Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 175
/ 32
česky německy obojí klasické zobrazení →
Sken listu 15
Krátký Franz a Dlouhý Franz

⟵ věta pokračuje z předchozího listu

wuchs, aber dafür mächtig in den Schultern ansetzte. Franz II. dagegen wuchs und wuchs nach oben, während seine Schultern schmal blieben. Diese verschiedenen Entwicklungen, die unsere beiden Lehrbuben genommen hatten, führten dazu, daß wir sie eines Tages „Kurzer Franz" und „Langer Franz" nannten. Nach dem damals geltenden Spruch, daß Lehrjahre keine Herrenjahre seien, wurde mit ihnen nicht zimperlich umgegangen. Die Gesellen trieben mit ihnen ihre rauhen Spässe, weshalb besonders unsere Mama häufig ein zurechtweisendes Wort sprach. Sie stellte sich stets auf die Seite der Schwachen. Der Kurze Franz lernte aber bei diesen Plänkeleien sehr viel, vor allem, sich zu wehren. Überhaupt wurde er ein richtiges Schlitzohr. Bald blieb er den Gesellen nichts mehr schuldig und zahlte irgendwann auf die schlaueste Weise zurück. Der Lange Franz dagegen ertrug jeden Schimpf und jede Bosheit ohne Rachegedanken. Seine Qual äußerte sich nur dadurch, daß über die freundlichen Augen ein Schleier fiel und das Bierkröpferl hüpfte. Mama sorgte sich um ihn, weil er so rasant wuchs, manchmal fiebrige Wangen hatte und schmalbrüstig blieb. Da gab sie ihm von unserem Eisenwein und vom Malzextrakt, und er war ihr treu ergeben. Einmal kam er mit einer schlimmen Brandwunde am oberen Oberschenkel heim. Verschämt zeigte er sie unserer Mama und gestand, daß die Gesellen ihn zum Rauchen verleitet hatten, weil er sonst nie ein richtiger Mann werden würde. Da aber unglücklicherweise mein Vater im selben Augenblick auf der Arbeitsstelle erschien, steckte der erschrockene Bub den brennenden Glimmstengel in die Hosentasche. Das schmerzreiche Ergebnis versetzte unsere Mama derart in Zorn, daß ihre Augen gefährlich funkelten. Die Gesellen waren später wegen ihrer zwar ruhigen, aber gehaltvollen Strafpredigt ganz verdattert. Es dauerte tatsächlich lange, bis die infizierte Wunde beim Langen Franz abgeheilt war. Einmal begann Franz mit Laubsägearbeiten. In seiner Freizeit saß er am liebsten in unserer Küche und sägte. Meine gesamte Puppenhauseinrichtung erneuerte er mit zierlichst gefertigten Möbeln. Mama bekam Bilderrahmen, Spiegelrahmen, Döschen, Nähkästchen und Schatullen. Wir waren mit derlei Artikeln bald reichlich eingedeckt.

Der Kurze Franz flatterte inzwischen gern hinaus in die Welt. Einer unserer Gesellen hatte ihm ein altes, klappriges und verbeultes Fahrrad geschenkt. Da putzte und fummelte der Bub so lange daran herum, bis er endlich damit fahren konnte. Von nun an durchstreifte er unseren gesamten Bezirk und weit darüber hinaus. Er strampelte bis Elbogen, zum Hans Heiling, nach Pirkenhammer, nach Zettlitz, nach Espenthor, nach Gießhübel, und kannte die ganze Stadt wie keiner. Er wurde zum lebenden Adressenverzeichnis.

Einmal zu Ostern hatte meine Mama uns jedem ein buntes Osternest gerichtet. Dazu hatte sie sogar Hafer gesät. Darinnen saß der Gipsosterhase mit seinem Buckelkorb voller bunter Zuckereierln. Um den Hafer herum lagen zwölf bunte hartgekochte Hühnereier. Mama sagte, daß wir sie schnell aufessen müßten, weil sie sonst schlecht werden würden. Da schob ich gleich nach dem Kaffee und dem Osterlaibl drei Stück in mich hinein. Dann drangsalierte ich den Kurzen Franz, daß er mit mir zusammen auf dem Fahrrad vom „Rutscher" runterfahren sollte. Er war gleich einverstanden, was mich eigentlich hätte warnen müssen. Der „Rutscher" war die teilweise steil ansteigende Straße nach Janessen. Schnell steckte ich noch zwei rote Eier als Wegzehrung ein und huschte sodann aus dem Haus, denn Mama durfte von unserer Unternehmung nichts wissen.

Fröhlich eieressend lief ich neben dem Kurzen Franz zur „Rutscherhöhe" hinauf. Die Straße war damals noch in ihrer gesamten Länge mit Blaubasalt gepflastert. Der Kurze Franz setzte mich auf die dünne Rahmenstange und schwang sich selbst mit Anlauf den Sattel. Dann ging die Höllenfahrt los. Es war mörderisch, wie sich das harte, holprige Pflaster auf das Rahmenstängchen übertrug und mein mageres Hinterteil erschütterte. Ich schrie vor Angst und Schmerz, aber das Tempo wurde immer schneller. Entweder wollte der Bengel nicht anhalten, oder er konnte nicht mehr. Auf halber Strecke spürte ich bereits die fünf Ostereier im Hals. Wimmernd hielt ich mich mit letzter Kraft an der Lenkstange fest. Ahnungsvoll war unsere Mama mit meinem Bruder Heinrich vor die Haustüre getreten. Halbtot sank ich in ihre Arme. An Ort und Stelle entledigte ich mich der fünf Ostereier und des Osterlaibls. Dann brachte mich meine Mama ins Bett und legte mir heiße Topfstürzen auf den kranken Leib. Dem Kurzen Franz verordnete sie Ausgangssperre für den ganzen Ostersonntag. Ich erholte mich indessen schnell von der „Rutscherfahrt" und schielte bald wieder nach dem Osterteller. Da ein paar Zuckereierln, nachher ein rotes Ei, dann wieder ein bisserl Osterlaibl, alles so langsam nach und nach konnte nicht schaden.

Gegen Abend mußten die Eltern einen Besuch machen. Mama wendete sich vertrauensvoll

věta pokračuje na dalším listu ⟶

list 15 z 32
Rozdělení textu na listy je odhad — text může o odstavec přetéct na sousední list. Původní znění vlevo je vždy přesné.
Klikni na větu a ukáže se, kde na skenu stojí. Zvýrazňují se celé řádky, ne přesná slova — místo je tedy přibližné.