Ein herzliches „Dankeschön"
Herrn Bürgermeister Hanni Haberberger und seiner Gattin für ihren Besuch bei uns Schlaggenwaldern beim Sudetendeutschen Tag zu Pfingsten in München.
Sand in den Augen des Volkes
Sind schon die Umweltschäden im Sudetenland — ja selbst in von diesem fernab gelegenen Teilen der ČSSR, darunter auch teilweise in der Slowakei — vor niemandem mehr zu verbergen, so wird doch von der kommunistischen Presse des Landes zumindest versucht, der betroffenen Bevölkerung Sand in die Augen zu streuen: Zwar wird offen zugegeben, was jedermann weiß, nämlich, daß die Waldgebiete der Sudetengebirge sterbenskrank sind; andererseits wird jedoch der Eindruck erweckt, als täten Regierung und Forstleute alles „zur Gesundung des Waldes", was in ihren Kräften steht. Dieser Aufgabe widmete sich u. a. die in deutscher Sprache erscheinende „Prager Volkszeitung", die ihre Leser am 30. 9. 1983 unter dieser Überschrift wie folgt belehrte:
„Die Forstwirtschaft in der ČSSR gehört zu jenen Zweigen der Volkswirtschaft, die die Aufgaben des 7. Planjahrfünfts trotz verschiedener Schwierigkeiten erfolgreich erfüllen. Zu einem der ernstesten Probleme — außer den verschiedenen Insektenschädlingen, die es aber schon immer gab — gehört nach wie vor die Exhalation, von der bereits ein Viertel der Wälder bedroht ist, besonders die Genofonds der Fichten des Erz-, Riesen- und Isergebirges. Deshalb widmen die Forstleute dieser Angelegenheit die größte Aufmerksamkeit. Sie suchen nach neuen progressiven Methoden, um die abgeholzten Bäume so bald wie möglich durch neue zu ersetzen.
Es werden deshalb riesige Veredlungs- und Baumschulplantagen angelegt, um soviel wie möglich Jungpflanzen der gefährdeten Baumarten heranzuziehen, damit auch die klassischen Bäume, evtl. in veredelter Form, nach Reduzierung der Exhalation wieder die leeren Flächen ausfüllen.
In den kommenden Jahren rechnet man — als Folgeerscheinung der Exhalation — mit einer geringeren Holzförderung als bisher. Allerdings bestehen für die holzverarbeitende Industrie Reserven, z. B. in der Nutzung von Ästen, Reisig, abgebrochenen Baumspitzen, Spänen, Borke u. a. Durch die Verwendung dieser Holzabfälle ist nicht nur der holzverarbeitenden Industrie gedient, sondern auch den Wäldern, da diese gesäubert werden. Außerdem bremsen diese auch die Aufforstung. Aber nicht allein durch Exhalation, sondern viele Fichten — auch Rottannen wegen ihrer rotbraunen Borke genannt — fallen dem Windbruch zum Opfer, da sie der Pfahlwurzeln entbehren und nur eine tellerförmige, flache Bewurzelung haben. Wenn man diese oft stattlichen Bäume, die noch in gesunder Erde aufwuchsen und man sich vergegenwärtigt, daß es 70 bis 120 Jahre dauert, bevor sie eine Höhe von 25, 30 und mehr Metern erreichen, tut einem das Herz weh.
In der letzten Zeitetappe hat die Mechanisierung der Holzförderung bedeutende Fortschritte gemacht. Obzwar wir die Forsttechnik aus den nichtsozialistischen Ländern einführen, können wir uns zu jenen Ländern rechnen, deren Forstwirtschaft ein hohes technisches Niveau hat. Man rechnet auch mit der Mechanisierung der Arbeiten in Baumschulen, wodurch die Erde maschinell aufgelockert, die Setzlinge ausgehoben und zum Versand verpackt werden.
Unsere Forstleute erwartet also in der kommenden Zeit viel Arbeit, damit sich die Menschen wieder an schönen und gesunden Wäldern erfreuen können."
Wie wenig die von der „Prager Volkszeitung" angepriesenen „progressiven Methoden" durchschlagen, stellte das Magazin „DER SPIEGEL" vom 28. 11. 1983 fest. Sein Fazit: „Wiederaufforstungen mit weniger empfindlichen Bäumen sind im Erzgebirge gescheitert ... In der Entwicklungsgeschichte des Ökosystems ist das ein Rückschritt um 10.000 Jahre."
M. R.
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