Ma woiss nej, vawa eppas gout is!
Ma woiss nej, vawa eppas gout is!
Als ich noch ein kleines Mädchen war, besuchten meine Mutter, mein Bruder Heinrich und ich an einem Herbstsonntag meine Großmutter in Gfell.
Damals mußte man noch mit dem Zug bis nach Töppeles fahren und dann den steilen „Ochsngrobm" raufklettern. Als wir auf der Höhe aus dem Wald kamen, schweiften unsere Blicke zum „Braun-Hübl" empor, an dessen Gefälle sich ein breiter Streifen mit Feldern bis in das Tal zur „Kohlmühle" zog. Von den kahlen Äckern wehte uns der vertraute Geruch der abgebrannten Kartoffelfeuer entgegen. Es war schon empfindlich kalt, wenn auch die Sonne die Nebelschleier aufriß. Aber meine fürsorgliche Mutter hatte mir bereits ein Wintermäntelchen, das ich zum vorjährigen Weihnachtsfest geschenkt bekommen hatte, angezogen. Es war aus flaschengrünem Wolltuch und hatte einen grauen Pelzbesatz. So konnte ich nicht frieren.
Ich freute mich auf das Wiedersehen mit meiner Großmutter und auf das Dorf. Beim Kreuz, kurz vorm „Houvler", öffnete sich für mich stets — wie man so schön sagt — das Tor zum Glück. Ich war schon sehr begierig zu erfahren, was wohl die Dickl-Mutter über mein schönes Mäntelchen sagen würde. Unmittelbar nach der Begrüßung mit meiner Großmutter lief ich auch gleich hinüber ins „Dickl-Haus". Ich stürmte in die Küche, wo ich die Dickl-Mutter vor dem Herd stehend fand. Ich trat aus dem Halbdunkel unter der Tür ins Helle am Fenster, damit mich die alte Frau besser sehen konnte. „Jassas na", rief sie erstaunt, „dös bist ja du! Manna, Manna, scho wieda wos Neis! Wos issan denna dös, völlerfurt wos Neis! Schöi(n) schaust as!"
Nach solch anerkennender Betrachtung, die mir die gute Dickl-Mutter bei jedem neuen Kleidungsstück, das ich trug, zukommen ließ, wurde dieses dann von mir in meine übrige Garderobe eingereiht und nicht mehr so sehr beachtet.
So kam es denn auch, daß ich das junge, dreifarbige Wuschelkätzchen, das unter der Ofenbank hervorkam, zu mir hochhob, an mich drückte und liebkoste. „Mächst 's hobm?" fragte die Dickl-Mutter. Mir schoß die Freude in das Herz und ich jubelte vor Begeisterung. Eilig lief ich zu meiner Mutter, zeigte ihr das putzige Tierchen, das mit seiner kleinen, roten Zunge über das rosige Näschen leckte. Die Mutter versuchte mit allerlei Einwänden meine Begeisterung zu dämpfen. Man könne das Tier nicht mit heimnehmen, denn in einer Stadtwohnung hätte es nicht den nötigen Auslauf, es könnte mich einmal sehr kratzen und überhaupt würde ich es nach einiger Zeit nicht mehr beachten. Aber ich bettelte und schmeichelte, und mein Bruder unterstützte mich nach Kräften. Endlich gab die Mutter unserm Drängen nach, und ich durfte das Kätzchen behalten. Ich gab es auch gar nicht mehr aus der Hand, selbst Heinrich durfte es nur streicheln. Beim Mittagessen setzte ich es auf einen Stuhl neben mich, und als es einmal runterspringen wollte, hielt ich es zurück. Es miaute und zeigte mir zum ersten Mal seine Krallen. Aber wir versöhnten uns bald wieder, nachdem mir die Großmutter erklärt hatte, daß auch ein Kätzchen einmal muß. In der Zeit bis zum Kaffeetrinken hatte ich mit Spielen, Streicheln, Milch und Kuchen die Freundschaft und Anhänglichkeit des Tieres erworben. Ich selbst ging von diesem Werben nicht ohne Kratzer hervor, so daß ich recht zerrupft den Heimweg antrat. Meine Großmutter, die uns bis zum Töppeleser Bahnhof begleiten wollte, bot mir immer wieder an, daß sie das Viecherl auch ein Weilchen tragen würde, aber ich wollte die Zuneigung des Kätzchens für mich allein haben, drückte es zärtlich an mich, und es schmiegte sich an das warme Wolltuch meines Mantels. Einige Male stolperte ich über Grasbüschel, Steine oder Baumwurzeln, dabei zog ich meinen kleinen Liebling nur noch fester an mich. Er war auch ganz brav und kratzte mich nicht mehr. So kamen wir an jene Stelle, an der man im Walde die Hochfläche verließ, und der steinige und halsbrecherische Abstieg des „Ochsengrobm's" begann. Meine Mutter schlug der Großmutter vor, doch nun umzukehren, damit sie nicht gleich zweimal diesem beschwerlichen Weg gehen müßte. Da bereits die Dämmerung aufkam, wurde man sich bald einig, und wir nahmen voneinander Abschied. Als sich meine Großmutter zu einem Kuß über mich beugen wollte, schlug sie entsetzt die Hände zusammen, denn sie erkannte, daß ich ein lebloses Tier auf meinem Arm trug, und daß sich über mein schönes, flaschengrünes, pelzbesetztes Mäntelchen die Spur der letzten Verrichtung einer wichtigen Lebensfunktion zog, denn ich hatte das Viecherl in meiner besitzergreifenden Zuneigung über Stock und Stein so eng an mich gedrückt gehabt, daß ich ihm seine winzige Katzenseele und einiges mehr herausgequetscht haben
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