Liebe Landsleute!
Der Sommer ist vorbei. Unsere Gedanken schweifen über die Fluren der einstigen Heimat. Das schöne warme Wetter ließ uns die Wege schreiten, die uns zu den Badewassern führten. Besonders dürfte bei vielen der „Ebnetteich" in der Erinnerung sein. Es war für uns zumeist arbeitslose Jungens nicht so einfach, dort den Badefreuden zu fröhnen. Die „Ebnet" hatten die Gastwirtseheleute Dietrich in Pacht und so war es verständlich, daß man einen Opulus entrichten mußte, wenn man sich dort vergnügen wollte. Aber die gute Frau Dietrich drückte oft beide Augen zu, wenn wir uns eingeschlichen hatten. Sie hatte Verständnis und wußte, daß unsere Barmittel nur sehr spärlich waren. Wer hatte damals ein Taschengeld! Es war eine gräßliche Arbeitslosenzeit, in der ein Familienvater einen 20 Kč — und der Ledige einen 10 Kč-Bon wöchentlich als Unterstützung erhielt. Was bekam man für diesen Betrag? Wir werden uns wohl alle noch daran erinnern können. Trotzdem, wir ließen uns nicht unterkriegen und meisterten auch diese schwere Zeit, die über die Deutschen in der damaligen ČSR heraufgezogen war. Neider hat es damals keine gegeben. Alle Deutschen zogen am gleichen Strang, vielmehr, sie hingen daran.
Nun scheint wieder eine schwere Zeit im Anzug zu sein. Ursache genug, um Unruhe unter den Menschen hervorzurufen. Möge uns der liebe Gott davor bewahren, noch einmal eine solche Not unserem Volk zuzumuten. Die Unruhe im gesamten Erdenrund ist eh bedenklich. Die Verbrechen mehren sich von Tag zu Tag. Was aus einer Not gebären kann, könnte eine Katastrophe werden. Terroranschläge sind ja jetzt an der Tagesordnung. Die Not ist eine gute Saat, deren Aufgehen uns furchtbare Frucht bringen könnte. Die Profi-Terroristen hätten Zulauf und auch das ganze Volk würde die Lasten nicht ohne weiteres auf sich nehmen. Leider hat Deutschland, und mit ihm auch wir, damals das Heil in einer politischen Welt gesucht, die uns versprochen hatte Not und Elend auszulöschen. Aber es war in der Geschichte nur ein kurzer Augenblick des Aufschwunges gewesen, und der Fall folgte ins tiefste Tief. Wir wollen hoffen, daß sich ähnliches nicht wiederholt. Der jetzigen Generation, die nur den Wohlstand kennt und ganz dem Materialismus erlegen ist, wird eine Umstellung nicht leicht fallen. Von den jetzigen Politikern wurden keine guten Leitbilder gegeben. Die Technik trägt ihren Teil dazu bei. Es ist eben eine unruhige Zeit. Auch die Veränderer des jetzigen Zustandes haben kein Rezept, was nach der Veränderung nach ihrem Sinn besser werden würde.
Daheim hätten wir im September wieder unsere Kirchweih gefeiert, wenn wir noch in unserem alten Schlaggenwald wären. Ich habe mir sagen lassen, daß die noch dort lebenden Landsleute dieses Fest feiern. Allerdings ganz bescheiden und unauffällig. Kuchen würde noch gebacken und auch den Braten gebe es. Allerdings keine Ringelspiele und keine Vergnügen mehr. Es gibt kein Schlendern mehr über den Marktplatz, wo sich ja das bunte Treiben abgespielt hat. Wer denkt nicht gerne daran, wie er auf „Nollis Tunnelbahn" einige Runden mitmachte. Auch dem Riesenrad wurde eine Visite zuteil. In der Kinderzeit, da haben wir noch die Kettenkarussels oder die Ringelspiele mit den Pferdchen und sonstiges aufgebaut, anschieben und bremsen dürfen. Während des Laufens könnten wir uns auf die Streben setzen und so mitfahren. Um einen solchen Schiebeplatz zu bekommen, gab es oftmals ein Gerangel. Aber das allerwichtigste an der Kirwa war der Kuchen. Da dieser in unserem Städtchen nur in Stramerln dargereicht wurde, waren wir bei den umliegenden Dörflern bekannt geworden. Bei diesen gab es an Kirchweih große dreieckige Stücke, die eine beachtliche Größe hatten. Sie konnten ihre runden Kuchenbleche in die eigenen Backofen schieben, während bei uns sehr viel Kuchen in den heimischen Herden in der Pfanne gebacken wurde. Daher dürfte die Zerteilung in Stramerlform hergerührt haben. Um den Kirwakuchen richtig genießen zu können, mußte die Hausfrau auch ihre Kaffeebüchse öffnen. Da sparte sie nicht an den Kaffeebohnen und der Duft dieses Gebräues durchzog das ganze Haus. Damals konnte einem schon das Wasser im Munde zusammenlaufen, bevor man ein Tipl Kaffee und den Kuchen verzehren durfte. Es gab da Quark-, Powidl- und Streußelkuchen. Wenn man von jedem ein Stramerl verzehrt hatte oder auch zwei, fand man die Kirwa gelungen und wünschte sich eine recht ofte Wiederholung. Es war schon eine Köstlichkeit in der damaligen Zeit. Was ist dagegen heute hier eine derartige Festlichkeit! Man nimmt sie kaum wahr. Die Heimat mit ihren Bräuchen kann nicht ersetzt werden.
Allen Spendern für die Erhaltung unseres Heimatbriefes möchte ich recht herzlich danken. Mein Dank geht auch an die Landsleute, die mit Beiträgen den Heimatbrief gestalten
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