Natürlich kamen die Herren nicht mehr zurück. Wie ich später in dem Schulunterricht erfahren habe, zog damals eine Heeresmacht aus unserem Kreis gegen Frankreich und die Soldaten, die ich gesehen hatte, gehörten zu diesem Aufgebot. Leider habe ich nie erfahren, wer der edle Mensch war, der mir zu Schouhen und Gwandl verholfen hat. Übrigens waren dies meine ersten neuen Sachen, die ich auf den Leib bekommen habe.
Diese vorstehende Geschichte habe ich mir als Bub oft erzählen lassen, war es doch wie im Märchen, da kommen ja auch oft Menschlichkeit und Guttaten vor. Die 2 Goldstückchen müssen meinem Großvater auch sonst Glück gebracht haben. Er fand eine gute Lebensgefährtin in meiner Großmutter, und beide sind mir immer noch so nahe, obwohl sie schon sehr lange in die Ewigkeit heimgekehrt sind.
Richard Brummeissl
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Weihnachten einst daheim ...
Die winterlichen Tage wurden immer kürzer und das Fest der großen Freude und Erwartungen auf das liebe Christkind rückte immer näher. Besonders mein Bruder Josef war voller Erwartung und fieberte dem Heiligen Abend entgegen. Er durfte an diesem Weihnachtsabend zum ersten Mal um Mitternacht in die Christmette mitgehen.
Viel Schnee bedeckte die Landschaft. Kleider, die uns warm hielten, wurden angezogen, denn es war bitterkalt in dieser Christnacht. Der Schnee knirschte unter den Schuhsohlen. An dem Weg von der Peint in die Stadt lag an beiden Seiten hoch aufgetürmt der Schnee. Unzählige Sternchen glitzerten und strahlten wie Brillanten. Es war eine helle, klare Nacht. Der Mond schien hell herab und die Sterne funkelten. Da fing mein Bruder plötzlich mit einer großen Fragerei an: „Mama, aus was ist denn der Schnee und wo kommt denn der her? Warum knirscht es denn so beim Gehen? Schau doch, der Mond, warum leuchtet der so hell und immer geht er mit uns? Warum sind so viele Sterne am Himmel? Wie werden sie gemacht? Aus was ist das alles? Wo kommen die Wolken her und wieso ist der Himmel manchmal so blau?„ Er fragte unserer Mutter die Seele aus dem Leib. Einiges hatte meine Mutter erklären können und immer auf seine Fragen geantwortet. Aber alles konnte sie doch nicht wissen und so sagte sie: „Bebberl, jetzt gib Ruh, ich weiß auch nicht alles.“ Eine Weile war das Bebberl ruhig und schien nachzudenken. Aber schon fing er wieder an. Er wollte über die Weihnachtskrippe und das Jesuskind Aufschluß haben. Da merkte ich meiner Mutter sichtlich die Erleichterung an, daß der Knirps jetzt ein ihr gelegenes Thema ansprach und bereitwillig erklärte sie ihm die Geschehnisse in dieser Hl. Nacht. Mittlerweile waren wir an der Kirchstaffel angelangt und von allen Seiten kamen die Kirchgänger heran. Als wir die Kirche betraten, erstrahlte sie in hellem Glanz. Im Nu hatte sie sich gefüllt und man vernahm das leise Stimmen der Instrumente. Endlich begann die Mette. Meinem kleinen Bruder Bebberl blieben Augen und Mund offen, als er die drei Priester und die vielen Ministranten zum Hochaltar gehen sah. Voller Andacht haben wir an der Christmette teilgenommen.
Ja, die Christmette in unserer reich ausgestatteten St. Georgskirche war für mich immer ein musikalisches Erlebnis und ein denkwürdiger Genuß. Besonders das „Stille Nacht“, das von der Orgelempore hernieder klang, und der Klang des Hornes ergriff wohl alle Kirchenbesucher. Es dürfte nirgendwo auf der Welt eine so großartig ausgestattete Mette gehalten worden sein, wie es bei uns in Schlaggenwald die Chormusik und die Sängerinnen und Sänger verstanden haben.
Wenn nun die Weihnachtszeit immer wiederkehrt, steigt in mir der Wunsch und die Sehnsucht auf, dieses doch noch einmal erleben zu dürfen. Natürlich weiß man, daß dieses Geschehnis für immer vorbei ist und niemals wieder erlebt werden kann. So wird es wohl für immer nur Sehnsucht bleiben. Ich glaube annehmen zu dürfen, daß viele Landsleute zur Weihnachtszeit mit gleichen Gedanken in der einstigen Heimat verweilen werden.
Allen Landsleuten wünsche ich auf diesem Wege ein besinnliches und frohes Weihnachtsfest.
Anna Zimowski, geb. Wawersich
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