Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 150
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Veselá předvánoční historka o strýci Robertovi a koze Haberl

Eine heitere Vorweihnachtsgeschichte

Beim Kerzenschein an den Adventabenden steigen alljährlich die Erinnerungen an die Weihnachtsfeste meiner Kindheit aus dem Gedächtnis hoch. Weil sich das Früherlebte so tief in die junge Seele eingraben kann, bleibt es unvergessener als Erfahrenes aus den jüngsten Tagen. Unendlich viele Bilder gleiten an meinem geistigen Auge vorbei — helle und düstere — heitere und traurige — lebensvolle und todumwehte. Alle zusammen vereinen sich zu einem farbenreichen Gemälde, dem nun nach Jahren der warme Schimmer von liebevoller Wehmut aufgelegt ist.

Da mich die Weihnachtszeit immer wieder so erinnerungsvoll bewegt, möchte ich meinen lieben Landsleuten gern ein wenig Frohsinn mit in ihr Heim bringen. Deshalb habe ich aus meinem reichen Kindheitsbilde ein sehr heiteres Eckchen herausgesucht und möchte hier eine wahre Begebenheit erzählen, die — wie ich hoffe — als ein fröhlicher Weihnachtsgruß von allen Lesern aufgenommen wird.

Der Held dieser Geschichte ist mein Onkel Robert, und geschehen ist sie in einer Adventszeit, als die Arbeitslosigkeit erbarmungslos unsere Heimat beherrschte. Mein Onkel war ein tüchtiger Schneidermeister, er wäre aber viel lieber ein freier Jäger gewesen, denn er liebte den Wald mit seinen Tieren mehr als die Nähmaschine. Zunächst wohnte er mit seiner Familie in Poschitzau, zog aber dann anfangs der dreißiger Jahre nach Janessen, weil er sich dort wegen der Nähe zu Karlsbad ein besseres Fortkommen versprach. Jedoch die immer stärker aufkommende Weltwirtschaftskrise ließ seine Rechnung nicht aufgehen, so war er froh, wenn seine Freunde in Poschitzau ihre „Gwandln" weiterhin bei ihm arbeiten ließen, und sie boten ihm sogar immer wieder die Möglichkeit, in ihren Wäldern zu pirschen. Weil mein Onkel zudem sein heimatliches Dorf liebte, nützte er jede Gelegenheit um dorthin zu kommen.

Als er einmal vor dem Weihnachtsfest den Anzug für einen Kunden aus Poschitzau fertiggenäht hatte, zog er das „Jagergwandl" an, setzte sein Hütl auf, nahm den Anzug, den die Tante sehr säuberlich in ein Leinentuch verpackt hatte und wanderte los.

Allzeit war mein Onkel Robert ein schlanker und drahtiger Mann gewesen, der wieselflink und leichtfüßig von Janessen über Aich, die „Zwerchstaffala", die „Vierza Noathelfa", das „routa Kreiz" und dem „Sand" nach Poschitzau wanderte. Er ließ sich dabei von keinem Wetter, aber auch von keiner Tages- oder Nachtzeit abhalten. Als er nun so um die Mittagsstunde loszog, lag vorwinterliche Kälte über dem Land, und Nebelschwaden ballten sich zwischen den Waldeshöhen. Aber mein Onkel schritt dennoch fröhlich seines Weges und fühlte sich frei wie der Vogel in der Luft. In Poschitzau lieferte er das „Gwandl" ab, und er bekam sein Geld. Doch nun zog es ihn „auf ein Bier" zu seinen Freunden ins Wirtshaus, wo er auch immer mit einladenden Zurufen und vieler Gaudi aufgenommen wurde, denn er war ein lustiger Gesellschafter und guter Erzähler, wobei es ihm nicht darauf ankam, auch einmal die Wahrheit mit der Dichtung zu vermischen, besonders wenn es um seine Jagderlebnisse ging.

So verrannen beim Trunk und dem munteren Geplauder die Stunden, als plötzlich einer der Freunde seine stramme Ziege meinem Onkel zum Kauf anbot. Bei den damaligen Krisenzeiten konnte der Besitz eines solchen Tieres nur von Vorteil sein, denn seine Ansprüche sind gering, wogegen es aber eine mehrköpfige Familie mit Milch versorgen kann. Diese Überlegung ging dem Onkel trotz des genossenen Bieres haarscharf durch den Sinn, und er wurde nach einigem Handeln mit dem Freund einig. Um den Hals der Ziege wurde ein Kälberstrick gebunden, und bald stand sie mit ihrem neuen Herrn vor dem Wirtshaus in der stockdunklen Nacht. Die Gäste waren alle müde und angesäuselt heimgegangen, und die Wirtsleute wollten auch schlafen gehen.

Da gab der Schneider frohgemut seiner Ziege einen Klaps und rief „kumm Haberl!", wobei sich beide auf den Heimweg machten. Aber die Nacht war eben damals besonders dunkel, Obwohl mein Onkel jeden Stock und jeden Stein zu kennen glaubte, stolperte er doch immer wieder und mit ihm natürlich auch die Ziege. Doch er war in seiner Bierseligkeit gut gelaunt genug, um das Tier stets mit „s'is scho gout, Haberl!" zu beruhigen.

Als sich dann allerdings nach einer guten halben Stunde am Waldrand Onkels Füße an einer ausgeschwemmten Baumwurzel verfingen, und es ihn der Länge nach hinschlug, wobei ihm der Kälberstrick mit der Ziege daran entglitt, da wallte vor Zorn sein Blut gefährlich auf, und er fluchte wie ein Holzknecht.

Endlich erhob er sich unter Stöhnen, begann nach dem Tier zu suchen und zu rufen: „Haberl, Haberl, wou bist dann? Dou kummst her! Kummst glei her, damischa Ziech!"

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