Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 151
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Příčiny a následky aneb dar a závazek

Ursachen und Folgen oder Geschenk und Verpflichtung

Immer wieder dieselbe Mühe: In der Vergangenheit kramen und die Erinnerung beschreiben. Leben im Übergang. Die Jungen sind Einheimische und wir reden von daheim. Nach Schlaggenwald, das uns fremd geworden ist, geht nur noch ein schmaler Steig. Bald wird er zugewachsen sein.

Warum nur hängt man so zäh am Ort seiner Herkunft? Warum sind wir noch so, wo sich doch alles ändert?

Wie wir geworden sind, das muß einen weit zurückliegenden Anfang haben. Solche Entwicklungen beginnen in den Familien. Vater und Mutter „verderben" von Anfang an ihre Kinder. Leider haben Großeltern und die übrige Sippschaft — die Baa(n)socker — auch noch dazu geholfen. Den Rest hat die damalige Zeit besorgt, die von heute aus nicht mehr zu richten ist. So sind wir durch Herkunft, Gesellschaft und die Zeit zu recht „eigensinnigen Menschen verkümmert."

Zugute halten muß man den Eltern, wir waren bei ihnen aufgehoben. Wenn es dunkel wurde, wenn es blitzte und donnerte, wenn der Wind heulte und die Kälte weh tat, haben wir bei ihnen Schutz gesucht, unsere Ängste vergessen. Sie haben uns gerne gehabt, gaben uns zu essen, Schuhe, Hemd und Hosen — wie es die Verhältnisse zuließen.

Zur Beruhigung, für unsere Langweile und zum Zeit vertreiben an den Abenden, manchmal am Krankenbett, erzählten sie uns ihre Geschichten, aus ihrer Jugend Reime, Gedichte und sangen uns ihre Lieder. Jeder hatte andere, viele waren gleich. Heute Einiges aus dieser heiklen Materie.

Am weitesten in unsere Frühzeit zurückliegen mag der Kinderreim:

Reiter zu Pferd,
der Sattel ist leer,
der Schwed is kumma,
hout aolles mitgnumma.
Hout d'Fensta ei(n)gschlogn,
hout's Blei davoantrogn,
hout Kugeln draß gossn,
hout aolla (s'Böiwl) daschossn!

Wir saßen bei Vater oder Mutter auf den Knien, machten Hoppa Reita und wurden dann mit „Bull!" plötzlich fallengelassen, aber gerade noch rechtzeitig aufgefangen. Schreck und Gaudi nebeneinander, bettelte man: „nuch aomaol! nuch aomoal!" Dreißigjähriger Krieg nach 3 Jahrhunderten in unserer Kinderstube, Siebenjähriger- oder 66er Krieg im Kinderlied „Unna Vetta Vei(t)l" mit seinen unerfüllbaren Wünschen nach Tschako, Säbel und Pfa (Pferd).

Weit zurückliegend auch das Gedicht aus dem alten Lesebuch unserer Eltern „Die Gottesmauer", das die Angst und die Gefahr in der Welt draußen erahnen ließ. In Kriegsgefahr betet ein Mütterchen, daß der herannahende Feind kein Unheil anrichten möge. Das Unvorstellbare geschieht, Gott läßt das entlegene Gehöft im dichten Schneetreiben versinken und den Feind vorüberziehen. Dänischer Krieg 1864.

Begeistert lauschte ich auch, wenn erzählt wurde, wie Siegfried den Lindwurm erschlug — Beispiel weltbezwingender Tapferkeit.

Der Türkenkrieg mit Prinz Eugen wäre mit der „Tabakspfeife" — „Gott grüß' Euch, Alter! Schmeckt das Pfeifchen?" einzuordnen. Wie stolz trugen da die Älteren noch nach vielen Jahren die 15 Strophen vor.

Held aus meiner Kinderzeit im wahren Sinn des Wortes, war der Sandwirt aus dem Passeier Tal — Andreas Hofer. Mit ihm bekannt geworden bin ich, wenn meine Mutter das Lied wieder sang: „Zu Mantua in Banden, der treue Hofer saß . . ." Treue und Volk waren uns nicht besser darstellbar und der Name Tirol bekam von da an für mich — ich glaube für uns alle — einen besonderen Klang, den er auch heute noch hat.

Wenige Beispiele genügen, um zu zeigen, wie für viele Generationen Krieg das durchgängige Motiv war; nicht, weil wir ihn wünschten, sondern weil er dem Volk immer wieder aufgeladen wurde.

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