Die Weisung des Hirten von Böhmen von 1356
(2. Fortsetzung)
Satz 13.
Wenn aber die Kirschen geerntet sind, möchte ich kein Tscheche sein.
a) Bei der Betrachtung solcher Phänomene dürfen wir, wir wir bereits in den Erläuterungen zu Satz 1 bemerkt haben, nicht die Maßstäbe unserer täglichen Rede anwenden. Jedes Wort und noch viel mehr jede Andeutung birgt dabei ungeahnte Perspektiven, welche erst das wunderbare Bild einer Prophezeihung ausmachen.
Wenn der Jüngling sagt, wenn die Kirschen geerntet sind, dann meint er nicht die kurze Zeit der Freude der Ernte und des Genusses der Früchte, sondern alle Zeit nach dem Ereignis. Auch ist die Frucht hier wie überall nur symbolisch genannt, als die Frucht, die am ehesten blüht und am raschesten reift, also das Zeitmaß für eine bestimmt Frist, sowie die Andeutung der Jahreszeit der Erfüllung:
Die Kirschenblüthe: der Frühling.
Die Kirschenreife und Ernte: Der Sommer.
Die Zeit des Triumphes tschechischen Hasses aber war rasch verflogen. So rasch, daß mit der Kirschenernte bereits die Ernüchterung Platz griff. Von jetzt ab, für alle Zeiten, macht der Jüngling die Feststellung — „Ich möchte kein Tscheche sein" — als Zeichen, daß nun der Untergang seines Volkes beginnt und folgerichtig bis zum Gottesgericht fortschreitet. Schon aus der bloßen Formulierung des Satzes 13 sehen wir eine Steigerung der Tragik der dahinterstehenden Ereignisse: „Wenn aber dann!" Die weiteren Sätze der Voraussage bestätigen die Vermutungen.
Heimatkunde des politischen Bezirkes Falkenau aus dem Jahre 1898
(Fortsetzung) Von Hugo Prasse, Mühlacker
Dreihäuser
Pol. u. Schulgem. Nallesgrün, Pf. u. Post Elbogen.
Das Dörflein mit 24 Häusern und 102 Einwohnern, bestehend aus Fabriksarbeitern und zum geringen Theile aus Landwirten, liegt beinahe 2 km südlich von Nallesgrün. Es ist auf drei Seiten von Waldungen umgeben und wird wegen der lauschigen Stille des Forstes und der dort wehenden harzigen Luft zu einem idyllischen Walddörflein, das im Sommer von Ausflüglern aus Nah und Fern besucht wird. Dieselben besteigen von hier aus den 835 m hohen Krudum, den man nie anblicken kann, ohne an seinen Sagenkreis erinnert zu werden.
Nallesgrün
Pol. Gem. gl. N., Pf. u. Post Elbogen.
Bei der sogenannten Faltermühle in der „Zech", an der Mündung des Reinbaches in die Fluth, öffnet sich ein Seitenthal, welches sich ungefähr 1 1/2 km von Osten gegen Westen erstreckt. Der Weg durch dieses Thal, an Steigung zunehmend, ist stellenweise etwas beschwerlich, dafür lohnt er aber den Wanderer durch eine Fülle von Naturschönheiten. Üppige Wiesen erfreuen das Auge; sie reichen bis hart an das Dorf, wo sie baumreichen Gärten den Platz überlassen. Fruchtbares Ackerland wechselt mit bewaldeten Hügeln (Geis- und Mühlleiten). Die Thalwände treten, je mehr man sich dem Dorfe nähert, zurück und bilden eine sanfte Mulde, in welcher sich vor Zeiten Ansiedler niederließen und Nallesgrün gründeten.
Vom höchstgelegenen Ortstheile aus genießt man eine herrliche Fernsicht. Gegen Osten erblickt man den Buchenberg bei Poschitzau und in blauer Ferne Ausläufer des Duppauer Gebirges, im Süden den Spitzberg. Die Masse des sagenreichen Krudums liegt gegen Südwesten. Im Norden und Nordwesten erscheinen bewaldete Theile des Erzgebirges. Hornerberg und Ziegenrücken im Nordosten vervollständigen dieses schöne Landschaftsbild.
Nallesgrün hat derzeit 71 Häuser mit 435 Einwohnern, die sich durchwegs zur katholischen Religion bekennen. Der weitaus größere Theil derselben nährt sich durch Arbeit in den Fabriken zu Zech, Elbogen und Umgebung. Ein geringerer Theil treibt Landwirtschaft. Öffentliche Gebäude sind das Schulhaus und seit 1882 ein Armenhaus.
