Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 159
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Velikonoční úvaha Richarda Brummeissla o vzpomínkách, míru a šetrnosti

Fastenzeit und Faschingszeit liegen weit hinter uns. Wer hat in dieser Zeit nicht daran gedacht, als er als Maschkerer daheim von Wirtshaus zu Wirtshaus eilte. Welche frohe Laune war da in unser Städtchen eingekehrt. Was da an lustigen Streichen ausgeführt wurden, wird sich nie mehr wiederholen. Wie viele Männer haben sich als Frauen verkleidet und dann manchen Mann ganz schön zugesetzt. Besonders mußte man sich ja vor den vermummten alten Schlommeln in acht nehmen. Ihre Ausstrahlung war besonders gefährlich, weil sie so etwas Geheimnisvolles umgab. Ja die Zeit ist für immer vorbei. In Horni Slavkow, wie man heute unseren Ort offiziell nennt, gibt es das auch nicht mehr. Es ist alles vergänglich.

Fasten braucht man heutzutage nicht mehr. Die Kirche hat da so manches Gebot erheblich gelockert. Man hat eingesehen, daß Menschen in den heutigen Industriestaaten ohne ausreichende Ernährung die Leistung, die verlangt wird, nicht erbringen könnten. Leider ist zu beobachten, daß so mancher sein Übergewicht zur Schau stellen muß, was wiederum auf den Gesundheitszustand nicht zuträglich ist. Gute Seiten haben stets schlechte im Gefolge.

Wenn man heutezutage den Sparsinn wieder erwecken möchte, so sage ich aus meiner Erfahrung, daß man uns Vertriebenen insgesamt und uns Egerländern ganz besonders diesen Gedanken nicht erst heute ins Bewußtsein bringen muß. Wie hätten wir denn die Zeiten früher und erst recht nach 1945 überstehen können, wenn wir nicht mit allem sparsam umgegangen wären? Wir gehören ganz bestimmt nicht zu der Wegwerfgesellschaft. Wir sind noch zu sehr mit Altem verwurzelt und diese konservative Einstellung hat sich noch nicht geändert. Ich denke, daß sich mancher schon oft seine Gedanken über die Verschwendung gemacht hat, der man überall begegnet ist. Wenn errechnet wird, daß wir in diesem Jahr mehr verbraucht haben, so sollte man nicht vergessen, daß tausende fremde Menschen aus entfernten Ländern zu uns gekommen sind, und auch versorgt werden wollen, und an unserem Wohlstand teilnehmen. Deren Konsum mit den unzähligen Familienmitgliedern, ist ganz gewaltig gestiegen.

Lassen wir uns das Ostergeschehen aber nicht verderben. Seien wir dankbar, daß es uns vergönnt ist, es in Frieden erleben zu dürfen. Ist uns doch durch das am Kreuze geflossene Blut Jesus Christus die Verheißung des ewigen Lebens eine Gewißheit.

Ich wünsche allen Lesern des Heimatbriefes ein „frohes Osterfest"

Euer RICHARD BRUMMEISSL

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Bílý Velký pátek

Es kam ein weißer Karfreitag

Als wieder einmal nach einem langen, eisigen Winter der Frühling in das Land gezogen kam und das schöne Osterfest gefeiert werden sollte, hoffte ich sehnsüchtig, daß ich aus diesem Anlaß zu meiner Großmutter nach Gfell fahren dürfte. Ich träumte bereits vom stillen Stübchen mit der guten, alten Frau, von singenden Lerchen über dampfenden Äckern, von der frischgrünen Kresse am Bach und dem gelben Huflattich längs des Wegrandes. Mit jedem Tag steigerte sich fast schmerzhaft das Heimweh nach meinem geliebten Stück Heimat, und selbst war es bis zuletzt ungewiß, ob ich bei den Schulbüchern die Osterferien verbringen müßte, oder ob ich mein Ränzlein packen dürfte. Aber dann überraschte mich doch die große Freude, und ich durfte mit meinem Bruder Heinrich zusammen nach Gfell fahren, ja, ich bekam sogar die Erlaubnis, eine gute Schulfreundin mitzunehmen. Anna, wie sie hieß, lebte mit ihrem staublungenkranken Vater, ihrer abgehärmten Mutter und ihren vier ewig hungrigen Brüdern in der ehemaligen Werkmeisterwohnung einer stillgelegten Porzellanfabrik, deren Ruinen grau und düster in den Himmel ragten. Schon lange wünschte ich mir, Anna einmal aus dieser Traurigkeit herausnehmen zu können, um sie an meinem Glück in Gfell teilhaben zu lassen. Ihre Eltern waren mit meinem Plan schnell einverstanden, denn sie waren froh, daß für einige Tage ein Esser weniger an ihrem Tisch sitzen sollte.

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