Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 167
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A přece žijeme déle!

Dörfler gedankenlos hingenommen hatte. Ich brauchte ja nur meine eigene Großmutter anzusehen. So lange wie der Herrgott den Tag hell sein ließ arbeitete sie schwer. Ihre kleinen Hände scheuten keine Härte und ihr schmaler Rücken keine Last.

Aber eigentlich wollte ich diesmal von drei anderen alten Menschen des Dorfes, die eindrucksvoll meine Kinderjahre begleitet haben, erzählen. — Da sitzt auf der Hausbank in der Frühlingsmorgensonne unser Weinhart-Großvater. Er war zwar nicht mein wirklicher Großvater, aber wir nannten ihn alle so, und ich habe es von Herzen gern getan. Meine eigenen Großväter hatte ich nie gesehen, denn sie waren schon früh gestorben. So freute ich mich, daß ich den Weinhart-Großvater hatte. Er war Schuhmacher und lebte mit seiner jüngsten Tochter im gemeinsamen Haushalt. Sie aber war in Karlsbad berufstätig, so war der Großvater tagsüber mit seiner Schusterarbeit allein. Sobald ich an sein freundlich-gutmütiges Gesicht denke, dann sehe ich vor allem die Lachfalten um seine blauen Augen, und ich sehe den schön gezwirbelten Kaiserbart. Die Hautfarbe war immer noch frisch und die Haare braun. Der Großvater war nicht groß, er war schlank und noch flink. Immer hatte er werktags seinen blauen Schurz vorgebunden.

Sobald die ersten Strahlen der Frühlingssonne auf die Hausbank fielen, verließ der alte Mann für eine Pfeifenlänge seinen Schusterschemel und setzte sich aff „d' Benk". Da stopfte er dann ganz gemächlich seine schöne Pfeife, die einen buntbemalten Porzellankopf mit zierlichem Silberdeckel und ein braunverbranntes Mundstück aus Elfenbein hatte. Das Stopfen glich einer Zeremonie. Vorsichtig langsam holten die schweren abgearbeiteten Finger das Teufelskraut aus dem Lederbeutel und führten es in die kleine Öffnung des Pfeifenkopfes, wobei fast nie ein Krümelchen danebenfiel. Nachher verstaute der Großvater erst den Beutel hinter dem „Schurzenlatz" und holte dann aus der Hosentasche die Streichhölzer. Geschickt führte er das Flämmchen an den Tabak und zog und paffte, bis es glimmte und qualmte, dann klappte er den Pfeifendeckel zu, lehnte sich zurück an die sonnendurchwärmte Wand, streckte die steifen Beine von sich und blinzelte zufrieden in die Welt. Wenn aber manchmal Aprilgestöber dem Großvater das Hausbanksitzen und uns das Spielen draußen vermieste, dann tapsten wir Kinder die steile Holzstiege in das Schusterstüberl hinauf, wo in einer hellen Nische auf der Estrade die Werkstadt eingerichtet war. Auf den Fensterbrettern standen Blumenscherben mit „Stinkata Liesl" und darüber hingen „Vurhangerla mit Spitzerla". Da saßen wir nun auf der Estrade, schauten zu wie die runzeligen Hände geschickt mit dem Werkzeug hantierten und hörten mäuschenstill die tollsten Geschichten an, die der Großvater erzählen konnte. Dabei roch es so gut nach Leder und stank so schön nach Tabakspfeife. Oft und oft, wenn wir wieder etwas angestellt hatten, wurde das Schusterstüberl unsere Zufluchtstätte. So haben wir einmal die „Haringfona" beim Kehren des Dickl-Hofes derart gepiesackt, daß sie den nächsten Peitschenstiel an der Stalltür erwischte und wie eine Furie hinter uns herjagte. Erschreckt über ihren Zornesausbruch flüchteten wir in alle Richtungen, was aber die „Fona" so sehr irritierte, daß wir einen beträchtlichen Vorsprung gewannen. Nacheinander trafen wir uns über Umwege beim Weinhart-Großvater wieder. Bei ihm setzten wir uns auf die knarrende Estrade und warteten auf das Donnerwetter, welches auch nicht lange ausblieb. „Schamts eich!", grollte es durch die Stube, „Wöi kua ma nua a sua a arms Wei sua erchän?! Ihr sads dimma als wöi d' Fona!". Da zogen wir die Schultern hoch und die Köpfe ein und warteten geduldig, bis der alte Mann ausgegrollt hatte. Dabei entging mir aber nicht, wie seine Lachfältchen zuckten. Sicher dachte er an die Zeit, wie er noch ein Lausbub war. Sonntags, gleich nach dem frühen Mittagsmahl, ging der Weinhart-Großvater in seinem guten Gwandl mit dem Rucksack voller ausgebesserter Schuhe, seinem frechen Hütl auf dem Kopf, dem Stock in der Hand und dem unvermeidlichen Pfeiferl im Mund, zum Liefern nach Ziegelhütten, Lessnitz, Rabensgrün oder gar Donawitz.

Kam er dann zum Füttern heim, war er fröhlich und beschwingt, seine Lachfältchen zuckten bedeutungsvoll, und seinem Stock gab er immer so einen kleinen „Hirtsa". Ein kühles Bier im Kreise lustiger Zechbrüder war sein Lohn für eine mühselige Woche gewesen. Da fällt mir ein, daß der Weinhart-Großvater trotz seines Alters immer noch ein Aktiver bei der Feuerwehr war. Beim Gautag habe ich ihn sogar fein gebügelt und gestriegelt mit aufmarschieren sehen, diesen guten, feschen Großvater. —

Doch nun komme ich auf die Hausbank zurück.

Oft setzte sich dorthin zum Großvater noch ein alter Mann. Er war damals der älteste Mensch des Dorfes und wir nannten ihn Moda-Vetta. Wie viele Jahre er schon auf seinem

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