Prüfet alles, das Gute behaltet
Prüfet alles, das Gute behaltet.
(Martin Luther)
Unsere Zeitläufe bieten zum Jubilieren keinerlei Anlaß. Besonders die heimatvertriebenen Ostdeutschen — und dazu gehören auch die Egerländer — fühlen sich mehr als bedrückt. Nach Meinung des Physikers und Philosophen Carl Friedrich von Weizsäcker ist die Gefahr eines atomaren Krieges im kommenden Jahrzehnt größer als jemals zuvor seit der Entstehung der nuklearen Abschreckung. Immer mehr von dem „Teufelszeug" (so Honecker wie Dregger) in Gestalt von Raketen wird im Siedlungsboden des deutschen Volkes und Mitteleuropas aufgestellt. Die Abrüstungsgespräche sind — wie übrigens sie und je — ohne Ergebnis. Die Rüstung eskaliert. Die Gefahr eines Krieges auf deutschem Boden, das Wäldersterben samt 93.000 legaler Abtreibungen auf Krankenschein und vermutlich noch einmal soviel illegale jährlich berechtigen nicht zu günstigen Prognosen, sie lassen eher an die Apokalypse denken. Unsere auf 600 Milliarden DM und darüber gestiegene Verschuldung, die Pleite der Europäischen Gemeinschaft, die strukturelle Arbeitslosigkeit mit mehr als 2 Millionen als Folge auch der Roboter und Automaten, die Gefährdung der Renten, die Gründung neuer Parteien, die Kampfansage der Gewerkschaften mit der Forderung der 35-Stunden-Woche deuten kritische Entwicklungen an. Ist nicht der Selbstausrottungskrieg der Palästinenser untereinander ein schlechtes Omen für die Heimatvertriebenen in aller Welt und auch für uns? Werden wir nicht mit unseren Anliegen von den vielen weit wichtigeren ungelösten Fragen unserer Zeit überrollt? Lösen sich die Ziele und Aufgaben der Vertriebenenverbände zunehmend nicht immer mehr im Nebel einer künftigen Entwicklung auf? So gesehen, schaut es eher nach Ende als einer Wende aus. Oder mußte diese Krise kommen, damit sich die Deutschen neu besinnen? Sollen wir uns mit den politisch-staatlichen Zuständen, wie sie die Sieger 1945 in Mitteleuropa einführten, abfinden? Die Sowjetbehörden ließen überhaupt keine Vertriebenenverbände zu, die DDR bis heute nicht, im westlichen Deutschland konnten sie sich entfalten. Freiheit läßt eben mehr Chancen als Unfreiheit. Sie muß daher unbedingt erhalten werden. Das heißt aber auch, den Frieden nicht gefährden, was wieder Verteidigungsbereitschaft verlangt. Die Vertriebenen müssen alle Zeitanliegen zu den ihrigen machen, wenn sie überleben wollen. Der AEK hat dafür Signale gesetzt.
Dr. Josef Suchy
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„Sudetendeutsche in Bayern — der vierte Stamm"
Zu den Stämmen Altbayerns, Frankens und Schwabens sind nach ihrer Vertreibung die Sudetendeutschen als Bayerns „Vierter Stamm" hinzugekommen, die hier eine neue Heimat gefunden haben, ohne die angestammte Heimat dabei geistig und politisch preisgeben zu müssen. Daran erinnerte der für die Vertriebenen und Flüchtlinge im Mai 1984 noch zuständige Staatsminister Dr. Fritz Pirkl im Vorfeld des Sudetendeutschen Tages, der an Pfingsten in München stattfand.
Nahezu jeder vierte Bewohner Bayerns sei Vertriebener oder Flüchtling, die Hälfte davon — fast eine Million — seien Sudetendeutsche, sagte Dr. Pirkl. Auch wenn ihre wirtschaftliche Eingliederung längst abgeschlossen sei, so bleibe es weiterhin eine wichtige Aufgabe des Freistaates Bayern, das Kulturgut der Vertreibungsgebiete zu erhalten, zu pflegen und zu fördern.
Der Freistaat hat nach den Worten des Ministers wesentlich zum Entstehen des 1973 eröffneten Egerland-Kulturhauses in Marktredwitz und vor allem der „Ostdeutschen Galerie" mit Grafiktrakt in Regensburg als bedeutendstem Kunstmuseum seiner Art beigetragen. Neben einer Fülle verschiedener Organisationen und Institutionen würden als wissenschaftliche Einrichtungen das Sudetendeutsche Archiv und das Collegium Carolinum in München durch staatliche Mittel gefördert. Mit dem beschlossenen Wiederaufbau der Vorburg der Burg Hohenberg an der Eger würde den Sudetendeutschen in absehbarer Zeit eine weitere wichtige Einrichtung für Erwachsenenbildung und Jugendarbeit zur Verfügung stehen. Zum räumlichen und geistigen Mittelpunkt endlich könne das im Bau befindliche „Sudetendeutsche Haus" in München werden. Dieses Haus, dessen Baukosten der Freistaat bis zur Hälfte fördere und
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