Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 179
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Kde mi vyrostl domov

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auf wankenden Pfaden, wobei mir so manch Schmerzhaftes widerfuhr. Einmal stand ein Topf mit Liwanzenteig auf dem wärmenden „Wasserhafn" zum „Gehen". Die Herdplatte daneben glühte vom prasselnden Holzfeuer. Mama ging kurz weg, um die Pfanne zu holen. Schnell schleppte ich das Schammerl herbei und stellte mich darauf, um in den Teigtopf sehen zu können. Ich kippte und fiel auf den Ofen. Es ist nicht zu beschreiben, welche Sorgen und welches Grausen ich damit meinen Eltern verursacht hatte. Tage- und nächtelang trugen sie mich wimmerndes Wesen auf und ab. Dr. Singer wiegte bedenklich sein Haupt, wenn er nach schwerer Arbeit unsere Wohnung verließ. Jedoch, wie man sieht, ich wurde wieder gesund und hüpfte bald munter durch Haus und Garten.

Ein Erlebnis gehört noch zu diesem Kranz meiner Erinnerungen aus der frühen Kindheit.

Es geschah an einem Frühsommertag. Meine Mama ging mit uns Kindern hinaus zum anderen Dorfende, wo unsere Großmutter mit Onkel Robert und dessen Familie in einem freundlichen Häuschen lebte. Es stand am steilen Hang. Man erreichte es von der Dorfstraße aus über eine Auffahrt, die oben einen kleinen Vorhof bildete und dann auf der anderen Seite wieder zur Straße herunter führte. Damit war ein idealer Umlauf für allerlei Spiele gegeben. Die Auffahrt war durch eine Stützmauer aus losen Steinen befestigt worden. In den Fugen hatten sich verschiedene Steingewächse und Sträucher angesiedelt. Zwischen Mauer und Straße rieselte ein winziges Bächlein. Manchmal rieselte auch Jauche mit darin. Als wir zum Häuschen kamen, standen Onkel Roberts Kinder bereits da und warteten, daß wir mit ihnen „Feierlei" spielen sollten. Mich traf es beim Auszählen. Als ich eine Weile hinter der johlenden Schar hergelaufen war, entschloß ich mich, unten auf der Dorfstraße eine Kehrtwendung zu machen, damit mir die Meute direkt in die Arme laufen sollte. Aber statt jener kam von der Höhe herunter das wildeste Gespann, das man sich denken kann. Zwei Rappen bäumten sich auf, wieherten und schnaubten, hatten Gischt vor dem Maul und das Weiße in den Augen. Der Kutscher schrie und riß und zerrte an den Riemen, während sein Landauer von einer Straßenseite zur anderen schleuderte. Ich erkannte, daß ich keine Fluchtmöglichkeit mehr hatte. Da sprang ich in den „Tschurlboch", wie man daheim sagte und preßte meinen Körper auf seinen Grund. Augenblicklich rieselte gerade braune, stinkende Brühe, aber das wurde mir erst hinterher bewußt. Kurz darauf raste der Höllenspuk an mir vorbei, krachend und berstend, denn der Wagen knallte mit seinem hinteren Teil derart an die Stützmauer, daß er vollkommen zerspreißelte. Und da war auch schon das Gespann mit Getöse verschwunden. Mama war plötzlich bei mir und nahm mich, so wie ich war, naß und stinkend, in ihre Arme und weinte. Dann trug sie mich rauf ins Häuschen. Großmutter machte heißes Wasser, nachher wurde ich in die Wanne gesetzt. Auf einmal stand ein fremder Mann in der Stube. Als er mich gesund und munter plätschern sah, warf er sich auf die Ofenbank und weinte. Das erste Mal, daß ich Tränen in Männeraugen sah.

Zum Schluß möchte ich noch von einer sehr lieben Erinnerung an Poschitzau erzählen, sie bedeutet mir viel, und ich werde tagtäglich mehrmals vor ihr Bild gestellt. Es kam einst ein Fotograph ins Dorf. Er ging von Haus zu Haus und bot seine Dienste an. Mama zog meinem Bruder schnell das weiße Hemd und die bestickte „Affenhauthose" an und mir ein Rosendirndl mit dem dazugehörenden winzigen Spitzenschürzerl. Auf den Kopf setzte sie mir eine Haarschleife, so groß wie ein Propeller. Dann stellte sie uns vor die hölzerne Scheune, die Onkel Anneres gehörte. Wir machten aber recht verdrießliche Gesichter, weil es ein wenig kalt war. Der Herr Fotograph wollte uns aufmuntern und versprach uns dauernd ein schönes Vöglein, wenn wir ganz lieb zu ihm schauen würden. Aber er kroch dauernd unter das schwarze Tuch und kam wieder vor, daß uns das ganze Spiel zu langweilig wurde. Was er nachher auf die Platte bannen konnte, ist trotzdem eines der hübschesten Bilder geworden. Es hängt jetzt neben anderen Familienfotographien vielgeliebt und wohlbehütet in unserer Diele, und ich schaue hin und denke an Poschitzau.

Hermine Walter, geb. Palm

Der Schlaggenwalder Heimatbrief ist die letzte Brücke zur Heimat!

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