Es bleibt das unumstrittene Verdienst des jungen, aufstrebenden Verlages Almar Reitzner, die vorliegende Ausgabe mit viel Verständnis und Sorgfalt ermöglicht zu haben. Es soll würdig in der Reihe der bereits in diesem Verlag erschienenen Broschüren im Kampf um unsere geraubte Heimat stehen. Den Landsleuten aber soll es die Genugtuung bringen, daß die Vorsehung nichts in der Geschichte ungestraft sein läßt und daß auch das uns angetane Unrecht wieder zu Recht gerichtet wird. Gebe Gott, daß der bessere Teil des tschechischen Volkes aus der derzeitigen Verwirrung der Gefühle wieder zurückfindet, um aus dieser dunklen Phase seiner Geschichte endlich das zu werden, was seine besten Männer immer angestrebt haben: Träger des humanen und demokratischen Gedankens in Mitteleuropa.
Herdecke-Ruhr, im Feber 1950 Max Gunter
In den folgenden Kapiteln bringe ich diejenigen Sätze, welche übereinstimmend aus alten Drucken und Abschriften herauszulesen waren. Alles Zugedichtete oder Belanglose wurde weggelassen. D.V.
Die Vergangenheit
Der Vorhersagungen erster Teil
Satz 1.
Eine und noch eine und eine halbe Zeit werden über Böhmen fremde Herrscher sein.
a) Seit Entstehung der Vorhersagungen 1356 sind bis zur Erfüllung des 2. Satzes (1914), 562 Jahre vergangen. Es ist müßig, durch Rechenexempel oder Rechenexperimente dem Mysterium dieser Zeitrechnung auf den Grund zu kommen. Diese fremden Herrscher waren die Kaiser Karl IV. folgenden Habsburger, welche von jeher den Tschechen verhaßt waren.
Satz 2.
In einer Zeit, da einer länger denn 60 Jahre Herr über Böhmen war, wird durch einen Fürstenmord ein großer Krieg entstehen.
a) Kaiser Franz Josef I. von Österreich (König von Ungarn und Böhmen) war vom Jahre 1848 bis 1916 König von Böhmen, also durch 68 Jahre.
b) Der Kronprinzenmord in Sarajewo im Juni 1914, der den Ausbruch des ersten Weltkrieges verursachte, ist eine sinnvolle Erfüllung dieser Vorhersage.
Bemerkenswert aber ist, daß es slawische Mörder waren und die Kriegshetze der Jahre 1913 und 1914 überhaupt von den im österreich-ungarischen Staatsverbande lebenden Slawen betrieben wurde, insbesondere aber von den Tschechen.
c) „In einer Zeit —", diese Formulierung deutet in der Sprache des blinden Jünglings eine lange Zeit voraus. Niemals mehr gebraucht er diese Zeitbestimmung, alle weiteren Zeitangaben sind auf kurze Dauer deutend, also ein Zeichen, daß die einzelnen Phasen der Vorhersagungen ziemlich rasch hintereinander erfüllt werden.
d) Sonderbarerweise bezeichnet der blinde Jüngling die beiden Weltkriege als große Kriege, ohne eine Andeutung auf ihre Dauer zu machen, wogegen er die Vorhersage eines dritten Krieges nicht in die Größe des Ereignisses formuliert, sondern in seiner Länge. (Vergleiche Satz 17).
Satz 3.
Dann werden die gekrönten Häupter wie reife Äpfel von den Bäumen fallen.
a) Der erste Weltkrieg beendete die Kaiserreiche Österreich-Ungarn, Deutschland und Rußland; aber auch anderweitig wurden durch die gewaltigen Erschütterungen auf politischen und sozialen Gebieten die Herrscherhäuser ausgeschaltet oder zumindest der gegenwärtige Herrscher abgesetzt, so in Serbien, Rumänien, Bulgarien, Montenegro, Türkei, Spanien, Portugal und andere mehr.
In sinnvollen, wenigen Worten umreißt der blinde Jüngling vor 500 Jahren, also in einer Zeit des Aufstieges der Herrscherhäuser das Ende aller Dynastien. Es ist nicht anzunehmen, daß der Seher schon damals Anzeichen dafür in der Umwelt oder in politischen Gegebenheiten gefunden hat. Satz 2 und 3 sind wunderbare Manifestationen der Fähigkeit des
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