Liebe Landsleute!
Gewiß werdet Ihr schon ungeduldig auf den Bericht über das Treffen in unserer Patenstadt Auerbach warten. Nun, ich habe da gar nicht mehr viel selbst zu sagen, denn die beiden Zeitungsberichte der Nordbayerischen Nachrichten beschreiben es ganz ausführlich. Ich möchte mich aber im Namen aller Landsleute bei dem Herrn Bürgermeister Emil Kreuzer recht herzlich für die großartige Ausgestaltung dieses Jubiläumstreffens bedanken. Ich bitte ihn, den Dank an alle mitwirkenden Vereine zu entrichten, die unsere Toten am Friedhof der Patenstadt mit uns gemeinsam geehrt haben. Es wird allen, die an dieser Feierlichkeit teilgenommen haben, unvergeßlich bleiben. Möge es noch vielen Landsleuten vergönnt sein, eine 25jährige Übernahme der Patenschaft miterleben zu dürfen, wenn der Aufruf ergehen solle, in 5 Jahren dieses Ereignis zu begehen. Einige Wehrmutstropfen sind aber doch gegeben. Ich habe in der Aufzeichnung der damaligen Patenschaftsübernahme etwas herumgeblättert, auch meine Erinnerung unterstützt mich dabei. Damals haben mehr als 1100 Landsleute in der Patenstadt Aufnahme gefunden. Es war eine stattliche Zahl, und es war ein finanzielles Opfer für alle, die diese weite Reise bewältigt haben. Damals hatten sehr wenige einen fahrbaren Untersatz und die Beschwernisse der Reise dürften erheblich schwerer gewesen sein, denn es gab noch keine ausgebauten Autobahnen und Straßen wie sie heutzutage überall in unserer Bundesrepublik anzutreffen sind. Die Autobusfahrt von Frankfurt über Hanau, Aschaffenburg nur über Landstraßen, um nur eine dieser Beschwernisse herauszugreifen, war zwar sehr interessant, aber für manche Landsleute doch ein Opfer. Aber was machte das schon aus, die Freude über das Wiedersehen mit Nachbarn von einst und alten Freunden, wog das alles auf. Wie sieht das heute aus? Fast meine ich, uns fehlt schon die Bindung zur Vergangenheit, wenn ich mir auf den Treffen das immer mehr zusammenschrumpfende Häuflein aus unserer ehemaligen Heimatstadt ansehe. Gewiß, der Tod hat eine große Lücke gerissen. Auch das Alter darf man nicht vergessen. So manche ältere Landsleute würden nach Auerbach kommen, wenn sie die jüngeren Familienmitglieder dorthin brächten. Immer wieder höre ich: Wie sollen wir dorthin kommen, unsere jungen Leute haben dafür kein Verständnis und sie langweilen sich ja nur die 2 Tage dort. Schön finde ich diese Ausreden nicht. Ich habe auf allen Treffen auch sehr viele junge Leute angetroffen, die ihre Angehörigen zu dieser einmaligen Gelegenheit, zu einem Plauderstündchen mit lieben Menschen hingebracht haben. Die Umgebung unserer Patenstadt bietet sehr viele Annehmlichkeiten, und sie könnten dabei ein Stückchen mehr Heimat kennen lernen, als aus der Sicht der Diskothek. Obwohl wir ein hübsches Häuflein Landsleute in der Patenstadt zusammenkamen, es hätten aber etliche mehr sein können. Nach Mitteilung von Toni Kunzmann nahmen etwa 350 Landsleute teil. Ich glaube im Namen aller Beteiligten versichern zu können, daß dieses Treffen mit das schönste gewesen ist, seit wir diese Veranstaltungen pflegen. Es ist bedauerlich, daß die meisten jungen Leute aus unserem ehemaligen Schlaggenwald ihre Herkunft verleugnen — wie es mir scheint — und deshalb von allen heimatlichen Bekundungen fern bleiben. Man kann das am besten bei unseren internen heimatlichen Treffen in unserer Patenstadt Auerbach immer wieder feststellen. Auch da scheint der Materialismus die Treue zur Herkunft und zur Heimat beseitigt zu haben. Eine bedauerliche Feststellung, die alle Schlaggenwalder angehen dürfte. Ganz zu schweigen von dem alljährlichen großen Pfingsttreffen, wo man bei uns fast gar keinen jungen Landsmann treffen kann, obwohl sich eine nicht abschätzbare hohe Beteiligung anderer Jugendlicher unserer Landsleute immer wieder bereitfinden, diesem Tage die besondere Note der Heimattreue zuzugestehen. Allerdings ist zu berücksichtigen, daß wir 30 Jahre fern unserem Geburtsorte leben und unsere Nachkommenschaft keine Beziehungen zur damaligen Kultur und Lebensweise hat. Trotzdem meine ich, daß sie es uns älteren und alten Landsleuten möglich machen müßten, einmal für sie ein kleines Opfer zu bringen, um einen Tag des gemeinsamen Zusammenseins zu ermöglichen. Aber wer weiß ob es noch einmal dazu erforderlich ist. Ob es ein nächstes Treffen geben wird? Da muß erst einmal abgewartet werden. Obwohl es schon recht verlockend sein könnte; denn Herr Bürgermeister Kreuzer kündigte an, daß beim 25jährigem Jubiläum der Patenschaftsübernahme ein Zelt aufgestellt werde, das man dann unterteilen will in einen Vergnügungsteil und Schlafgelegenheit. Man hätte dann nicht den weiten Heimweg zurückzulegen, und für viele wäre das recht angenehm. Die Bilder beweisen es, wie fröhlich wir unser Treffen gestaltet haben. Ich bedanke mich für die Einsendungen. Besonders möchte ich mich bei unserem jungen Landsmann Dieter Paulus bedanken, der uns mit seinem Lichtbildervortrag am Sonntagnachmittag
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