Die Schule fängt an – Herbst wird es wieder
Die Schule fängt an – Herbst wird es wieder
Schulanfang und Herbst gehörten zusammen.
Was Kulturvermittlung uns als eherne Ordnung aufzwang, wurde vom äußeren Rahmen durch die bunten Farben des Herbstes, durch die neuen Hosen oder ein neues Frackl — festlich — bleibend in unser Gedächtnis gehoben.
Schuleintritt und Schulanfang, die gleich altrigen Kameraden wurden zum unverlierbaren Besitz. Sicher hat die Spannung auf dieses wiederkehrende Ereignis mit der steigenden Zahl der Schuljahre nachgelassen, verbunden blieben bange Ungewißheit und unbekümmerte Lebendigkeit, Herbst und Hoffnung — und deshalb haben wir auch in der Erinnerung diese Zeit so gern.
Was ich schreibe, gilt für alle, die 1928 geboren und 1934 in Schlaggenwald „eingeschrieben" wurden und zur Schule kamen, gilt für etliche Jahrgänge davor und noch einige danach — alles aus meiner Sicht.
Wenn Ende August die letzten Fuhren Korn abgeladen waren, wurden die jüngeren Erntehelfer, die durch Elternhaus, Großeltern und andere Zwänge mit dem Feldbau zu tun hatten, nicht mehr so stark in Anspruch genommen. Jetzt konnte der zu den Klassenkameraden unterbrochene Kontakt wieder aufgenommen werden. Ferienbande wurden überwiegend mehr nach nachbarschaftlichen Beziehungen unterhalten, meist jedoch waren gemeinsame Interessen für Igel, Frösche, Molche, Wasserkäfer oder Hummelnester, für Pilze, Beeren, Felsen oder Wald ausschlaggebend. Nun wurde bei dieser Kontaktsuche Sitzordnungen, Banknachbarschaften, der zu erwartende Lehrer, seine Eigenschaften, Besonderheiten und Schwächen besprochen. Vor 1938 begann ein neues Schuljahr immer mit einer Schulmesse, danach wurde es üblich diesen herausgehobenen Tag mit einem Appell zu beginnen. Dieses bei uns nicht gebräuchliche Wort übrigens war eines der ersten, das beim Anschluß aus dem Sprachschatz des Altreichs — hartklingend und Unheil in sich bergend — bei uns eingeführt wurde. Auf welche Weise wir Tag und Stunde des Schulanfangs erfuhren, weiß ich nicht mehr. Gut erinnern kann ich mich an den Anfang eines solchen Tages.
Ich will in der oberen Kirche beginnen: Am Weg dorthin sammelten wir uns schon ein wenig, saßen dann in den hinteren Bänken im Dunkeln des unteren Chores, verständigten uns während der Messe durch Zeichen und sprangen, wenn der Herr Dechant Weihwasser austeilte und an unseren Bänken entlang ging — wie die älteren Schüler in einem Karree (Karriere) die Kirchstaffel hinunter. Den uns nachblickenden Erwachsenen wurde Angst und Bange und kein Lehrer konnte dieser vorwärtsstürmenden Herde folgen. Der so bergab gewonnene Schwung reichte über das Schmaolzplatzl bis auf den Zähplaotz hinauf. Der alte Herr Gassner ließ uns dann zwar noch eine Weile warten, konnte aber trotzdem beim Öffnen der ehrwürdigen Schultür unser Drängen nicht bremsen. Das Schulhaus hatte uns wieder!
Vor dem Aufstieg zu den lichten Höhen der oberen Stockwerke, in denen die höheren Klassen untergebracht waren, mußte das dunkle Erdgeschoß durchschritten, aber auch manchmal durchlitten werden.
In den Klassenzimmern, in denen noch ein weißer Emailnapf zur Ausstattung gehörte, vermengte sich der bekannte — schwer zu beschreibende — Schulgeruch von geölten Fußböden, trockenen Staub und dem Geruch frischen Karbolineums von den rückseitigen Räumen des Hauses, mit der reinen Luft unserer Lungen. Teils beklemmend aus der Erinnerung an die schwachen Leistungen des vergangenen Schuljahres, teils voll Neugier, erwarteten wir den neuen Lehrer oder auch das neue Fräulein, hoffend, es möge diesmal besser werden und ein gütiges Geschick keine unüberwindliche Hürden errichten. Dort, wo Lehrer von unseren Absprachen nichts ahnten oder die Sitzordnung in der ersten Begegnung nicht genügend beachteten, saßen wir dann, wie wir es wünschten. Es gab solche, die zwängten sich in die erste Bank; ich zog mit anderen, schon ab 4. Schuljahr, die letzte vor. In der ersten Klasse wurden wir noch gesetzt, wie es die Lehrerin wollte. Wir hatten damals Frau Gerstner, von uns allen Fräulein bezeichnet. Einer war dabei, der wollte unbedingt zu seinem Bruder in die 2. Klasse. Durch seine unnachgiebige Haltung mußte er mehrmals gesetzt werden. Bei diesen, auf uns alle „eindrucks-vollen" Szenen, flossen einige Tage lang reichlich die
věta pokračuje na dalším listu ⟶
Rozdělení textu na listy je odhad — text může o odstavec přetéct na sousední list. Původní znění vlevo je vždy přesné.
Klikni na větu a ukáže se, kde na skenu stojí. Zvýrazňují se celé řádky, ne přesná slova — místo je tedy přibližné.
