Rückblick eines vertriebenen Volkes auf das Zeitgeschehen
Vor Jahren, da tobte ein verheerender Krieg,
man glaubte fest an den großen Sieg.
Doch alles ist ganz anders gekommen,
der Krieg, er hat ein schreckliches Ende genommen.
Es ging drunter und drüber in jedem Land,
bis sich der erste Sturm legte, tat sich allerhand.
Die Flüchtlinge vom Osten sind quer durch die Lande gezogen,
bis sich gelegt hat der erste Sturm und glättete die Wogen.
Doch dann wurden wir aus dem Sudetenland entrechtet,
man hat uns vertrieben, gepeitscht und geknechtet,
man schaffte uns heim zu unseren Brüdern ins Reich.
Arm und verlassen, abgemagert und bleich
wurden wir in ihre Behausung gesetzt, sogar mit Polizeigewalt,
so mancher unserer deutschen Brüder hat gegen uns die Fäuste geballt.
Wir saßen da wie die armen Sünder auf unseren Kisten.
Man hat sich gefragt: „Sind unsere deutschen Brüder denn keine Christen?"
Man hat uns verachtet und Kartoffelkäfer genannt,
hier sollten wir nun leben, in diesem neuen Land?
Das Unrecht konnte man in die Welt hinaus schreien,
um sich von der Schmach und der Last zu befreien.
Doch was nützte ein Aufschrei über all dieses Leid,
nur im Augenblick hat er den Druck von unserer Seele befreit.
Wir sind halt bieder geworden in diesem Land,
und jeder wieder eine Arbeit fand,
denn der Wiederaufbau kam mit großen Schritten,
so allmählich hat man uns anerkannt und gelitten.
Es ging aufwärts mit uns und diesem neuen Land,
denn zum Leben braucht man halt doch allerhand.
Gemeinsam aufgebaut haben wir mit Mühe und Fleiß
das verwüstete Land, wenn auch anfangs mit Hunger und Schweiß.
Wir mußten halt wieder von vorne anfangen,
schließlich ist es uns dann bald wieder besser ergangen.
Wir waren strebsam und haben es geschafft,
haben uns angestrengt mit neuer Kraft,
haben vieles erworben und Neuland gekauft
und alles herbeigeschafft, was zum Leben man braucht.
Haben gewerkelt, gebastelt, mancher hat wieder ein Häuschen gebaut,
nun leben wir miteinander ganz eng und vertraut.
Unser Tatendrang war es, und mancher verdient dafür sogar einen Orden,
so ist das neue Land für uns die zweite Heimat geworden.
Und komme, was auch immer kommen wolle,
sie wird nicht vergessen:
„Die alte Heimat, unsere angestammte Scholle."
Anni Zimowski, geb. Wawersich
Alzenau/Ufr., 4. September 1984
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