Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 150
/ 32
česky německy obojí klasické zobrazení →
Sken listu 7
Jak jsem jako malý chlapec prožíval Vánoce

Wie ich als kleiner Bub Weihnachten erlebte

9 Jahre war ich alt, als meine Mutter starb, und nun war ich eine Vollwaise, sagte man. Wohin mit solchen Kindern? Nun, mein Bruder und ich hatten Glück. Er durfte im Ort bleiben, eine Schwester unserer Mutter nahm sich seiner an, ich kam zu meiner Großmutter und zum Paten, der damals noch ledig war.

In diesem Haushalt hatte alles seine peinliche Ordnung. Auch meine Kammer enthielt für mich das, was eben ein Bub so benötigte. Dazu gehörte ein kleiner Holzkoffer oder besser gesagt eine Lade. Eigentlich war ich sehr stolz auf diese mir überlassenen Sachen, die ja zum großen Teil von meinem Vater stammten, der sehr jung im ersten Weltkrieg 1915 gefallen war. Die Versorgung mit allem Irdischen war ausgezeichnet.

Wenn ich heute zurückblicke, war meine Großmutter väterlicherseits zwar eine strenge Frau, aber sie umsorgte mich doch recht ordentlich. Es dürfte ja gerade für sie auch keine leichte Aufgabe gewesen sein, plötzlich in ihr ruhig dahinfließendes Dasein eine Sorge aufgebürdet zu bekommen. Eine gewisse Umstellung der Häuslichkeit war es bestimmt für sie. Ein bißchen als Störung dürfte sie mich schon empfunden haben. Als Kind hat man da ein ganz besonderes Gespür dafür, ob man beliebt ist. So habe ich auch nie so recht eine Liebe zu ihr empfunden, wie ich sie zur Mutter, meiner Mutter, hatte. Auch von ihr ging keine Zärtlichkeit aus. Instinktiv empfand ich, daß ich doch ein geduldetes „Etwas" bin. So ging der Sommer dahin und auf einmal war es Spätherbst geworden. Ich mußte nicht mehr die Ziegen hüten, denn mit diesen Viechern hatte ich immer meine liebe Not und meine ganze Freizeit ging dahin. Sie ließen mir keine Minute zum Träumen im warmen Sonnenschein. Immer mußte ich hinter diesem naschenden Getier herlaufen. Wie gerne habe ich mich oft in Gedanken daheim bei der verstorbenen Mutter gefühlt und den jüngeren Bruder herbeigewünscht. Jetzt war es endlich aus mit der Hüterei.

Bald fiel der Schnee und die Vorweihnachtszeit warf schon ihre Schatten voraus. Nach dem düsteren Gefühl, das mich oft beschlich, denn das Heimweh plagte mich doch sehr, waren mir Weihnachten so ferne wie noch nie. Bei Mutter ging es auch sehr arm zu. Außer einem Fichtenbäumchen, auf dem nicht einmal ein Kerzchen seinen Lichterschein verbreitete und einen Pfefferreiter gab es damals keine Geschenke. Aber es war alles mit Liebe und einem Zuhause geboten. So erhoffte ich mir auch weiter nichts. Großmutter ließ nie merken, daß sie für mich eine extra Vaganz machen würde. Aber es sollte doch anders kommen.

Wie schon gesagt, umsorgte mich ja noch mein Pate und eine Schwester meines Vaters — die jüngste kam auch ab und zu — und war gut zu mir. Leider ist sie viel zu früh gestorben. Aber sie bleibt mir trotzdem unvergeßlich, weil ich es ihr zuschreibe, daß man doch für mich ein Christkindl gerichtet hatte.

Es war einige Tage vor dem Christfest. Da wurde ich beauftragt, auf dem Heimweg von der Schule aus der Stadt Leim und Flitter einzukaufen. Da ich im Winter über Mittag wegen des weiten Schulweges nicht nach Hause konnte, blieb ich in der Schule, und bei dieser Gelegenheit habe ich das vom Paten Gewünschte gekauft.

Am Abend tat er den Leim in einen Topf und ließ ihn zergehen. Dann schüttete er eine Anzahl Nüsse auf den Tisch, zeigte mir wie ich kleine Holzpflöckchen schnitzen und die Pflöckchen in die Nüsse eindrücken mußte. Mit Eifer machte ich mich an diese Arbeit, ahnte ich doch, daß für das Christkind etwas zurechtgemacht werden soll. Nun kam der dampfende heiße Leimtopf auf den Tisch. Die Nüsse wurden eingetaucht und dann in den Flitter gewälzt. Erst sahen die Nüsse gar nicht gut aus, als aber der Leim getrocknet war, glänzten die kleinen Kunstwerke im hellen Lampenlicht. Das war ein schöner Abend, den ich mit meinem Paten allein verbringen konnte, denn die Großmutter hatte irgendwo in der Nachbarschaft einen Besuch gemacht. Ich glaube, an diesem Abend habe ich die Seligkeit verspürt. Der Alptraum des Ziegenhütens war vorbei.

Am nächsten Abend brachte der Pate ein altes verstaubtes Gestell. Ein „Etwas" auf das ich mir keinen Reim machen konnte. Wieder kam der Leim auf den Herd. Fein säuberlich wurde der angestaute Dreck von dem Gestell abgekehrt und dann mit einem Pinsel abgestaubt. Da sah ich, daß es wie eine Krippe aussah. Also wurde die gesamte Bergfläche wieder mit Leim angestrichen und dann der Flitter darüber gestreut. Die Ähnlichkeit zu einer wirklichen Krippe erkannte ich immer mehr, wenn auch die Häuschen, Hirten, Engel und in der Höhlung die Heilige Familie mit Ochs und Esel noch fehlte. Natürlich hatte der Pate einige Ausbesserungen an dem nun schön glänzenden Krippengestell vornehmen müssen.

list 7 z 32
Rozdělení textu na listy je odhad — text může o odstavec přetéct na sousední list. Původní znění vlevo je vždy přesné.
Klikni na větu a ukáže se, kde na skenu stojí. Zvýrazňují se celé řádky, ne přesná slova — místo je tedy přibližné.