Wer aber nach der letzten drohenden Geste Beneschs der Mobilisierung, das vollständige Chaos der Organisation, die verstopften Straßen, den Mangel an Treibstoff und die verhaltene Sorge und Angst der tschechischen Soldaten sah, konnte sich von der Dauer des Kampfes, sowie dem Kampfwert dieses Volkes das rechte Bild machen. (Interessant und charakteristisch dazu ist ein Witz, welcher in der zunehmenden Ost-Westkrise 1947 die Runde macht: zwei Tschechen treffen sich und betrachten besorgt die politische Spannung in Europa. Der mögliche Krieg Rußlands und Amerikas ist ihre große Sorge. Auf welcher Seite werden wir kämpfen? Natürlich auf russischer. Wieso, aber die Amerikaner — —. „Ach Quatsch, ich will doch lieber in amerikanische Gefangenschaft gehen, als in die russische."
Das Bild der überlaufenden tschechischen Divisionen der österreichischen Armee im ersten Weltkrieg taucht auf. Charakteristisch dabei ist, daß der Tscheche immer ans Überlaufen denkt und den Krieg und die „Befreiung" lieber dort erwartet, wo der Sieger zu erwarten ist.
c) Wenn wir zu diesen Erläuterungen die beiden Sätze 12 und 13 betrachten, so fällt es uns auf, daß der Jüngling immer dort, wo es kritisch wird, nicht dabei sein will, er möchte das schwere Schicksal, das er seinem Volke voraussagt, nicht mitmachen, — bestimmte Minderwertigkeitskomplexe eines Volkes sind hier in seherische Worte geformt.
Man nehme noch einmal unseren größten Widersacher Benesch vor: Die moderne Richtung der Diplomatie, die politische Lüge, hat sich mit der arteigenen Vorsicht in ihm zur Meisterschaft vermählt; er wendet sie auch dort noch an, wo für ihn kein Zwang mehr besteht. So spielte er, als der teuflische Plan der Vertreibung, Ermordung und Beraubung der Sudetendeutschen schon lange als fixe Idee in seinem Gehirn saß, noch den Repräsentanten der sudetendeutschen Emigration in London gegenüber den humanen und toleranten, verhandlungsbereiten Diplomaten und sprach von der Vorbereitung einer Verständigung und des späteren Zusammenlebens in einem Staate nach dem Kriege. In einer Zeit also, wo jeder, auch der vorsichtigste Diplomat bereits eindeutig klargestellt hätte — ich verhandle nicht mehr, ich habe bestimmte Pläne — wand sich der Lügner noch in der Vorspiegelung einer besseren Zukunft. Die arteigene Vorschrift, die zur zweiten Natur gewordene Lüge konnte der Repräsentant des auserwählten Volkes nicht verleugnen.
(Schluß folgt)
Nachrichten aus der Heimat
Wer hätte gedacht, daß einmal Schlaggenwald und Schönfeld eine Gemeinde bilden würden. Wie mir aus zuverlässiger Quelle berichtet wird, wurden beide Bergstädte zusammengelegt. Der Bürgermeister von Schönfeld ist jetzt auch der Bürgermeister von Schlaggenwald. Das Wort Horni Slavkov widerstrebt mir. Für mich bleibt Schlaggenwald eben Schlaggenwald und Schönfeld bleibt Schönfeld. Der jetzige Bürgermeister der beiden Städte hat seinen Wohnsitz in Schönfeld. Das Haus mache einen gepflegten Eindruck. Die Bevölkerung sei mit diesem Bürgermeister sehr zufrieden. Er wäre sehr wahrheitsliebend und sagt jedem, was er denkt. Wenn er nicht passe, so sagt er, ist er nicht auf diesen Posten angewiesen und würde jederzeit wieder seinen Beruf als Förster ausüben.
Auch der Schönfelder Pfarrer hält Gottesdienst in Schlaggenwald. Das Dach der St. Georgskirche ist wieder vollständig repariert. Auch die Kirche selbst soll wieder hergerichtet werden. Wer Auftraggeber und Zahler ist, weiß man nicht. Geld haben die Kirchengemeinden nicht. Der untere Teil des Friedhofes ist total verwahrlost. Das kann man sich denken nach 30 Jahren.
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