Geschichte der k. k. Bergstätte Schlaggenwald und Schönfeld (6. Fortsetzung)
Historisch und topographisch dargestellt von Vinzenz Pröckl — ehm. Archivar in Eger
(6. Fortsetzung)
Der Rat hörte die Probepredigten, nahm Geistliche und Lehrer auf, sorgte für Kirchen- und Schulbedürfnisse und bestimmte die Besoldungen; überhaupt erstrebten die Stadtverordneten sorgsamst den Aufschwung der Schulen. Auf die höchsten Orts gestellte Bitte bewilligte Kaiser Ferdinand I. jährlich 40 Thaler aus der kg. Zehendkasse „zur Unterhaltung eines gelehrten Schulmeisters zur Instruirung und Auferziehung der Jugend". Der Rath verwendete sich an den berühmten Melanchton in Wittenberg: „einen gelehrten Gesellen der ein gut christlich Schulregiment anzurichten und zu erhalten wüßte, sowie einen guten Cantor, der einen Chor versorgen konnte" zu verschaffen. Weitere Verhandlungen mit Melanchton führten zur Errichtung einer lateinischen Lehrkanzel mit vier lateinischen Schulen in Schlaggenwald. Es wurden angestellt: Ein Rektor, Conrektor oder Supremus, ein Cantor Baccularens, Infimus oder Quintus. Die Schulen besuchten Einheimische und Auswärtige, ihr guter Ruf verbreitete sich in weite Ferne, und die Bürgerschaft wurde hochberühmter Förderer der evangelischen Lehre genannt. Eine große Anzahl Schriften gelehrter hervorragender Protestanten: M. Luther, Melanchton, Selneker, Fischerus, Eberus und noch viel Anderer verwahrt das Schlaggenwalder Stadtarchiv; ein zweiter Diakon kam im Januar 1572 durch Zuweisung eines Jahresgehaltes per 50 rheinische Gulden aus der Zehendkasse mit Genehmigung des Kaisers Maximilian in Aktivität.
Unter dem Wechsel der evangelischen Pfarrer und des Lehrpersonals für deutsche und lateinische Schulen bewegte sich die Bewohnerschaft der Städte Schlaggenwald und Schönfeld ganz behaglich im Geiste der freisinnigen Lehre Martin Luthers durch mehr als hundert Jahre, worauf wir hier später wieder zurückkommen.
Der Grundherr Kaspar Pflug von Rabenstein hatte sich mit dem Könige Ferdinand in einen Langjährigen Prozess verwickelt, der endlich seinen Sturz herbeiführte. Pflug hatte um die Bestätigung der alten Privilegien gebeten und sich auf den Majestätsbrief König Wladislav von 14. Januar 1516 und auf den Majestätsbrief König Ludwigs gefußt, worin dem Joh. Pflug die Herrschaft Petschau als frei erblich zugestanden worden ist und bat um Einverleibung derselben in die Landtafel. K. Ferdinand wies diese Ansuchen zurück, weil er selbst in den Silber- und Zinngruben der Herrschaft den Bergbau betreiben wollte und hat endlich nach langem Streite dem Kaspar Pflug von Rabenstein mit Reskript vom 28. Januar 1538 zwar die Herrschaft Petschau für frei erklärt, die Stadt Petschau aber sammt allen Bergwerken der königlichen Kammer zugesprochen.
Mit Erbitterung hat hierauf Pflug den Prozeß fortgesetzt und trat dem zum Schutze der Protestanten von den Gebrüdern Grafen Kaspar, Moritz Heinrich und Albin Schlick, dann dem Churfürsten von Sachsen errichteten Bunde bei. Er ging nach Prag (23. März 1538) während Kaiser Ferdinand seinen Zug über Luditz nach Eger fortsetzte, um dort mit seinem Bruder Kaiser Karl und den Verbündeten Moritz von Sachsen zusammen zu treffen.
Die untraquistischen Stände forderten Mittwoch Benedikti „zur Bewahrung des Vaterlandes" Kriegsvölker, Heerwägen und andere Kriegsbedürfnisse und ernannten Kaspar Pflug von Rabenstein als obersten Feldhauptmann.
Inzwischen hatten sich unter Herzog Alba an der bayerischen Grenze die kaiserlichen 35.000 Mann konzentriert; 5000 Mann waren schon bis Weiden vorgedrungen. Moritz von Sachsen bedrohte Joachimsthal. Kaspar Pflug, die Gefahr erkennend, forderte die Stände des Leitmeritzer, Schlaner und Saazer Kreises auf, mit Mannschaften ins Feld zu rücken und ließ großartige Verhaue in den Grenzwäldern anlegen. Nicht allsogleich, sondern erst dann haben die Stände in Prag ernstlich eingegriffen, als der Churfürst Moritz im nördlichen Böhmen die Stadt Kaaden erobert hatte.
Am 28. März 1538 wurden Truppenwerbungen eingeleitet, in den Städten Prags Mannschaften subskrisbirt und Stände des nordwestlichen Böhmens beauftragt, Hilfsvolk nach Petschau zu schicken. Churfürst Friedrich von der Pfalz, das Haupt der protestantischen Union, bemühte sich, die Prager Stände zur Aufstellung eines bewaffneten Heeres zu bewegen und unterhielt vertraute Verhandlungen mit Pflug. Der sächsische Feldherr Thumshirn, ein Vertrauter Friedrichs, wurde zum 31. März auf das Schloß Petschau geladen und es sind dort die weiteren Angriffspläne entworfen worden. Friedrich sandte die verlangten Büchsen nach Petschau. Von der churfürstlichen Armee
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