Heimatkunde des politischen Bezirkes Falkenau aus dem Jahre 1898
(Fortsetzung) Von Hugo Prasse, Mühlacker.
Schönfeld
Pol. Gem., Pf. u. Post gl. N.
Die Stadt Schönfeld liegt in einer Seehöhe von 693 m an der Aerarialstraße, die von Elbogen in den Bezirk Karlsbad führt. Namen von Ortstheilen außer dem Marktplatze sind: Hub, Rathhausen, Butterscheibe und Gaunitz. An öffentlichen Gebäuden sind zu nennen: Die Kirche zu Sct.-Katharina, die Pfarrei, die beiden Schulgebäude, das Rathaus und das Armenhaus, eine ehemalige kleine Kirche.
Die Stadt zählt 402 Gebäude, mit 3.174 Einwohnern, sämtlich katholischer Consession. Porzellanmalerei, Weberei, Schuhmacher- und Zinngießergewerbe bilden die Haupterwerbszweige der Bevölkerung. An Fabriken besteht eine Schafwoll- und Kammgarnspinnerei und eine kleine Porzellanfabrik. Ackerbau und Viehzucht bilden eine Nebenbeschäftigung der meisten Hausbesitzer.
Die Volksschule zählt fünf Classen und zwei Parallelclassen. Die ältesten Aufzeichnungen über das Schulwesen datieren aus dem Jahre 1821. Die damalige Pfarrschule zählte drei Classen. Im Jahre 1821 wurde an Stelle des bisherigen ganz baufälligen Schulhauses ein neues Gebäude aufgeführt, 1842 wurde die vierte Classe errichtet. Der große Brand des Jahres 1848 äscherte auch das Schulhaus ein, und infolgedessen wurde der Unterricht durch 16 Wochen ganz unterbrochen. Darnach wurden in Privatgebäuden zwei Zimmer gemietet und dienten als Schulzimmer, bis im Jahre 1852 im neuerbauten Rathhause zwei Locale hiefür bestimmt wurden. Das eingeäscherte Schulhaus wurde erst 17 Jahre nach dem Brande, im Jahre 1865, wieder erbaut. 1870 wurde die Schule in eine Parallelclasse, 1871 um eine zweite und 1873 um eine dritte erweitert, für welch' letzere ein Local gemietet werden mußte. In den Jahren 1877 und 1878 erfolgte der Bau eines neuen, zweiten Schulgebäudes, und die Schule wurde in eine fünfclassige Volksschule mit zwei Parallelclassen umgewandelt.
An Vereinen bestehen im Ort: ein Spar- und Vorschuß-Verein, ein Turn-, ein Feuerwehr-, ein Lese-Verein, ein Krankenunterstützungs-Verein der Porzellanmaler und ein Nothschlachtungs-Verein.
Schönfeld ist aus einer kleinen Ansiedlung, „Drei Linden", entstanden, so benannt nach drei mächtigen Linden, die in der Nähe des jetzigen Armenhauses gestanden sein sollen. (Aus dem Holze einer dieser Linden soll das in der Kirche befindliche, als wunderthätig verehrte Marienbild verfertigt sein. Früher kamen zahlreiche Processionen, namentlich aus dem Egerlande, nach Schönfeld zu diesem Marienbilde. Jetzt wallfahrten nur die Bewohner der umliegenden Dörfer an einem Tage des Jahres, dem Sonntage nach dem Feste Mariä Heimsuchung, nach Schönfeld. Dieser Sonntag wird allgemein „die Egerischen" genannt). Der Name „Schönfeld" entstand erst beim Aufschwunge des Bergbaues auf Zinn und mag „schöne Grubenfelder" bedeuten.
Vor etwa 500 Jahren gehörte Schönfeld mit den Nachbarstädten Schlaggenwald und Lauterbach zur Herrschaft Petschau, die im Besitze der „Riesenburger" sich befand. Zwei Brüder aus diesem Geschlechte, Slawko und Borsso, nennt die Chronik als die Gründer der Stadt. Bald wurde diese, gleich ihren Nachbarstädten, mit besonderen Rechten und Privilegien ausgestattet. Nach den Riesenburgern übergieng Schönfeld mit der Herrschaft Petschau in den Besitz der Herren von Plauen, Burggrafen zu Meißen. Im Jahre 1500 trat Heinrich IV. von Plauen die Herrschaft an das Geschlecht der Herren Pflug von Rabenstein ab. Von diesen machte sich namentlich Hans Pflug um den Aufschwung des Bergbaues und das Wohl der Stadt verdient. So z. B. ließ er, um dem herrschenden Wassermangel zu steuern, den von der Königswarter Glatze kommenden Bach, Flößgraben oder Fluthbach genannt, durch Schönfeld leiten, eine fünfjährige, mühevolle Arbeit. Das bestandene Berggericht wurde zu einem Schwur- und Hochgericht erweitert. Unter seinem Neffen, Kaspar Pflug, fand Luthers Lehre Eingang und Verbreitung in der Stadt. Der erblichen Besitznahme der Bergwerke wegen gerieth Kaspar Pflug in Streit mit der kaiserlichen Regierung, der damit endete, daß Kaspar Pflug seiner Güter für verlustig erklärt wurde. Der Staat nahm Besitz hievon, und Schönfeld wurde gleich den nachbarstädten Schlaggenwald und Lauterbach zur königlichen freien Bergstadt erhoben.
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