Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 148
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Věštba slepého pastýře z Čech z roku 1356

Die Weisung des Hirten von Böhmen von 1356

Als Schulbub und auch in späteren Jahren ganz besonders aber 1945 in der Haft zu Elbogen, tauchten oftmals in Gesprächen eine Weissagung auf. Auch als wir in ganz jungen Jahren die politischen Wirren in unserer Heimat wahrnehmen mußten, und als sich zu der völkischen Not die Arbeitslosigkeit gesellte, und wir alle die Nachteile in der neugegründeten Tschechischen Republik zu fühlen bekamen, haben so manche alten Leute oftmals von einer Prophezeiung erzählt. Aber Genaues konnte man nicht erfahren.

Auf einer Urlaubsfahrt kam ich durch das Städtchen Nesselwang. Auch dahin hat es Landsleute unseres Kirchsprengels verschlagen. So versäumte ich es nicht, bei einer Landsmännin einzukehren. Die Aufnahme war herzlich, wie immer, wenn sich Landsleute begegnen. Erna Lochschmid aus Leßnitz — so hieß sie mit dem Mädchennamen. Der andere tut nichts zur Sache. Im Laufe der Unterhaltung zeigte sie mir ein Heftchen, und nun hatte ich die gesamte Weissagung vor mir. Ich finde diese sehr interessant und nehme an, daß manche Landsleute interessiert, was der blinde Hirtenjunge dem damaligen Kaiser weissagte. Ich gebe die gesamte Ausgabe in Fortsetzungen im HB bekannt.

MOTTO:
Ich preise Dich Vater, daß Du solches
den Weisen und Klugen verborgen hast
und hast es den Unmündigen offenbart.
Matt. 11. 15

Vorwort

Als Kaiser Karl IV. im Jahre 1356 in Prag einzog, wurde ihm von seinen Ratgebern von einem blinden Hirten berichtet, der die noch in schrecklicher Erinnerung verbliebene Pest vor neun Jahren vorausgesagt haben soll und schon vor längerer Zeit den Einzug eines deutschen Kaisers in Prag prophezeite, der nunmehr erfolgt sei . . . .
Der für alles Mystische empfängliche Kaiser ließ den blinden Hirten vor sich kommen, um seine Sehergabe zu erproben. Vor den Kaiser gebracht, verfiel der junge Hirte in Trancezustand und stieß scheinbar unzusammenhängende Sätze aus; dabei schüttelte ihn das Grauen vor den Gesichten, die ihm eine geheimnisvolle Kraft und Gabe offenbarten . . .

Der Kaiser ließ die Sätze aufschreiben und ist darüber wohl sehr nachdenklich geworden. Schließlich aber, wohl unter dem Einfluß seiner tschechischen Ratgeber, verwarf er diese Prophezeiungen und verbat den Eingeweihten ihre Verbreitung.
Aber die Kunde von den inhaltsschweren Sätzen war bereits ins Volk gedrungen und von bangen Sorgen begleitet, wurden sie von Ohr zu Ohr getragen, aufgeschrieben und als Offenbarung von Generation zu Generation weitergegeben.
500 Jahre später, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, begannen diese Sätze plötzlich grauenhafte Wirklichkeit zu werden. Von Jahrzehnt zu Jahrzehnt erfüllten sich die bei ihrer Entstehung so unwahrscheinlich klingenden Vorhersagungen und gewannen Gestalt; unzusammenhängende Worte und Sätze umrissen Menschheitskatastrophen von früher unvorstellbarem Ausmaß und die Bilder für die Zukunft erschrecken uns ob ihrer präzisen Klarheit und unfaßbaren Folgen . . . .

Es mag schon schwer gewesen sein, wenige Jahre nach der oben erwähnten Begegnung des tschechischen Hirten mit dem deutschen Kaiser Karl IV. den genauen Wortlaut der Vorhersagungen zu ermitteln; unmöglich aber erschien es mir im Jahre 1926, als ich in einem Prager Antiquariat die erste gedruckte Nachricht von der Existenz dieser Prophezeiungen fand. 570 Jahre später unternahm ich den fast aussichtslosen Versuch, die wenigen Sätze in seinem Original-Wortlaut zu ermitteln.

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