Liebe Landsleute! (Weihnachtsgruß von Richard Brummeissl)
Bald ist es wieder Weihnachten und zugleich geht das Jahr zu Ende. Ob es uns alle Hoffnungen und Erwartungen gegeben hat? Das dürfte nicht bei allen gewesen sein. So mancher liebe Mensch hat uns für immer verlassen und zu ersetzen ist er nicht mehr.
So wünsche ich allen Lesern des Heimatbriefes ein gesegnetes Weihnachtsfest. Zum neuen Jahr 1985 recht viel Glück, Gesundheit und Gottes Segen.
Mein ganz besonderer Dank geht an alle Spender, die den Fortbestand des Heimatbriefes aufrecht erhalten helfen. Möge diese Opferfreudigkeit weiterhin anhalten. Den Landsleuten, die unseren Heimatbrief mit schönen Erinnerungsbeiträgen aus der einstigen Heimat bereichern, da denke ich ganz besonders an unsere Frau Walter, an Walter Zeidler, der uns die Bilder für den Heimatbrief erstellt und all den anderen, spreche ich im Namen aller Landsleute herzlichen Dank aus. Wir können stolz sein, daß wir Schlaggenwalder und die einstigen Dorfgemeinschaften noch in der Lage sind einen eigenen Heimatbrief für unsere kleine Gemeinschaft herausgeben zu können. Möge mir noch eine Weile die Kraft gegeben sein, für meine Landsleute diesbezüglich zu wirken.
In unseren Heimatbriefen der letzten Jahre wurde ja schon viel über die Weihnachtszeit von daheim berichtet. Leider gibt es in der jetzigen hektischen Zeit keine solche Traulichkeit mehr wie einst. Damals waren es Tage der Freude und des Ausruhens von den Alltagsmühen. Man hatte sich besonnen, was Weihnachten eigentlich bedeutete. In unserer Heimatkirche wurde es uns in der Mette ganz besonders bewußt und Christus war unter uns. Es wäre niemandem eingefallen über diese Festtage seine Behausung aufzugeben, um irgendwo in der Fremde diese Tage zu verleben. Man blieb in der vertrauten Umgebung und wünschte den Nachbarn und Verwandten recht frohe Weihnachten. Heute ist dieser Brauch aus. Es wird auch in diesem Jahr wieder viele Menschen geben, die weite Autofahrten unternehmen, wobei es wieder viele Tote und Verletzte auf unseren Straßen geben wird. Die Unruhe in den heutigen Menschen hetzt ihn aus seinem Heim, aber auch die Vergnügungssucht trägt einen Teil bei, alles Widerwärtige abzustreifen. Obzwar gerade in dieser Zeit sehr viel vom Frieden die Rede ist, man kann diesen aber nur erleben, wenn man ihn in sich selber pflegt. Das ist gar ein seltsames und wunderliches Pflänzchen, das Hege braucht. Glück ist der Friede im eigenen Herzen und die Zuneigung zur gesamten Umgebung seines Lebensraumes. Dabei sollte der Glaube nicht vergessen sein, denn aus diesem wurden von altersher immer die Kräfte geschöpft, die erforderlich sind, um das Leben zu meistern. Warum ist heute die Unruhe so stark in unserem Volke, möchte man fragen. Ist es der Wohlstand etwa? Ein Großteil der Menschen kann dieses Wort nicht in Anspruch nehmen, und so manche Familie, auch bei uns, besitzt nur das Nötigste, um bestehen zu können. Aber die sogenannten Friedensmarschierer bringen uns bestimmt keinen Frieden. Den haben wir ja ohne sie schon einige Jahrzehnte und in Europa wird er nur von einer Macht bedroht und in Frage gestellt. Dort zu demonstrieren ist unmöglich. Das haben schon einige Unverbesserliche und Unbelehrbare erfahren müssen, die dort für den Frieden eingetreten sind. Wir sollten daher unseren Regierungen, den früheren und der jetzigen, dankbar dafür sein, daß wir einen so lange anhaltenden Frieden in Mitteleuropa erleben durften. Mögen auch manche Skandale zu beanstanden sein, handelt es sich doch nur um einige Außenseiter, die egoistische Ziele im Auge haben und sich persönliche Vorteile aus dem politischen Mandat beschaffen. Das ist eben menschlich. Bedauerlich sind diese Schwächen allemal, aber ganz auszumerzen sind sie nicht. Die Versuchungen sind groß und Gelegenheiten werden zahlreich geboten.
Wollen wir die Hoffnung darauf richten, daß uns der Friede auch im kommenden Jahr 1985 erhalten bleibt. Möge Gott den Staatenlenkern den Geist eingeben, Frieden für alle Menschen zu erhalten. Das soll der Weihnachtswunsch und der Wunsch für das Jahr 1985 von uns allen sein. Möge im kommenden Jahr unser Zusammenhalt gefestigt bleiben, damit eine Wiederbegegnung unserer Landsleute auch 1985 möglich sein kann.
Richard Brummeissl
Unser Weihnachtswunsch:
Steht weiterhin treu zum Schlaggenwalder Heimatbrief!
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