Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 147
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Ulice Sezamová – vzpomínka na dětství v Horním Slavkově

SESAMSTRASSE

Für uns Kinder ging die Zeit des Christbaumes, gingen die Feiertage immer zu schnell vorüber. Wenn die Werktage danach wieder begannen, hatte man das Gefühl eines unwiederbringlichen Verlustes — des Niemehrwiederkehrens. Für die Erwachsenen war der Bruch vom Glanz dieser Tage nicht so hart. Sie hatten in der Faschingszeit ihr Vergnügen und hatten die freudige Gewißheit des wiederkehrenden Frühlings. Aber was blieb uns?

Zwar hatten wir meist härtere und kernfestere Winter als hier und konnten viele Wochen lang Rodeln und Schlittschuhfahren; aber dennoch kam auch über diese Freuden mit einem Föhnwind einmal das Ende.

Noch war am Schödlhofteich das Eis. Da setzte — erst ein flattriger Wind — dann über Nacht ein gewaltiger Sturm ein. Das Rauschen der Bäume am Galgenberg steigerte sich zum Heulen und Dröhnen. Die hohe Fichte dort bog sich, nahe zum Brechen. laut ächzten die Kronen der Eschen und Eichen. Im ganzen Ort spürte man dieses ununterbrochene, furchsame Tosen. Bis zum Schödlhof drang es herüber, wo das Eis zur gleichen Zeit anders wurde, weicher, mit Wasser bedeckt. Beim Drüberlaufen gab es allmählich nach — bald machte es Spaß, wie auf „Gummieis" zu schaukeln. Da sogen sich die Schuhe voll Wasser, die Strümpfe wurden naß und die Füße noch kälter als sonst; wenn man nicht ganz und gar einmal eingebrochen ist und eilends nach Hause mußte — „. . . das Büblein hat getropfet. Der Vater hat's geklopfet."

In den Straßen der Stadt wurde der eh' nicht mehr frische, unansehliche Schnee noch grauer und dreckiger, zumal an den Stellen, wo bei böigem Wind die Asche den beiden fleißigen Männern zum Abfahren oder der „Flut" übergeben wurde. Bald lag das braune Erdreich wieder frei, die Wege weichten auf und man kam nicht mehr trockenen und sauberen Fußes über die Gassen. Am Gänsdörfl, am Graben und noch auf vielen anderen Wegen, gab es weder Asphalt noch Platten; über die schlechtesten Tritte konnte man nur durch weite Sprünge hinüberkommen.

Zu solch mißlichen, äußeren Umständen, kam in der Regel am Anfang der Woche zu Hause noch der Waschtag, an welchem der dampfende Kochtopf von zwei starken Personen in den Waschtrog geleert wurde und die Mutter am halben Tag lang mit einem Stück Schichtseife auf der Rumpel hantierte. Wo in der Stube die Feuchtigkeit — die über die inneren Doppelfenster rann — die Wärme verdrängte; der Vater wenig gute Laune und die Mutter zuviel Arbeit hatte, da blieb nichts anderes übrig, als draußen sein Auskommen zu suchen. Irgendwas ließ sich immer finden.

Zufällig kam man am Schlachthof vorbei, sah wie eine Kuh oder ein Ochse zur Tür hineingedrängt und in der Mitte festgebunden wurde, . . . konnte auch manchmal noch länger bleiben und beim Schlachten zuschauen. Gesellen und Fleischer mit weniger Nachsicht steckten uns gewöhnlich zur Tür hinaus, weshalb uns dann nur die schlechte Sicht durch die trüben Fenster blieb. Oft aber kamen wir dazu, wenn das Schlachten zu Ende ging. Da stand die Tür auch wieder offen, der Fußboden wurde mit vielen Eimern Wasser saubergespült, an spitzen Haken hingen große Viertel vom Rind und die starken Burschen animierten die schwächeren Lehrlinge beim Abtransport die größten Brocken zu tragen.

Ein andermal kam man beim Möhler-, Erler- oder beim Matthis-Schmied vorbei. Man blieb unter der Tür stehen und schaute eine Weile zu. Wie schnell verging da eine halbe Stunde, wenn der Schmied das glühende Eisen aus dem Feuer holte und ihm mit dem Hammer die Form gab, wie klang da der Amboß. Dje ersten Schläge — zum Auftakt daneben — dann auf das Eisen; erschreckt zuckten wir zusammen und fuhren zurück wie die Funken sprühten. Danach — zum Ausklang — noch einige Schläge auf die tönende Unterlage. Abermals das Eisen ins Feuer, Koks von den Rändern zur Mitte gehäuft, den Blasbalg gezogen, die Flamme stieg wieder hoch — und jetzt waren wir Knirpse dran: „Gell dei(n) Voadder is a (H)äimoan (ein Ehemann)?" Verlegen fanden wir darauf keine richtige Antwort. Hoffentlich läßt er uns noch eine Weile zuschauen, das war unsere Sorge. Manchmal wurde zuerst gefragt: „Wer bist du? Wie schreibst du dich?" oder, ob man auch einmal Schmied werden wolle, wobei er so nebenbei bemerkte: „Bou lau die Finger davua(n)! Du mußt amal wos Besse(r)s wer(d)n!"

In der Neustadt beim Neidhart-Kaufmann war ich einmal dabei, wie Kaffee geröstet wurde. Weil auch gerade Tor und Tür offen stand, der frische Geruch und die Wärme uns anzog, verfolgten wir lange und aufmerksam diese Arbeit.

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