Liebe Landsleute!
Ich wünsche ein recht frohes Weihnachtsfest und zum Jahreswechsel im kommenden 1979 viel Glück. Allen Spendern für den Fortbestand des Heimatbriefes sage ich ein aufrichtiges „Dankeschön". Ohne ihre Hilfe ist es nicht mehr möglich den Heimatbrief für uns zu dem jetzigen Preis zu erstellen. Eine Erhöhung des Bezugspreises liegt nicht in meinem Sinne.
Schnell schreitet die Zeit dahin. In den vergangenen 32 Jahren haben wir der Heimat die Treue gehalten und stets an sie gedacht. Wir haben in den Gedanken alles nacherlebt, was sich in unserem Heimatbrief nachvollzog. Noch immer ist die Liebe für die Heimat in uns lebendig. Und wenn dort noch soviel verändert und zerstört wird, in uns leben die alten traulichen Häuser, Gasserln, Plätze und Fußsteige noch immer fort.
Immer wieder hört man sagen: „Dorthin gehe ich jetzt nicht. Ich will mir das Bild der alten Heimat so bewahren, wie ich sie in der Jugendzeit erlebt habe. Die jetzige Zerstörung würde ich nicht verkraften." Noch kein Besucher, der ein Wiedersehen mit der Heimat suchte, kam beglückt von dort zurück. Es waren schon sehr viele dort, aber sie haben eine lange Zeit gebraucht, um sich von der Enttäuschung wieder zu erholen. Keine einzige Erwartung hat sich geboten, drückend machte sich die Leere im Gemüt bemerkbar bei den Betrachtungen der Verwüstungen. Es gab nichts Vertrautes aus früherer Zeit. Unfaßbar stellt sich dem Besucher die Verwüstung und Vergewaltigung der einst blühenden Landschaft dar. Wohin sind die sauberen Orte, Höfe und Felder gelangt? Hier zeigt der Kommunismus sein wahres Gesicht. Welchen Nutzen hat die Vertreibung den Tschechen gebracht?
So schreibt die tschechische Schauspielerin Adina Mandlova, die im Exil lebt, in ihren Memoiren: Wer die Vertreibung der Sudetendeutschen — immerhin ein Verbrechen, das an weit über 3 Millionen Menschen begangen wurde — und die Rachejusticia der Retribution bewußt übersieht oder entschuldigt, hat wenig moralisches Recht an die Weltöffentlichkeit zu appellieren und um Unterstützung wegen der heutigen Tschechoslowakei zu bitten. Man sollte nicht vergessen, daß das freie Europa in einem einzigen Boot sitzt und sich privilegierte Schoßkinder nicht erlauben kann." — Diese Aussage sollten sich einige unserer Politiker und Moderatoren hinter die Ohren schreiben, wenn sie mit östlichen Kollegen herumbuhlen.
Im heutigen HB sind einige Artikel über uns Sudetendeutsche enthalten, das von Interesse sein dürfte.
Euer Richard Brummeissl
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Die Schlaggenwalder Krippe
In der Schlaggenwalder Kirche
hoch über dem Altar,
stand 'ne wunderschöne Krippe,
ich weiß nicht, wie alt sie war.
Mit lebensgroßen Figuren,
wer hat nur das erdacht,
es war wohl ein großer Künstler,
der dies so schön gemacht.
Maria und Josef standen
im Stall beim Krippelein,
und drinnen lag so friedlich
das Jesukindelein.
Die Hirten mit ihren Herden
waren ringsrum aufgestellt
und Gabriel, der einst verkündet:
„Es ist gekommen das Heil der Welt".
Nicht fehlten auch die Könige
mit ihrem goldenen Stern,
sie brachten dem Kindlein ihre Gaben
und zogen wieder in die weite Fern.
Nun haben sie uns vertrieben
von diesem schönen Ort,
doch die Erinnerung ist geblieben,
die nimmt uns keiner fort.
ANNA KEMPF, geb. Breitfelder
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