflegte er seinen Traum, einmal Bauer in Kanada zu werden. In jeder freien Minute hockte er über Büchern, die ihm dieses weite Land schilderten und die Wälder des Nordens rauschen ließen. Nur ich wußte von seinen Plänen und ich hütete mich, jemandem davon zu erzählen. Wenn nämlich mein Vater davon erfahren hätte, wäre er nicht nur sehr enttäuscht gewesen, er wäre höchstwahrscheinlich auch zornig geworden. Und das war immer eine äußerst ungemütliche Situation, wir umgingen sie gern. Heinis Sehnsucht nach der Ferne Amerikas bekam später ohnedies einen gewaltigen Dämpfer. Auf vielen Schlachtfeldern Europas verkümmerte sein Fernweh sehr schnell, dafür wuchs das Heimweh ins Unermeßliche. Bei seinem letzten Fronturlaub sagte er ahnungsvoll, daß es mit Kanada nichts werden würde, er werde froh sein, wenn er jemals wieder heimkommen und Vaters Geschäft übernehmen könne.

Und nun sollte er seine letzten Schulferien verbringen, also Abschied nehmen von der Kindheit. Er hatte nur noch allerlei zu erledigen, weswegen ich ohne ihn losfuhr.

Als ich zu meiner Großmutter kam, war sie allein im Häuschen. Auch meine Vettern und Kusinen waren noch nicht eingetroffen. Da ließ ich mich verwöhnen, verhätscheln und liebhaben. Noch hatte Großmutter genügend Zeit dazu, und sie wußte, wie ich mich danach sehnte. Seit über zwei Jahren schon lag unsere unvergeßliche Mama auf dem Friedhof in Karlsbad begraben, und sie fehlte uns sehr. So breitete die alte Frau ihre Arme weit aus und schenkte uns Wärme, Geborgenheit und Trost.

Ich durfte am Morgen zu ihr ins Bett kriechen, mich an sie kuscheln und vor Vergnügen schnurren. Ich durfte aufstehen, wann ich wollte, ich bekam mein Lieblingsessen vorgesetzt, und abends durfte ich mich wieder an Großmutters schmale Schultern schmiegen. Wir erzählten uns vieles bis tief in die Nacht hinein, bis ich dann endlich müde in mein Bett huschte. Eines Morgens, es war noch sehr früh, weckte mich meine Großmutter. Sie tat es ganz vorsichtig, damit ich nicht erschrecken sollte.

„Herminerl", sagte sie leise, „ich göih oitza in Wåld. In da Röiha stöiht a Suppn u a Pfannerl mit Kirschnkniadala. Wenne bis zan Mittogleitn neat daham bin, offa fångst scho ua za essen!" Dann streichelte sie über meinen Kopf und tapste gleich darauf aus der Kammer.

Ich konnte nicht mehr einschlafen, denn draußen erwachte das ländliche Leben mit all seinen Geräuschen, wie sie nun in diesem Zusammenklang nirgendwo mehr zu hören sind. Da krähten die Hähne, es gackerten die Hühner, es schnatterten die Gänse und es gurrten die Tauben. Im Stall quiekten die Schweine und das Vieh schrie und stampfte. Unter dem Dach zeterte die Schwalbenbrut vor Hunger.

Deshalb stand ich auf. Während ich mein Brot aß und Milch dazu trank, dachte ich darüber nach, was ich nachher tun könnte. Ich war glücklich und zufrieden, mein Herz quoll über vor Freude. Ich wollte davon abgeben, etwas Gutes tun, meine Großmutter erfreuen. Als ich das Geschirr wegräumte, kam mir in den Sinn, was ich dafür tun könnte.

Mit Schwung riß ich zunächst die Fenster auf, daß das Federvieh erschrocken aufkreischte. Dann raffte ich die Bandeldecken zusammen und trug sie auf den Holzplatz, wo ich den Staub aus ihnen rausklopfte. Dann legte ich sie breit über den Reisighaufen, damit die Sonne richtig anscheinen konnte. Nachher nahm ich all die Tüpferln, Stürzen, Kochlöffel, Quirle, Schöpflöffel und Reibeisen von den Etagern herunter und wusch sie schön sauber. Hinterher holte ich Großmutters Sonntagsgeschirr und ihre bemalten Teller aus der winzigen Kredenz und spülte und polierte alles blitzblank. Und dann holte ich schließlich den Blecheimer voll Wasser, nahm Schmierseife und Wurzelbürste und scheuerte die Dielen im Stübchen, die Fliesen im „Vürheisl" und die Steinstufen des Aufganges. Zum Schluß legte ich die sonnenwarmen Bandeldecken auf die frischen Bodenbretter. Dann schaute ich mich zufrieden im Kreise um und wartete auf Großmutters Lob. Es war aber erst halb zwölf. Ich hatte Hunger, großen sogar. Noch eine halbe Stunde wollte ich nicht warten. Erst nahm ich mir von der Suppe einen Teller voll, und hinterher holte ich das Pfannerl mit den Kirschnkniadalan aus der Ofenröhre. Sie waren klein. Nur eine Kirsche war in jedem drinnen. Es waren aber immerhin

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