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geblieben".
Solche Berichte zeigen deutlich, daß es dem Prager Regime auch in 37 Jahren nicht gelungen ist, die ehemals deutschen Grenzgebiete zu besiedeln und daß sich die kommunistischen Machthaber wohl widerwillig mit dem Konzept des „Austreiber-Präsidenten" Eduard Benesch abfinden mußten, der im Oktober 1945 die Ansicht vertrat, die Siedlungsgebiete der Sudetendeutschen seien übervölkert, sie sollten daher nach dem Abschub der Bevölkerung aufgeforstet werden. Und als im Februar 1946 eine Delegation aus der Stadt Steinschönau bei ihm vorsprach und darauf aufmerksam machte, daß die generelle Ausweisung der deutschen Facharbeiter für die nun tschechisch gewordene Glasindustrie einen großen Schaden mit sich bringen und ihr im Ausland eine Konkurrenz verschaffen würde, antwortete Benesch lapidar: „Die Deutschen müssen gehen, alles andere hat sich dem unterzuordnen". Inzwischen sind die damals geäußerten Befürchtungen voll eingetroffen, die Vertriebenen haben in Deutschland und Österreich eine moderne und effiziente Glasindustrie neu aufgebaut, was auch für viele andere Sparten zutrifft. Dabei ist es den neuen Herren immerhin noch gelungen, die Industriegebiete in Nordböhmen mit neuen Menschen aufzufüllen, während sich für die kargen agrarischen Landschaften in Süd- und Westböhmen keine dauernden Interessenten fanden, was zur Folge hatte, daß schon im Jahre 1966 an die 460 ehemals deutsche Gemeinden liquidiert und ihre leeren Häuser zerstört wurden.
Viele aus dem Binnenland in die deutschen Siedlungsgebiete gekommenen Tschechen (der Zuzug der Slowaken war „geringer als geplant", stellte „Rude Pravo" am 23. 11. 1967 fest) waren natürlich erfreut, Wohnungen und Grundstücke gratis zu erhalten, doch bald stellten sich die Schattenseiten der gewaltsamen Vertreibung heraus. So mußte der KP-Obmann von Asch, Pavel Jetleb, schon 1966 bekennen, daß in dieser Grenzstadt alle „nicht effektiven" Betriebe geschlossen wurden, die Neusiedler also fortan auf den Schlachthof, die Brauerei, eine Textilfabrik und auch auf die Mittelschule verzichten mußten, was den Funktionär zu der Feststellung veranlaßte, die „Wunden der unsystematischen Aussiedlung seien noch immer nicht vernarbt, die Stadt nicht konsolidiert". Und ein ähnliches Klagelied war später auch aus der schlesischen Stadt Freudenthal zu hören, deren Einwohnerzahl durch den Transfer aller Deutschen und trotz acht Besiedlungsaktionen durch die neuen Herren des Landes von 10.500 auf 6.000 zurückgegangen war. Wo aber sollten diese ihr Brot verdienen, nachdem der Steinbruch, Ziegelei und E-Werk geschlossen wurden?
Über die Neubesiedlung des Sudetenlandes wird in der Tschechoslowakei bereits seit Beginn der Siebzigerjahre geschwiegen, um den Gegnern des Regimes keine Gelegenheit zur Schadenfreude zu geben. Man muß also wohl annehmen, daß sich seither an der Situation nichts geändert, sie sich im Zuge der überall festzustellenden Landflucht eher noch verschlechtert hat. In den Jahren 1954 bis 1966 war von den 155.000 ins Grenzland zugezogenen Menschen ein Drittel wieder desertiert. Diese Abwanderer waren in erster Linie Landwirte, welche sich mit den schweren Bedingungen in den nach Westen hermetisch abgeriegelten Randgebieten einfach nicht abfinden wollten. Es ist ja deshalb auch kein Zufall, daß von der Budgetreserve für die Besiedlung des Grenzlandes dann auch noch 1970 fast 180 Millionen Kronen nicht ausgeschöpft werden konnten. Die Gewerkschaftszeitung „Prace" schrieb noch in der Zeit des „Prager Frühlings": „Bis heute sind viele der Siedler nicht verankert, sie irren von Dorf zu Dorf, ihren Pilgerzug kennzeichnen Ruinen ... Es hat keinen Zweck zu beschönigen, daß die Grenzgebiete bisher nicht mit dem Körper der Republik verwachsen sind. Jedenfalls kann die Geographie Europas in den letzten 20 Jahren eine neue Art von Verwüstung verzeichnen".
Um die Deutschen (meist alte Leute) aber, die heute noch in der Tschechoslowakei leben, kümmert sich weder die Regierung noch die Partei. Und dies, obwohl Staats- und Parteichef Gustav Husak in einem Gespräch mit der Zeitung „Reporter" (26. 6. 1968) gesagt hatte: „Soweit es um die Deutschen geht, ist es ein unhaltbarer Zustand, daß sie keine Elementarschulen mit eigener Sprache haben dürfen". Damals, als er noch die zweite Geige spielte, erwog er noch die Regelung der Ansprüche der Vertriebenen und sogar die Möglichkeit einer Rückkehr, doch nach der Intervention der Sowjets im Herbst 1968 waren alle diese Überlegungen wieder vergessen. Seither hat die proletarische Staatspartei unter Husaks Führung die Vertreibung der Deutschen und deren Folgen für tabu erklärt. Vladimir Blazek, der Herausgeber der Zeitschrift „Host do domu", hatte recht, als er schon in den Sechzigerjahren konstatierte: „Die KPČ, eine Partei der intellektuellen Elite und des reifsten Teiles der Arbeiterschaft, wurde (schon 1945) leider zu einer Partei des Gesindels und hat sich diesem ganz unterworfen".
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