Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 179
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Proč zrovna my?

Warum immer wir?

Da haben doch die Schlesier tatsächlich ihrem bundesweiten Heimattreffen die Überschrift „Schlesien bleibt unser" geben wollen. Was sich dieser Herr Hupka und seine Freunde wohl dabei gedacht haben? Da könnte ja jeder kommen von diesen Vertriebenen, die Pommern, die Ostpreußen, die Mecklenburger, die Sudetendeutschen und wie sie alle heißen mögen. Ein Aufruhr ist entstanden. Berühmte Geister, bis weit, weit über unsere Grenzen hinaus, haben sich erhoben und zeigen nun mit ihrem geistigen Finger auf uns und tadeln ganz erschreckt, daß das, was Herr Hupka behauptet, eine Vermessenheit sei und beweise, welche Gedanken und Wünsche er und seine Vertriebenenkollegen in Wahrheit hegen.

Das Recht auf ihre Heimat, das allen Gejagten, Vertriebenen und Flüchtlingen dieser Erde selbst von allerhöchster Stelle zuerkannt wird, gilt doch nicht für die Deutschen aus dem Osten! Sie haben gefälligst ihre heimatlichen Gefühle aus dem Herzen zu reißen und vielmehr dankbar dafür zu sein, daß sie die Hauptfolgelast des Krieges tragen dürfen!

Zu der obigen Angelegenheit habe ich mir Gedanken gemacht und möchte nun meine Erkennntnisse so sachlich wie möglich darlegen. Was für die Schlesier gilt, gilt auch für uns Sudetenländer. Seit fast vierzig Jahren hält eine eiserne Faust unsere Heimat als ihr Eigentum fest. Wir mußten uns den Beschlüssen der Großmächte, die im Siegestaumel ein unmenschliches Urteil gefällt hatten, beugen und unser geliebtes Land verlassen. Man hatte sich damals in Jalta und Potsdam ein Recht angemaßt, das in seiner gnadenlosen Form ganz gewiß auch nicht nach Gottes Willen und Geboten ist, und darum bleibt die Heimat unser, auch wenn wir sie nicht mehr haben. In späteren Zeiten werden die Historiker diese Wahrheit bestätigen.

Seit der Vertreibung ist eine lange Zeit vergangen, ein Hauch im Weltgeschehen, für den Menschen mehr als das halbe Leben. Wir, die wir beim Kriegsende in der schönsten Jugend standen und schwere Opfer gebracht hatten, wir sind heute längst Großväter und Großmütter. Unsere Kinder und unsere Enkel sind Bayern, Schwaben, Hessen, Westfalen, Friesen und Hannoveraner, und sie sprechen deren Sprache.

Wir haben unter großer Mühsal unseren Kindern ein Nest gebaut, das ihre Heimat geworden ist.

Wer nun auf dieser Welt kann ernstlich annehmen, daß wir Großväter und Großmütter unsere Kinder und unsere Enkelkinder zur Gewalt aufstacheln wollen, die wieder nur in einem namenlosen Unglück enden würde. Wir schließen zu keiner Nacht unsere Augen, ohne Gott zu bitten, daß uns der Frieden erhalten bleiben möge, Frieden für uns und unsere Kinder, Frieden für die ganze Welt. Darum ist es eine ketzerische Unterschiebung, wenn man uns Vertriebenen immer wieder Gedanken und Pläne anlastet, die wir überhaupt nicht hegen. Ist es nicht genug, daß wir die Heimat hergeben mußten, sollen wir dazu niemals in Frieden gelassen werden?

Ich hoffe, meine lieben Landsleute, ich konnte mich verständlich machen, und ich hoffe, ich habe auch Ihnen aus der Seele gesprochen!

Damit wünsche ich Ihnen ein friedvolles und gesegnetes Osterfest!

Ihre Hermine Walter

Landsleute, besucht zu Pfingsten 1984 den

Sudetendeutschen Tag in Stuttgart

Bekennt Euch zu unserer Volksgruppe!

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