Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 147
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Nový sváteční oblek

Der neue Sonntagsanzug

Meine Großmutter in Gfell pflegte meistens in den Osterferien ihre Enkelkinder bei sich zu versammeln. Es war für die alte Frau keine leichte Aufgabe gewesen, diese kleine, aber sehr wilde Kinderschar in einigermaßen geordneten Bahnen zu lenken. So kam es denn, daß die gute Großmutter immer wieder ein Auge zudrücken mußte, wenn sie die Übersicht zu verlieren drohte. Aber um die Ausübung der christlichen Pflichten war sie äußerst wachsam. Sie konnte sehr ungehalten werden, wenn sie erkannte, daß wir mit Schwindeleien versuchten, der Sonntagsmesse fern zu bleiben, oder wenn sie uns sogar dabei erwischte, wie wir uns während des Gottesdienstes aus der Kirche schleichen wollten.

Nun war also Osterzeit, und wir waren gottlob wieder in Gfell. Die Sonne meinte es bereits sehr gut und wärmte wohltuend den Rücken. Die Knospen sprießten, und wir Kinder pflückten den ersten Frühlingsstrauß: Unser dickes und kratzendes Wintergewand hatten wir abgestreift — wie die Schlange ihre Haut — waren in die leichten Kleider geschlüpft und hatten die Kniestrümpfe angezogen. Mein Bruder Heinrich hatte zu jenem Osterfest einen hochmodernen Knickebockeranzug aus braunem Homespun bekommen. Es handelte sich um ein wirklich gutes und teueres Stück, weshalb mein Bruder mit dem Anzug die Mahnung ans Herz gelegt bekam, ja achtsam zu sein, was ihm natürlich nicht leicht fiel.

Wir hatten die Karwoche voller kindlicher Vorfreude auf das Osterfest verbracht und standen vor der Feier zur Auferstehung des Herrn. Meine Großmutter rief ihre Enkelkinder ins Haus, befahl ihnen, sich besonders Hals und Ohren zu waschen und das Sonntagsgewand anzulegen. Nachdem wir uns fein gemacht hatten, durchwanderten wir noch Großmutters Kontrolle, worauf wir vor der Haustreppe warten sollten.

Als es schon eine schöne Weile gedauert hatte, und die alte Frau immer noch nicht kam, standen wir in unserer Untätigkeit recht mißmutig da. Der Bernhardiner vom Dicklbauer streifte um uns herum, denn er wollte gern gestreichelt werden, aber wir wagten nicht, mit dem Hund zu spielen und dachten immer noch brav an unsere guten Kleider. Plötzlich erblickten wir unter Weinhart-Schusters Haustüre die Marianne und den Franzl. Beide waren auch in ihrem Sonntagsstaat und hatten Anweisung bekommen, sich nicht schmutzig zu machen. Sie wollten sich uns zum Kirchgang anschließen. So schlenderten wir schon voraus bis zu Weinharts Haus. Wir unterhielten uns miteinander, bis der Franzl neben der Haustüre zwei gefüllte Wasserkannen, die seine Mutter dort abgestellt hatte, erblickte. Über das Gesicht unseres Freundes strahlte ein echtes Lausbubenlächeln, während er uns näher zu sich winkte. Dann erklärte er uns, daß man eine solch gefüllte Wasserkanne beliebig oft im Kreis über den Kopf schleudern könne, ohne daß nur ein einziges Tröpfchen herauskippen würde. Von der Zentrifugalkraft hatten wir damals noch nichts gewußt, aber der Franzl hatte sie schon ohne theoretische Kenntnisse ausprobiert gehabt. Als wir nun so ungläubig dastanden, zog der Franzl seinen Sonntagsjanker aus, um ungehindert seine Kraft entfalten zu können. Zunächst goß er ein wenig Wasser aus der Kanne, denn sie war gar zu voll. Dann begann er das Gefäß wie das Pendel einer Uhr zu schwingen, holte immer mehr aus, bis er mit einem kräftigen Ruck einen ganzen Kreis vollführte. Da staunten wir aber über den kleinen Franzl, denn das Wasser blieb wirklich in der Kanne. Natürlich wollten vor allem die Buben auch mal schleudern, und wir beschlossen, daß der älteste damit beginnen sollte. So trat mein Vetter Robert in die Arena und brachte unter unserem starken Beifall das Kunststück zu einem glücklichen Ende. Dann war mein Bruder Heinrich an der Reihe. Er hob die Kanne und begann zu pendeln. Und immer höher wurde der Ausschlag, und als er hoch genug war, um beim nächsten Schwung in den Kreis überzugehen, fiel meinem guten Bruder sein neuer, teurer Knickebockeranzug ein. Er dachte in Sekundenbruchteil, daß die ganze Sache vielleicht doch nicht so sicher sein könnte, und er bremste in Augenhöhe so heftig ab, daß sich der Kanneninhalt über ihn und seinen Sonntagsstaat ergoß. Wir sahen alle auf meinen Bruder und sein arges Mißgeschick. Dann begleiteten wir den Unglücklichen voller Mitgefühl vor Großmutters Strafgericht. Als wir vor der Haustreppe, die wir eigentlich nicht verlassen durften, kamen, schritt die gute, alte Frau in feierlichem Schwarz die Stiegen herunter. Mit einem Blick hatte sie den armen Sünder in unserer Mitte erspäht. Wir erwarteten nun alle ein furchbares Donnerwetter. Aber die Großmutter schluckte an des Herrn großem Feiertage ihren Ärger hinunter und nahm meinen Bruder kurzerhand mit in das Haus. Indessen standen wir davor und lauschten, aber wir hörten nichts — nichts.

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