Die kleine Landstraße
Zu meinen Erinnerungen an Gfell gehört auch die schmale, holprige Landstraße, die das Dorf mit Schlaggenwald verband. Sie mußte sozusagen das Schicksal der Gfeller tragen, denn auf ihr ratterte das Wägelchen mit dem Täufling, auf ihr fuhr die Hochzeitskutsche, und auf ihr zog man den Leichenwagen. Und es gingen auf ihr der beladene Sünder und das fröhliche Kind.
Die Straße zog sich in langen Windungen über die kleine Hochfläche, sie war nicht geteert und auch nicht gepflastert. Wenn es regnete, dann bildeten sich bald große Pfützen, und besonders seitlich war das Erdreich aufgeweicht. Wenn dagegen bei Trockenheit ein Wind aufkam, dann wirbelte er den feinen Sand vor sich her. An beiden Straßenrändern standen Bäume in unregelmäßigen Abständen, und sie waren alle vom Sturm gebeugt, denn im Spätherbst und im Winter fegte er unbarmherzig und eisig über sie hinweg.
Wenn in dieser Zeit die Gfeller sich zum Kirchgang rüsteten, dann mummten sie sich derartig ein, daß man oft nur ihre Augen sehen konnte. Ihr Atem erstarrte in der Kälte sofort, und dicker Reif lag bald vor dem Gesicht. Aber wenn der Frühling durch das Land zog, und wenn der Sommer die Ähren reifen ließ, dann tollten wir Kinder mit Singen und Lachen die kleine Straße entlang. Wir pflückten am Feldrain Kornblumen, Margareten und roten Mohn. Und wir schauten rechts hinüber in die Senke, wo gestutzte Weiden, die im Mondlicht zum Fürchten waren, standen, und wir sahen den Weg nach Poschitzau und den Weg zum Sandwirtshaus, der sich weiter oben im Wald verlor. Wir blickten immer ein wenig verängstigt hinüber zum Galgenberg, um den so oft die krächzenden Raben kreisten. Ach, und wir erspähten dann etwas links vor uns den Krudum, über den mir meine Großmutter nicht genug erzählen konnte. Wir schauten hinüber zum Windhof, mit Schönfelder Aussichtsturm, über den Fleckerlteppich der Felder nach Leßnitz. Wenn wir uns nach rückwärts wendeten, dann bot sich uns das schöne Bild der dunkelgrünen Berge des Kaiserwaldes mit der lichten Donawitzer Höhe und dahinter die Kegel des Duppauer Gebirges. Wir sangen immer wieder das Lied vom Frühling, der in das Tal kommt und die Lore grüßen soll. Über den Feldern flatterten die Lerchen und stimmten in unseren Gesang mit ein, während die Rebhühner erschrocken aufflogen.
Dort, wo der Poschitzauer Weg auf die Gfeller Straße traf, und diese gleichzeitig in einer rechtwinkligen Kurve in die Neue Straße einmündete, eröffnete sich uns der reizvolle Ausblick auf die kleine Stadt mit ihrer großen Kirche mitten auf dem Gottesacker.
Wir hüpften meistens nach Kinderart die steile Straße hinab, denn wir konnten nun nicht schnell genug zum Reif-Konditor kommen. Dabei trugen wir oftmals Verletzungen davon, wenn wir nämlich bei steigendem Tempo ins Stolpern gerieten.
Eines Tages ist die kleine Landstraße auch für mich schicksalsschwer geworden, denn es kam die Stunde, da ich auf ihr in einem langen Trauerzuge meine tote Großmutter bis zum Schlaggenwalder Friedhof begleitete. Es war damals ein Sonntag im Juli, die Sonne brannte heiß hernieder, die Grillen zirpten im Kornfeld, und ich sah die Straße meiner Kindheit nur noch verschwommen.
Das ist nun alles schon lange her. Das bucklige Sträßchen ist vielleicht schon vom Gras überwachsen. — Ich weiß es nicht, aber ich fühle, daß es mir viel bedeutet hat.
Hermine Walter, geb. Palm
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Ein lustiges Spottverslein aus der Kinderzeit
Wer kennt es noch?
Aff da Tröib' da wår'a Döib',
Aff da Donnert ham' san g'fonga,
am Grob'n ham san g'schlog'n.
Aff da Paint' — hout a graint . . .
u am Turm . . . is a g'sturb'n.
Und nun ein besinnliches Verslein:
Wer des Morgens dreimal schmunzelt,
Mittag nicht die Stirne runzelt,
abends singt, daß alles schallt . . . ,
der wird hundert Jahre alt!
Anna Neidhart
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