Die Schule war vor 1853 eine Wanderschule. Auch die Kinder von Dreihäuser und Höfen mußten die hierortige Schule besuchen. Im vorgenannten Jahre wurde jedoch Höfen ausgeschult und Nallesgrün baute ein eigenes Schulhaus. 1875 mußte dieses ebenerdige Gebäude wegen Unterbringung der neusystemisierten zweiten Classe um ein Stockwerk erhöht werden.
Nallesgrün hat seit 1893 einen Arbeiterbildungsverein, im Jahre 1895 organisierte sich eine freiwillige Feuerwehr.
Aus einer vorhandenen Urkunde geht hervor, daß die Bewohner von Nallesgrün in früherer Zeit den Besitzern von Elbogen unterthänig waren.
Zu den schönsten und lohnendsten Partien der Umgehung gehört unstreitig die „Bernleiten", ein beliebter Ausflugsort der Bewohner von Schlaggenwald. Der Besucher verläßt auf dem Wege dahin keinen Augenblick den murmelnden Reinbach mit seinen zahlreichen kleinen Wasserfällen, über die sich die muntere Forelle schwingt. Die Ufer ragen oft mächtig in die Höhe, um sich bald darauf wieder zu senken, bald engen sie das Thal ein, so daß der Wanderer nur mit Mühe seinen Weg unmittelbar am Wasser fortsetzen kann. Die mächtigen Granitblöcke, die hie und da wie Ruinen aufgethürmt sind und an deren Fuße nach einem starken Regengusse die Wellen rütteln, drohen einzustürzen.
Wo sich das Thal weitet, breiten sich lachende Wiesen aus, welche durch herrliche Fichtenbestände der naheliegenden Hänge gesäumt sind.
Hier findet der Botaniker reiche Auslese sowohl schöner, als auch seltener Pflanzen; der Zoologe kann zur Zeit der Heumahd die harmlose Ringelnatter antreffen und die Nimrode würden hier nicht vergebens nach Füchsen, Dachsen und Rehen fahnden.
Eines Besuches wäre auch das „Granitzerloch" wert, aber es scheint, daß die Erinnerung an Johann Hartwig Ernst Granitzer von Gränzenstein, der in diesem Stollen sein Leben durch einen Pistolenschuß geendigt haben soll, Furcht erzeugt, die jede Neugierde nach dem Inneren desselben bannt.
Höfen
Pol. Gem. gl. N., Pf. u. Post Elbogen
Das Dörfchen Höfen liegt etwa 2 km südlich von Elbogen auf einer kleinen, gegen 600 m hohen Ebene des Tepler Gebirges. Diese kleine Hochebene wird östlich vom Zechthale, nördlich vom Egerthale und westlich vom Geiersbachthale begrenzt, in welche Thäler von der genannten Ebene aus mehrere kleine Seitenthäler, sogenannte „Lohen" münden, so gegen das Zechthal die „Bubenloh" und der „Kessel", gegen das Egerthal die „Stein- und Hofloh" und gegen das Geiersbachthal die „Schaffnersloh" u. a. In südlicher Richtung steigt gegen den etwa 1 km entfernten Ort Nallesgrün die Ebene allmählich sanft an. Höfen zählt mit dem im Geiersbachthale gelegenen, für das Elbogener Scharfschützencorps erbauten Schießhause 34 Häuser, darunter das Schulhaus und ein Armenhaus, und beherbergt 181 Einwohner, welche sämmtlich römisch-katholischer Religion sind und durchgehends Landwirtschaft betreiben. Höfen besitzt seit dem Jahre 1853 eine einclassige Volksschule, welche durchschnittlich von 30 Kindern besucht wird. Vor dem genannten Jahre war der Ort der Nachbargemeinde Nallesgrün zugeschult. Höfen ist der Sitz des Gemeindeamtes für Höfen mit Zech.
Von der Geschichte des Ortes ist wenig bekannt. Der Ort soll ursprünglich nur aus drei Höfen bestanden haben, daher sein Name. Aus dieser Zeit scheinen sich noch Hausnamen erhalten zu haben, wie „Schaffer" (Schaffner), „Master" (Schafmeister), „Neubauer". Durch Theilung und Verkauf dieser größeren Besitzungen dürfte im Laufe der Zeit die kleine Ortschaft ihr Entstehen gefunden haben.
Wandern wir vom Orte aus in östlicher Richtung, so gelangen wir zu dem „Harbühel", einer Bodenerhebung von 601 m. Es eröffnet sich gegen Norden eine schöne Fernsicht gegen das Erzgebirge, während im Osten der „Ziegenrücken" und im Norden die Höhen des Krudums und Spitzberges unserem Ausblicke hemmend entgegentreten.
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