Unterbewußtseins.
Satz 4.
Der böhmische Löwe wird nicht mehr untertan sein, sondern selber herrschen.
a) Am 28. Oktober 1918 wurde das erste Mal ein selbständiger tschechischer Staat proklamiert. Rund 600 Jahre Habsburger Herrschaft aber haben das tschechische Volk erst zum Kulturvolk erzogen. Wir lesen in einer alten Chronik dazu folgende Feststellung: „Karl IV. vereinte auch die obere und niedere Lausitz mit Böhmen, welchem er auch Eger (!), Glatz und die schlesischen Fürstentümer einverleibte. Hiedurch, sowie durch eine sorgfältige Verwaltung im Innern, durch Emporbringung der Landeskultur, durch Errichtung eines Erzbistums und einer Universität in Prag und durch andere Wohltaten mehr, kam das sonst barbarische Königreich zu noch nie genossenem Flor."
(Rotteck, Weltgeschichte 1841)
Heute benehmen sich die Tschechen so, als ob sich die abendländische Kultur erst aus ihrer Kultur entwickelt hätte.
b) Die Worte „nicht mehr" — „sondern" in dem Satz deuten eine gewaltige Änderung der Lebensformen des tschechischen Volkes an. Sie zeigte sich in der krankhaften Aufblähung der politischen und geographischen Bedeutung eines kleinen Volkes und Landes, das nun Großmachtallüren annahm und sich auch so gebärdete.
c) Aus den Worten „— nicht mehr untertan sein" spricht eine bestimmte schmerzliche Erinnerung an die bereits verbrachte Abhängigkeit, sowie die vorausliegende lange (im Satz 1 bezeichnete) Fremdherrschaft. Der blinde Jüngling war Tscheche und wir können seine Empfindungen gut nachfühlen.
d) Das Wort „herrschen" deutet auf eine harte Form der Selbständigkeit. Tatsächlich bestand die Schweizähnlichkeit der ersten Č. S. R. nur in verlogenen Reden der Benesch und Masaryks; das tschechische Volk aber, bis auf ganz wenige Ausnahmen, war durch die endliche Selbständigkeit von einem Eigendünkel und einer Überheblichkeit befallen, die es immer wieder das Herrschervolk hervorkehren ließ.
Satz 5.
Zwei Völker werden in Böhmen leben.
a) Neben dem Staatsvolk der Tschechen mit 7 1/2 Millionen Seelen wurde der Stamm der österreichisch gesinnten Deutschböhmen (später und heute Sudetendeutsche genannt) mit 3 1/2 Millionen Seelen in die staatliche Gemeinschaft gepreßt und bildete die zweitgrößte Volksgruppe der Republik.
(Fortsetzung folgt)
Ein ehemaliger Kaplan von Schlaggenwald feiert seinen 75. Geburtstag am 1. 6. 1977
B. R. Pfarrer Johann Nep. Womes derzeit Osterhofen, Niederbayern, geb. am 1. 7. 1902 in Zwingau, Kreis Bischofteinitz. Die Eltern hatten einen kleinen Bauernhof. Nach Besuch der Volksschule von 1908 — 1912 mit gutem Erfolg Aufnahmeprüfung an das Gymnasium in Duppau. Matura 1921 mit ausgezeichnet. Dann Theologiestudium an der Deutschen Universität in Prag von 1921 — 1925. Priesterweihe am 5. Juli 1925 in der Salvatorkirche in Prag. Primiz in der Pfarrkirche am 12. Juli 1925 auf dem Laurenziberg bei Schüttarschen. Seine Kaplanstellungen führten ihn nach Buchau, Lichtenstadt, Graslitz und am 1. Mai 1931 nach Schlaggenwald. Bis 1933 war er hier auch im Jugendbund und Gesangverein tätig. Die Schlaggenwalder sahen ihn mit Bedauern scheiden. Seine nächste Seelsorgertätigkeiten führten ihn nach Solmus bei Karlsbad und ab 1. 11. 1939 war er Pfarrer in Böhm. Domaschlag bei Plan. Dort wurde er von der Gestapo verhaftet und lernte das KZ in Dachau kennen. Nach Kriegsende Rückkehr ins Elternhaus und in die Pfarrei Böhm. Domaschlag. Als letzter Deutscher siedelte er von dort nach Bayern aus. Weitere Pfarrstellen waren Zeholfing bei Eggenfelden, ab 1. Dezember 1948 wieder Pfarrer in Uthala bei Griesbach.
Am 1. 9. 1970 trat er in den verdienten Ruhestand. Ganz unerwartet wurde er von seinem Bischof in Passau zum Bischöflichen Geistlichen Rat ernannt. Er lebt jetzt im eigenen Hause in Osterhofen bei Passau und der ganze Kirchensprengel von Schlaggenwald und Umgebung wünscht ihm noch lange Jahre in dieser Vitalität.
.H. H.
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