Ein Schlaggenwalder berichtet
Durch die guten Kenntnisse der tschechischen Sprache gelang es mir 1945 aus dem Prager Aufstand fast heil in die Heimat zu kommen. Nachdem ich mich im Rathaus angemeldet hatte, wurde mir bei der Bahn Arbeit angewiesen. 1947 ermöglichte man mir die letzte Prüfung zum Lokführer. Zu dieser Zeit sprach es sich herum, daß es den Aussiedlerstop geben sollte. Deshalb kam ich mit der Familie in die DDR, wo ich heute noch bin.
Im September 1980 gelang mir, aufgrund meines Rentneralters, meine erste Reise in die Bundesrepublik zu meiner Schwester. Sie besitzt sämtliche Heimatbriefe, die ich alle gelesen habe. Diese Zeitschrift veranlaßt mich, eine gänzlich unbekannte aber interessante Begebenheit, im Jahre 1947 selbst erlebt, und die ich zufällig während meines Dienstes an der Bahn erfahren habe, niederzuschreiben.
Es muß August 1947 gewesen sein, ich kann mich aber im Monat irren, jedenfalls waren es heiße Tage und an einem dieser Tage nahm ich für die Lok Wasser auf. Da sah ich einen Angestellten des Bergwerkes, der sein gesamtes Mobiliar usw. in den Zug verlud. Zwei Waggon waren dafür bereitgestellt worden. Wie ich erfahren habe, soll es der Leiter des Labors gewesen sein. Auch war er ein früherer Hoheitsträger der NSDAP. Sein Name wurde mir mit Dietl angegeben und soll „auf dem Hub" gewohnt haben. Es könnte auch Schönfeld gewesen sein. Ich konnte es nicht genau erfahren.
Der Vorgang machte mich stutzig. Aber meine Tätigkeit lenkte mich ab, aber ich konnte diesen seltsamen Vorgang nicht aus dem Gedächtnis bringen.
Damals wohnte ich bei meiner Mutter in der Oberen Gasse in ihrem Häuschen. Da sah ich erst einen Russen in Zivil, später waren es zwei Zivilisten, ausgerüstet mit einem mir damals 1946 nicht bekannten Gerät, das sich später als ein Geigerzähler herausstellte, täglich bei uns vorübergehen in Richtung Hahnenhalde. Alle Steinhalden, auch die Gärten um unser Häuschen herum, ja selbst der Schotter der Gleise wurden von diesen Herren untersucht. Im Spätherbst 1947 kam in unser Gebiet plötzlich ein größerer Menschenstrom. Es wurde gegraben und getäuft. Halden türmten sich. Häuser wurden errichtet, denn diese, ob freiwillig oder unfreiwilligen Menschenscharen, mußten ja untergebracht werden.
Durch meinen Aussiedlungsantrag bekam ich Kontakt mit dem tschechischen kom. Parteisekretär, der auch Geometer war. Später war er Markscheider am Bergwerk. Dieser intelligente Funktionär teilte mir bei Gesprächen und meinen Fragen mit, was das intensive Graben eigentlich bezwecken soll, daß man nach Uran suche. Darauf erwiderte ich ihm, Es wundere mich, daß man dieses Gestein nicht in Waggons verlade. Er sagte, es würde nachts mit Lastwagen von den Gruben abgefahren. Naiv fragte ich ihn: „Wie ist man darauf gekommen, daß sich hier dieses Erz finden lasse." Prompt antwortete er: „Euere deutschen Spezialisten haben es verraten."
Nun glaubte ich die Zusammenhänge zwischen dem Mobilarverladen in zwei Waggons zu haben. Unschwer dürfte es sein, wer den Russen die Lagerung des Urans verraten hat und deswegen die drei Bergstädte Schlaggenwald, Schönfeld und Lauterbach verschwanden. Unsere alte Bergstadt dürfte bald keine Ähnlichkeit mehr mit der früheren haben.
(Eine Namensangabe muß aus Sicherheitsgründen unterbleiben).
Aus der Humorsammlung Otto Zerlik's:
Der verführerische Kokarde
Als die Lindenblattkokarde mit dem Signum „RCS" auf den Soldatenmützen prangte, frug ein Korporal einen Egerländer Rekruten, was wohl die Buchstaben zu bedeuten hätten. Unverweilt sollte er es wissen:
„Rum — Caj und Sliwowitz!"
(Die drei Hauptschnapsarten der Tschechen).
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