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helfen. Besonders danke ich Frau Hermine Walter, die uns mit schönen Heimaterinnerungen immer Freude bereitet.
Der Beitrag über die „Palästinenser" von Wenzl Peterlik gibt Aufschluß darüber, wie die Westmächte — Amerika, Frankreich und England — mit zweierlei Maß die Welt und Völker beurteilen. Während wir in einem geschlossenen Siedlungsraum ansässig waren — ebenfalls Jahrhunderte lang — wurden wir mit Zustimmung der Siegermächte daraus vertrieben. Hätte Wilson schon damals seine These wahrgemacht, und wäre uns die Selbstverwaltung gewährt worden, hätte es eine so grausame Vertreibung von Millionen Menschen, die vorher ausgeraubt werden durften, nicht gegeben. Leider hatten wir keine Unterstützung von diesen Mächten zu erhoffen, wie es heute den Palästinensern zuteil wird. Wir waren eben friedlich und niemand versorgte uns mit Kapital und Waffen. Selbst unser Brudervolk wollte uns nicht haben, und es gelang oft nur durch Eingreifen der amerik. Militärregierung irgendwo ein Unterkommen zu finden. Man könnte wirklich in Neid geraten, wenn man heute die Zuwendungen bedenkt, die jedem Ausländer zuteil werden, der hier ankommt. Aber leider ändern wir daran nichts. Es bleibt nur zu hoffen, daß das jetzt zusammengeflickte Problem der Israelis und Palästinenser hält. Aber die Weltmeinung geht davon aus, daß man ein noch größeres Problem geschaffen hat, das furchtbare Folgen haben könnte. Wir wollen hoffen, daß sich die Unruhewogen glätten mögen und uns noch recht lange der Frieden erhalten bleibt.
Euer Richard Brummeissl
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Heimatbriefe
Im dichten Gestrüpp des deutschen Blätterwaldes gedeihen nahezu zahllose und höchst unterschiedliche Produkte des mächtigen Mediums Presse: Tageszeitungen, Wochenblätter, Fachzeitungen, Parteizeitungen, Jllustrierte, Kunstzeitschriften und dgl. Unter ihnen nimmt eine Kategorie eine Sonderstellung ein: die Heimatbriefe der Vertriebenen. In kleiner und kleinster Auflage gedruckt, von journalistischen Laien zusammengestellt und redigiert, werden sie zumeist von der breiten Öffentlichkeit nicht ernstgenommen.
Dies ist ganz gewiß falsch, denn sie sind durchaus ernstzunehmen. In unserem Zeitalter der Wegwerfgesellschaft ist auch Existenz und Einfluß einer Zeitung im allgemeinen nur von kurzer Dauer. Nach kurzem Überfliegen landet sie im Müll, im Feuerofen oder auf der Toilette. Die kleinen Heimatblätter hingegen werden genau gelesen, immer wieder gelesen und zumeist aufgehoben und immer wieder hervorgeholt. Die Sensationen kurzlebiger Tagesberühmtheiten haben darin keinen Raum — Sophia Loren und die Rolling Stones sind dieser Presse ganz und gar gleichgültig. Hier werden Ereignisse gemeldet und Namen genannt, die jenseits des Scheinwerferlichts der Öffentlichkeit stehen. Geburt, Tod, Heirat und Jubiläen bekannter und befreundeter Menschen, mit denen man einmal eng zusammenlebte und die jetzt nur noch auf dem Umweg der Erinnerung und eben dieser Heimatblätter zu erreichen sind. Eine scheinbar versunkene Welt, die entgegen allen düsteren Prognosen auch 37 Jahre nach der Vertreibung noch immer lebt, behauptet hier ihre lebendige und alle Zeitwirren überdauernde Existenz. Der Heimatbrief ist das Sprachrohr einer Gruppe, die sich und ihr Recht auf die angestammte Heimat nicht aufgegeben hat und die sich nicht in wortreichen politischen Reden manifestiert, sondern in der Spiegelung eines Alltags, der der Realität des Tagesgeschehens in der neuen Heimat gerecht wird, aber seine Wurzeln im Geburtsland hinter den Grenzen hat.
Darüberhinaus haben diese Heimatbriefe eine nicht zu unterschätzende kulturpolitische Aufgabe. Fast in jeder Ausgabe werden Hinweise und erzählende Texte über alte Bräuche, Laientheateraufführungen, Feste und Lieder gebracht, für deren Überlieferung sie oft die einzige Chance darstellen. Auch die Mundart kommt nicht zu kurz, meist in heiterer Form, aber für jeden Philologen, der sich die Zeit nähme, diese Beiträge zu lesen, eine wahre Fundgrube.
Es ist sicher kein Zufall, daß ein großer Teil dieser Heimatnachrichtenblätter den Titel „Heimatbrief" trägt, denn im Gegensatz zu der „großen" Presse mit hohen Auflagen, die sich an die anonyme Masse wendet, ist der Heimatbrief ein gezieltes und auf den individuellen Bedarf seiner Leser abgestimmtes Produkt, das weitaus mehr anrührt und eine viel länger andauernde und tiefere Wirkung hat als die üblichen Übermittler flüchtiger und wandelbarer Tagesereignisse. Ein Brief, der an ganz bestimmte Adressaten gerichtet ist und der mit Sicherheit ankommt.
Margarete Kubelka
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