Wehmut im Lenz
Die Knospen sind gesprungen,
der Frühling seinen Einzug hielt,
man hört die Bienen leise summen
draußen im Gefield.
Die Lerchen trillern und schon singt der Star,
die Launen der Natur sind einfach wunderbar.
Nun ist er da, der Lenz, mit seiner Pracht
und über Nacht, eh' wir's gedacht,
der Sommer seinen Einzug hält.
Ist sie nicht herrlich die Natur auf dieser Welt?
Man nimmt all das Schöne wahr, und im nächsten Augenblick
kehrt man in Gedanken versunken
voller Wehmut in die alte Heimat zurück.
Man denkt immer noch daran, wie es damals einst war,
das Kommen und Gehen Jahr für Jahr.
Und drückt Dich die Wehmut noch so sehr,
wie's damals einst war — wird's nimmermehr!
Anni Zimowski, geb. Wawersich
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obr] Rektor i. R. Franz Rippl aus Rabensgrün mit den Schülern der 2. Kl. Bürgerschule in Schlaggenwald (Jahrgang 1938/39)
Die Ferientage vergingen so rasch. Nach den verbrachten drei Wochen löste mich mein jüngerer Bruder ab. Beide zugleich konnten wir nicht bei der Tante unterkommen, denn die Wohnungsverhältnisse ließen es nicht zu. Er wollte aber auch einige Ferientage erleben. Aber einmal konnte ich die drei Wochen doch nicht ganz durchstehen.
An einem Samstag im Juli haben meine Tante, der Onkel und ich einen Stadtbummel durch Karlsbad unternommen. Auf dem Heimweg nach Fischern begegnete meine Tante einer Bekannten. Im Laufe des Gespräches hörte ich die Bemerkung, daß morgen — also Sonntag — in Schönfeld der Jahrmarkt abgehalten werde. Nun wußte ich schon von früherer Kindheit an, wie schön es auf diesem Markt war, denn ich durfte öfter mit Verwandten nach Schönfeld pilgern, weil man sich beim Konterer-Schneider günstig seine Kleider besorgen konnte. Auch mir wurde dort so manches Gwandel gekauft. So gab es für mich da allerhand zu bestaunen. Als ich diese Bemerkung der Frau vernommen hatte, da bekam ich richtig Heimweh; wir sagten „aond houts ma tou". Nach dem wir uns von der Frau getrennt hatten, fing ich an zu „penzen", daß ich morgen heim wolle. Alles Zureden, doch die paar Tage noch zu bleiben, halfen nichts, ich quängelte in einem fort. Anscheinend wurde dem Onkel meine Trotzigkeit doch zu dumm, und er sagte, daß ich abfahren könne. Alle Versprechungen der Tante nutzten jetzt nichts mehr. Nicht einmal die Speiseeisessen beim Eiskönig und anderes konnten mich von meinem Entschluß abbringen. Der Egerische Markt hatte es mir angetan. Den wollte ich unbedingt erleben und wieder dabei sein.
Mit dem Zug vom Zentralbahnhof, der gegen 11 Uhr abging, fuhr ich ab. Während meines Aufenthaltes in Fischern hatte ich mir manche Krone und manches Zehnhellermünzlein durch kleine Botengänge oder Aufpassen auf eine im Haus wohnende kleine Persönlichkeit verdient. Das Geld hatte ich in einer blechernen Zigarettenschachtel verwahrt. Bei jedem Schritt verursachten die Münzen einen ganz schönen Krach, der aus meiner Hosentasche zu vernehmen war. Schon am Zentralbahnhof in Karlsbad erregte ich damit manchen Heiterkeitsausbruch. Aber das störte mich nicht, meine Gedanken eilten mir voraus.
