Am Volkstrauertag
Da stand ich nun am Friedhof. Der Pfarrer hielt eine Ansprache über die Gefallenen aus der Gemeinde und der gesamten Welt. Da kehrten meine Gedanken in unser Dörflein Poschitzau. Wie viele gute Freunde sind da im Feld geblieben. In den Gedanken ging ich von Haus zu Haus. Vom oberen Dorf fing ich an, und fast kein Haus fehlte. Ich zählte sie zusammen und kam auf 12 Gefallene, 2 Vermißte und 2 Schwerbeschädigte. Auch diese dürfen wir nicht vergessen. Für unseren kleinen Ort war es ein großer Blutzoll, der erbracht wurde.
Nicht mehr heimgekehrt und gefallen sind:
Josef Klötzl, Adolf Schmied, Karl Schmidt, Anton Schmidt, Georg Schmidt, Anton Lochschmied, Josef Lochschmidt, Karl Lochschmidt, Hans Floth, Oswald Bauer, Josef Philipp, Josef Hubl.
Vermißt werden:
Oswald Schmiedl, Anton Habermann.
Schwerbeschädigt wurden: Karl Stowasser, Oswald Fischer (an den Folgen der Kriegswunden verstorben).
Amalie Fechter (Kahl a. Main)
Womit befaßt sich Heimatkunde?
(1) Zunächst ist Heimatkunde eine Mittlerin zwischen den Generationen. Es wird Wissen um das Geschehen — um die Historie — in unserer Heimat weitergereicht. Das geschieht sowohl im Gespräch unter Landsleuten wie bei der Gmoiarbeit als auch bei der heimatgeschichtlichen Forschung, wo oft jahrhundertealte Quellen vergegenwärtigt werden.
(2) Heimatkunde bemüht sich stets nicht allein um das Sammeln von Einzeldaten und Registrieren von Fakten, vielmehr ist ihr Ziel auf das Erkennen von Zusammenhängen, Entwicklungen und Bedingtheiten ausgerichtet. Herausragend sind hierbei die Zuordnung eines Heimatraums hinsichtlich seiner Wirtschaft, seiner politischen Entwicklung und seiner kulturellen Ausstattung.
(3) Einen Schwerpunkt der Heimatkunde bildet vielfach die Kultur einer Landschaft schlechthin, denn sie legt am augenfälligsten Zeugnis ab von der handwerklichen und geistigen Befähigung seiner Bevölkerung — in groben Linien mit Baukunst, profaner und sakraler Kunst, Literatur und Wissenschaften, mit Zeugnissen religiösen Glaubens, Denkens und Tuns, mit Sprache und Musik.
Da jegliche Entwicklung eines Raumes in der Vergangenheit begründet liegt, kann nur jemand, der sich die Geschichte seiner Heimat bewußt macht, Gegenwart und künftiges Werden verstehen.
Für uns Egerländer bedeutet Heimatkunde somit eine große und mühevolle Arbeit, aber zugleich auch eine ehrende Verpflichtung aus Liebe zum Egerland!
Einige Hinweise auf Hilfsmittel:
V. Männer, Generalindex der heimatkundlichen Arbeiten (aus Unser Egerland, Egerer Jahrbuch, Kalender für das Egerland), Amberg 1971.
L. Eißner, Katalog der Egerlandbücherei, Amberg 1956 und Nachträge 1960, 71 und 78.
J. Sykora (†) & M. Reiter, Singendes Egerland, Geislingen 1959 und Nürnberg 1976.
Der Egerländer, Stammeszeitschrift, Geislingen/Marktredwitz, ab 1951.
H. Sturm, Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder, München — Wien (im Erscheinen).
Gmoi-Bladl(a) der Gmoin.
Die Arbeitsmappe der Gmoin.
Herbert Schneider, Heimatkreisbetreuer für Elbogen, Goethestraße 3, 7401 Dußlingen
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Die Muttertagskarte
Vor einiger Zeit, als ich einen wieder einmal zu Besuch bei meinem Onkel in Hannover war, kramten wir in alten Fotoalben und Ansichtskarten. Dabei fiel mir ein Muttertagswunsch, den ich im Jahre 1935 an meine gute Großmutter geschrieben hatte, in die Hände.
Auf der Vorderseite der Karte ist ein Bild. Auf ihm ist eine alte Frau dargestellt. Sie sitzt im Lehnstuhl. Ihre Gesichtszüge sind weich und um die Lippen spielt ein glückliches Lächeln. Die schneeweißen Haare sind in der Mitte gescheitelt und mit der Ondulierschere sorgfältig zu Wellen gebrannt, während der Zopf zu einem Nest aufgesteckt ist. Um den Halsausschnitt des schwarzen Kleides ist ein zierlicher Spitzenkragen geheftet, desgleichen Manschetten um die Ärmelabschlüsse. In den welken Händen hält die alte Frau eine Muttertagskarte, auf die sie ebenso glücklich blickt wie ich sie schon geschildert. So genauso, stelle ich mir jetzt vor, mag meine Großmutter am Muttertag des Jahres 1935 ausgesehen haben, als sie immer wieder die ihr zugeschickten Wünsche las. Auf dem Bild hatte man der Frau noch Flieder hingestellt und daneben ein winziges Päckchen mit dem üblichen Text erhalten. Allerdings hatte ich noch dazu geschrieben: „Extragrüße von Deiner H. Komme bald wieder einmal!" Das waren wahrlich gebremste Worte für eine geliebte Großmutter! War ich damals mit meinen 13 Jahren in einer solch spröden Phase, daß ich keine innigeren Worte für sie finden konnte? Ihre kleinen, runzeligen Hände regten sich doch von früh bis spät, nur um uns, ihren Enkelkindern, sorglose und fröhliche Ferien ermöglichen zu können. Und da schicke ich ihr eine Karte mit neunzehn Wörtern! In Flieder, Pfingstrosen und Vergißmeinnicht hätte ich sie setzen und über ihre weißen Haare streicheln müssen!
Drei Jahre später haben wir dann unsere Großmutter in bunte Blumen und duftende Ranken gebettet und in ihre starren Hände mit dem Rosenkranz ein Sträußchen Vergißmeinnicht gedrückt. Oh, weshalb muß der Mensch so mit Blindheit geschlagen sein, daß er nicht rechtzeitig erkennt, wie groß die Liebe einer Mutter ist? Auch sie lächelt nicht mehr, wenn sie tot ist.
Hermine Walter, geb. Palm
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Der Sonnenstich
Mein Vater war einstmals ein gescheiter, wissensdurstiger Bub gewesen, so weiß ich
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