Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 156
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Z projevu ministerského předsedy Franze Josefa Strauße

Sudetendeutschen, geboren aus der leidvollen Erfahrung der eigenen Geschichte, auch ein unübersehbares Zeichen gesetzt für das sich in Freiheit einigende Europa. Ohne ein solches gesichertes Recht kann es keine freie Heimat in einem freien Europa geben!

Eine Woche vor den ersten Direktwahlen zum Europäischen Parlament müssen wir uns daran erinnern, daß wir zur Zeit nur einen Teil Europas, nicht einmal das ganze freie Europa, einigen können. Gerade deshalb sind wir in den Ländern der Neuner-Gemeinschaft im freien Teil Europas jedoch in die Pflicht genommen, stellvertretend für alle Europäer zu sprechen. Wir sind in die Pflicht genommen, stellvertretend für alle Europäer das freiheitliche, das menschliche, das christliche Erbe Europas nicht nur zu bewahren, sondern es ganz bewußt als Grundlage für die innere Gestaltung unseres gemeinsamen europäischen Hauses zu nehmen.

Europa endet nicht an Elbe und Böhmerwald!

Daß das Bewußtsein daran lebendig gelieben ist, ist nicht zuletzt auch die Leistung der Sudetendeutschen. Ihr nun seit mehr als drei Jahrzehnten, also über ein Menschenalter, ungebrochenes Bekenntnis zur Heimat, ihre Treue zum Volkstum, in welches Land und in welchen Kontinent das Schicksal Sudetendeutsche auch verschlagen haben mag, hat nichts mit Revanchismus zu tun, es ist aber auch mehr als nur wehmütige Rückerinnerung, Nostalgie, politische Folklore. Dahinter steht der politische Selbstbehauptungswillen der Volksgruppe und ihr Beharren auf dem Selbstbestimmungsrecht. Auf beides kann und darf nicht verzichtet werden.

Verzicht würde hier bedeuten: Feige Resignation vor der nackten Gewalt, Rechtfertigung des Grundsatzes „Macht geht vor Recht", bedingungslose Anerkennung der „normativen Kraft des Faktischen". Der Blutzoll, den die Europäer in ihrer Geschichte, vor allem jedoch in den beiden europäischen Bürgerkriegen dieses Jahrhunderts entrichten mußten, wäre umsonst gezahlt worden, das Leiden und der Tod der Millionen Opfer der Vernichtungslager, der Verfolgung und Vertreibung wären umsonst gewesen, würden sich die Völker, würden sich vor allem die politisch Verantwortlichen, angesichts der Forderungen, die heute Geschichte und Moral an sie erheben, wieder hinter die haltlosen Mauern eines bloßen Rechtspositivismus zurückziehen.

Mit Realpolitik oder notwendiger Entspannungspolitik hat ein solcher Verzicht auf grundlegende, ihrem Wesen nach unaufgebbare politische Werte und rechtliche Position nichts zu tun. Hier liegt deshalb auch, neben dem grundlegenden politischen Fehler, der tiefe, unverzeihliche moralische Mangel der Ostpolitik der Bonner Koalition.

Damit in einer vom Machtkampf der Interessen und Ideologien zerrissenen Welt eine auf Recht und Gerechtigkeit gegründete Ordnung nicht nur Utopie zu sein braucht, kann es im Kampf um die Grundrechte von Menschen und Völkern keinen Verzicht und keine Halbheiten geben. Diese Rechte sind unteilbar.

Angesichts der doppelten Moral, wie sie zur Zeit von der UNO-Mehrheit in den Fragen des Selbstbestimmungsrechts und des Lebensrechts der Völker und der Geltung der Menschenrechte geübt wird, dürfen wir hier jedoch für die Zukunft wenig Gutes erwarten.

Aber nicht nur das Recht ist unteilbar, auch die Geschichte! In das Verhängnis der europäischen Geschichte sind alle europäischen Völker gleichermaßen verstrickt. „Bewältigen" wie eine Mathematikaufgabe läßt sich dieses gemeinsame Erbe an Schuld und Verhängnis nicht, weder durch einseitige Schuldzumessung oder einseitiges Schuldbekenntnis oder auch durch gegenseitige Schuldaufrechnung, weder durch Totschweigen oder durch Umbiegen der Tatsachen, sondern allein durch eine klare, unverstellte Einsicht in die Ereignisse, durch eine mannhafte und redliche Auseinandersetzung mit ihnen und durch den Willen, gemeinsam neue, bessere Wege zu gehen.

Hier haben die Sudetendeutschen, angefangen von der „Charta der Heimatvertriebenen" aus dem Jahre 1950 bis heute Zeichen gesetzt, die zukunftsweisend den Weg aus dem Leid der Vergangenheit in eine gemeinsame Zukunft freier europäischer Völker weisen können.

Zeichenhaft und beispielgebend für Europa ist die Treue der Sudetendeutschen zum angestammten Volkstum und zum überlieferten Kulturerbe. Denn das in Freiheit sich einigende und geeinte Europa kann nur ein Europa der völkischen und kulturellen Vielfalt sein. Die europäische Freiheit wächst nur aus der europäischen Vielfalt.

Das Europa, das wir wollen, zu dem wir uns am 10. Juni bekennen, wird dieses Europa der Vielfalt sein, nicht ein Europa

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