In Schönwehr stieg ich in den Bummelzug um. Er stand schon bereit. Mit Ungeduld wartete ich auf die Abfahrt. Aber bald hatte der Zug die Steigung um Stirn und Leßnitz überwunden und mit einem Gezische, das die Lokomotive beim Abbremsen des Zuges verursachte, ging es rasch dem Bahnhof zu. Damals war noch keine Haltestelle in Leßnitz oder Gaunitz. Über die beiden
Viadukte in der Seifertsgrün und der Oberen Gasse blickte ich in die unten liegende Gegend. In mir herrschte das freudige Gefühl jedes Heimkehrenden. Plötzlich stand ich in der vertrauten Umgebung und bei meinen Angehörigen. Das Staunen über meine nichtvorgesehene Heimkehr war nicht zu knapp. Ob etwas geschehen sei, ob alles gesund sei. Warum ich die drei Wochen nicht durchgehalten habe, wie die sonstigen Jahre, u. s. w. Natürlich habe ich den Grund meiner frühen Heimkehr schön für mich behalten. Schnell waren alle wieder beruhigt und das Mittagessen konnte mit Genuß verzehrt werden. Wie üblich gab es Kartoffelknödel mit Sauerkraut und Schweinernem. Mir schmeckte es jedenfalls ganz vorzüglich. Mit den Freunden war es schnell abgesprochen, was wir an diesem Sonntagnachmittag beginnen wollten. Also gingen wir ein ganz ordentliches Häufchen Schlaggenwalder Buben nach Schönfeld zum Markt. Bereits damals wußten wir Halbwüchsigen, daß es in Schönfeld hübsche Mädchen gab, die das Anschauen und zum Necken wert waren. So zogen wir von Bude zu Bude. Es gab viel zu bestaunen. Ab und zu wurde etwas erstanden. Ein Bällchen an einem Gummiband, das sich eignete, einem Mädchen entgegenzuschleudern, das dann uns eine Nase zudrehte oder ein unschönes Wort zurief; Süßigkeiten waren stets dabei. Der „Türkische Honig" war bei uns sehr gefragt, denn er war billig und auch mengenmäßig entsprach er unserem Verlangen. Auf dem Heimgang wollte ich auch meinen Angehörigen eine Kleinigkeit mitbringen. Geld hatte ich ja. So erstand ich an einem Stand eine viereckige Packung, worauf Schuhabsätze in Schokolade verzeichnet waren. Dann trotteten wir wieder unserem Städtchen zu. Auf der Hub wohnte eine Tante. Als wir an dem Anwesen vorbeigingen, sah sie mich, und so mußte ich doch „Guten Tag" sagen. Vor dem Haus saß der etwa 2jährige Cousin im Sand und spielte. Spontan gab ich ihm die Schokolade. Nach einer Weile stieß die Tante einen Schrei aus und eilte aus der Stube. Durch das Fenster sah ich sie auf den kleinen Buben zustürzen. Oh weh, wie sah der denn aus, das Gesicht und die Händchen waren eine einzige braune Masse. Die Schokolade hatte er mit seinen Händchen zermatscht und damit diese Veränderung vorgenommen. Doch atmete die Tante wieder erleichtert auf. Sie fragte mich, ob ich ihm die Schokolade gegeben hätte. Als ich den Buben so sah, dachte ich, es wäre etwas anderes geschehen. Wie es halt so kleine Kinder tun, wenn sie im Sand sitzen und eine Verrichtung getan haben und dann stolz sind, was sie da vollbracht haben. In diesem Falle hatte sich meine Tante geirrt.
Für uns Buben hatte der „Egerische Markt" auch noch in fortgeschrittenem Alter seine große Anziehungskraft behalten. Nur ging es dann anschließend in die Kreuzzeche, wo es stets ein Stelldichein gab für Tanzlustige. Wenn der Wolfmani mit dem alten Kern, der die Trommel zum Takt des Tanzes schlug, und der Mani mit der Ziehharmonika gar so schön den Tango spielte, da hob es uns alle von den Beinen. Es ließ sich auf dem Parkettboden auch so schön dahinschleifen und -schleichen. Es war eine wirklich schöne Jugendzeit.
Richard Brummeissl
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