Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 172
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O váradlení, čegrování a tičování

Vom Uaradln, Tschegern und Titschen
Vom Uaradln, Tschegern und Titschen

Einfache, beglückende Spiele in Sommer und Sonne

Wenn ich manchmal mit meiner Frau über Kopfsteinpflaster, einen mit Natursteinen ausgelegten Weg, oder durch eine in der Sonne liegende alte Gasse gehe, dann werde ich unvermittelt an die Spiele unserer Jugendzeit in der alten Heimat erinnert. Ich sagte manchmal: „Das wäre ein vorzüglicher Platz zum Uaradln", und es wäre gar nicht so abwegig, wenn sich die Älteren wieder dieses köstlichen, harmlosen Spiels in der Frühlings- oder Sommersonne erinnern und es in den alten Tagen noch einmal probieren würden. Es wäre auch ein wunderbarer „Senioren-Sport". Ich will versuchen, die Spiele aus der Erinnerung wiederzugeben.

Zu allen genannten Spielen braucht man Tscheger-Kugeln oder Tscheger-Kiechele (Murmeln oder Schusser), d. h., bunte Kügelchen aus Ton oder Glas, die im Durchmesser etwa zwischen einem 5 Pf- oder bis zu 1 DM-Stück liegen können. Die Spiele werden zu zwei oder beliebig vielen Personen gespielt.

Beim Uaradln braucht man etwa ein Kopfsteinpflaster mit etwas Gefälle. Ein besonders geeigneter, meist etwas hervorstehender Stein wird ausgesucht, von dem aus man die Kugel in eine bestimmte Abwärtsrichtung „radln" (rollen) läßt. Um der Kugel mehr Gefälle zu geben, wird die rechte Hand etwa so geformt, wie wenn man einen Kugelschreiber halten wollte, und dort, wo der Kugelschreiber aus der Faust oben herausragt, wird die Kugel eingelegt. Der Daumen wird auf den ausgewählten größeren Stein aufgesetzt. Die Kugel rollt dann zwischen Daumen und Zeigefinger auf den Stein und sucht sich einen Weg, bis sie an einem Hindernis liegen bleibt. Bei dem Aufsetzen der Hand darf nicht „geschnirbelt" werden, d. h. die Kugel muß ohne Nachhilfe (Schups, Drehung usw.) von selbst abrollen. Die Mitspieler versuchen auf die gleiche Weise ihre Kugel in Richtung auf die bereits am Boden liegende Kugel abzurollen und diese zu treffen. Derjenige Spieler, der eine „ausgeradelte" Kugel trifft, darf diese und seine Kugel an sich nehmen (Gewinner).

Beim Tschegern wird auf ebenem, glattem Boden mit dem Absatz ein Loch in die Erde gedreht. Die Spieler werfen aus einer zu vereinbarenden Entfernung eine Kugel in das vorbereitete, etwa einem Vogelnetz ähnliche Loch (Wenn nur wenig Mitspielende, können zum Wurf auch zwei oder drei Kugeln vereinbart werden). Wenn alle Spieler ihre Kugel ausgeworfen haben, wird vielleicht eine im Loch und die anderen um das Loch herum liegen. Der Spieler, dessen Kugel im Loch oder am nächsten beim Loch liegt, fängt an, die um das Loch herum liegenden Kugeln mit dem Zeigefinger in das „hiarzen" (schupsen), d. h. mit dem Zeigefinger einen Schwung zu geben, daß sie hineinrollt. Trifft er eine Kugel nicht hinein, kommt der Spieler dran, dessen Kugel am Nächsten zum Loch liegt usw. Dem Spieler, der auch die letzte Kugel in das Loch hineinbringt, gehören am Schluß alle Kugeln im Loch.

Vom „Tschegern" kann auf das „Titschen" übergegangen werden. In diesem Falle bleiben die Kugeln im Loch und der Spieler, der beim Tschegern der Gewinner gewesen wäre, darf als Erster aus dem Stand eine Kugel zwischen die im Loch befindlichen Kugeln schießen (werfen). Bei diesem Wurf darf die Hand nicht unter die Gürtellinie des Werfers kommen. Die aus dem Loch herausspringende Kugeln gehören dem, der sie herausgetitscht hat. Jeder Spieler hat einen Wurf.

Beliebte Spiele waren auch das „Raafeln" oder „Raaf-Gechen" (Reifeln). Diese Spiele dürften aber allgemein noch gut bekannt sein.

Wer noch andere Variationen kennt, kann sie gerne allen zur Kenntnis bringen.

Es wäre zu begrüßen, wenn sich auch unsere Jugend wieder mit diesen einfachen, fast keine Kosten verursachenden fröhlichen Spielen vertraut machen und sie auch weiterhin ausüben würde. Es ist sicher ein schöner Zeitvertreib, der die Aufmerksamkeit und die Geschicklichkeit fördert.

Alois Schwarzer, 8905 Mering
(früher Schlaggenwald)

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