Gustav Hacker – Ein rechter Mann
Gustav Hacker – Ein rechter Mann
(Aus der Festschrift zu seinem 75. Geburtstag am 20. 9. 1975)
Im Winter 1930/31 sprach G. Hacker in Karlsbad bei einer großen Arbeitstagung des „Bundes der deutschen Landjugend", zu dessen Obmann er 1930 gewählt worden war. Bis zu seiner Wahl war dieser ländliche Jugendverband ein Verband unter anderen, mit manchen Unzulänglichkeiten, Organisationsmängeln, auch ein wenig Vereinsmeierei, aber mit vielen Mitgliedern, die von bestem Willen und großem Idealismus erfüllt waren. Bei der erwähnten Tagung, zu der über 200 Amtswalter der Bezirks- und Ortsgruppen des Landkreises Karlsbad und der Nachbarbezirke gekommen waren, löste die Rede Hackers eine Zustimmung und Begeisterung aus, wie dies vorher bei vergleichbaren Tagungen ich niemals erlebt habe. Er sprach mit großem Schwung, klarer Gedankenführung, zeigte neue, größere, über das vereinsmäßige hinausweisende Ziele auf und überzeugte seine Zuhörer so, daß sie seine begeisterten Mitarbeiter wurden. Einer meiner Freunde sagte mir nach Hackers Rede: „Jetzt haben wir endlich den richtigen Mann an der Spitze und ein Bauer ist er auch; mit einem Wort: ein rechter Mann." Und dieses Wort „Ein rechter Mann" habe ich vorher, als ich Hacker noch nicht persönlich kannte und vor allem nachher, da sein Name bald überall im Sudetenland bekannt wurde, immer wieder gehört, wenn von ihm die Rede war. Menschen, die ihn als mitreißenden und aufrüttelnden Redner gehört hatten, oder mit denen er persönlich zu tun hatte, oder zusammenarbeitete – sie alle faßten den Eindruck, den er auf sie gemacht hatte, in diesem Wort zusammen.
Nun muß man wissen, daß dieses Wort in unserer sudetendeutschen Heimat die höchste Anerkennung und Wertschätzung einschloß, die man für einen anderen Menschen zum Ausdruck bringen wollte. Es bedeutete: Dieser Mann ist etwas und kann etwas; er weiß, was er will, ist rechtschaffen, ehrlich und aufrichtig; er sagt, was er meint und meint, was er sagt; man kann ihm glauben und vertrauen und mit Verständnis und Hilfsbereitschaft rechnen, wenn man sich an ihn wendet; er hat aber auch die Kraft und die Fähigkeit zu führen, zu überzeugen und das für richtig erkannte Ziel durchzusetzen. Diese Eigenschaften, dazu seine große Rednergabe — fern jeder Demagogie — seine persönliche Bescheidenheit und Anständigkeit, sein lauteres und offenes Wesen waren es, die ihn schon in jungen Jahren befähigten, an einem Jugendbund unter anderen einen rasch wachsenden Verband zu schaffen, der sich um genügend einsatzbereite Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Dörfern und Landstädten unserer Heimat nicht mehr zu sorgen brauchte; sie wuchsen ihm gewissermaßen von selbst zu, seit G. Hacker an der Spitze stand.
Die jungen Menschen waren stolz darauf, an seiner Seite und in seiner Gefolgschaft zu sein. Über die rein bäuerlichen und landständischen Belange, die großen wirtschaftlichen Sorgen und Nöte, die damals das sudetendeutsche Bauerntum bedrängten, hinaus lenkte er Herzen und Augen seiner jungen Gefolgschaft auf die Not der von den Tschechisierungsbestrebungen bedrängten Volksgruppe und ihres Heimatbodens und weckte und bestärkte in den jungen Menschen den Willen, als Bauern zu bestehen und stolz darauf zu sein, durch tüchtige, wenn auch harte Arbeit auf dem elterlichen Hof, der später zu übernehmen oder schon übernommen worden war, ein Stückchen deutschen Landes deutsch zu erhalten. Dieses Ziel stand über allen anderen Zielen des Bundes der deutschen Landjugend, seit Hacker, dessen Heimat nahe der Sprachgrenze lag, ihn führte. Ihm gehörten aber nicht nur Bauernsöhne und -töchter an, sondern auch junge Landarbeiter, ländliche Handwerker, junge Priester, Lehrer und Bauernkinder, auch wenn sie inzwischen in anderen Berufen und oft fern des dörflichen Elternhauses tätig waren. Sehr früh hatte G. Hacker erkannt, daß die gute und solide Erziehung und Bildung, die unser ländliches Schulwesen vermittelte, nicht ausreichten, um im Selbstbehauptungskampf der Sudetendeutschen und insbesondere des Bauerntums in einem Staat, der ihnen die Gleichberechtigung mit dem Staatsvolk verweigerte, bestehen zu können. Es mußten aus eigener Kraft weitere Bildungseinrichtungen für Heranwachsende und Erwachsene geschaffen werden, die ständige, gezielte, die sich wandelnden Lebens- und Wirtschaftsverhältnisse berücksichtigende Weiterbildung ermöglichten und die Heranwachsenden eines tüchtigen Nachwuchses an Führungskräften des Jugendverbandes
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