Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 146
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Vánoční poselství: Boží Syn se stal člověkem, aby člověk měl domov v Bohu

Gottes Sohn wurde Mensch, damit der Mensch Heimat habe in Gott

(hl. Hildegard v. Bingen)

Liebe Landsleute!

Als Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Seelsorge der Heimatvertriebenen deutscher Zunge aus Böhmen und Mähren-Schlesien richte ich das folgende weihnachtliche Wort an alle unsere Landsleute.

In den kommenden Weihnachtstagen richten sich die Blicke vieler Menschen, gläubiger und ungläubiger, wieder auf die kleine Stadt im judäischen Bergland, wo in der Fülle der Zeit in einer Felshöhle der Heiland der Welt geboren wurde, Christus der Herr. Dort hat sich das alttestamentliche Prophetenwort erfüllt: „Du Bethlehem Ephrata, du kleinste unter den Gauen Judas, aus dir wird hervorgehen, der herrschen wird in Israel".

In den heiligen Texten der Weihnachtsevangelien ist für uns Trostvolles ausgesagt. Der Heiland der Welt hat einen Geburtsort wie jedes Menschenkind. Er wird, wenn auch auf wunderbare Weise, von einer irdischen Mutter geboren. Zur Kleinheit von Bethlehem kommt die Niedrigkeit der Mutter und die Armut der Felshöhle. Aber dann kommt das ganz Neue der Botschaft: Er wird Sohn Gottes genannt werden, denn sein Ursprung liegt in der Vorzeit, in unvordenklichen Zeiten, im Schoße des dreifaltigen Gottes. Bei solcher Botschaft ist unser Weihnachtsglaube gefordert.

Aber Weihnachten geht weiter. Von Feinden bedroht, flieht die Heilige Familie nach Ägypten und führt dort das Leben einer Fremdarbeiterfamilie. Nach Israel zurückgekehrt nehmen sie Wohnung in Nazaret, ihrem Heimatsort. Dort verlebt Jesus seine Kindheit, von der wir nur wissen, daß er zunahm an Alter, Weisheit und Gnade vor Gott und den Menschen und seinen Eltern untertan war. Dort galt er als Sohn des Zimmermanns Josef und lebte das Leben eines einfachen Handwerkers. Als er dann öffentlich auftrat, erlebte er daß kein Prophet in seiner Heimat etwas gilt. Weil die Menschen in Kapharnaum am See Genesaret für seine Lehre aufgeschlossener waren, wählte er dort seine Bleibe und Kapharnaum wird „seine Stadt". Er liebt auch Jerusalem, die Hauptstadt seines Volkes mit dem Heiligtum des Tempels, auch wenn er vor den Mauern dieser Stadt gekreuzigt wird. Der menschgewordene Gottessohn hat uns also ein Beispiel gegeben, wie wir unsere Heimat und unser Volk lieben und als Aufgabe erkennen sollen. Dem widerspricht auch nicht, wenn er in seiner Predigt verkündet, daß wir hier keine bleibende Heimat haben, daß wir Pilger und Fremdlinge sind und daß der Himmel unsere unverlierbare Heimat ist. Unser Leben muß immer die doppelte Dimension der Weihnachtsbotschaft haben: Gottes Ehre und sein Reich, aber auch Friede und Versöhnung der Menschen, die Einheit untereinander und der Dienst an den Brüdern.

So sollt ihr in diesen weihnachtlichen Tagen gläubig vor die Krippe des göttlichen Kindes treten und staunen über das Wunder, daß Gottes Sohn Mensch geworden ist, damit wir Heimat haben in Gott. Und wenn dann deine Gedanken zurückgehen in die Tage der Kindheit, zur Krippe im Elternhaus, zum Ort, wo deine Heimat war, wenn du dich erinnerst an Weihnachten in notvoller Zeit des Krieges und der Flucht, und wenn in der neuen Heimat noch mancher Wunsch offen ist, dann höre auf die Stimme des Kindes in der Krippe, das dir sagt: Bruder, Schwester, ich habe es nicht besser gehabt als du.

Mit Weihnachten geht wieder ein Jahr zu Ende. Bei vielen Gottesdiensten und frommen Wallfahrten sind wir beisammen gewesen in großer Zahl. Vielen ist dies unbegreiflich, wie das 31 Jahre danach noch möglich ist. Sie wissen eben nicht, welche bindende Kraft in der Treue zur Heimat und zum Glauben liegt. Wir wollten in diesem Jahr die Stimme der Stummen sein, und man hat uns nicht überhört. Viele Gebete und gute Gaben sind nach drüben gegangen, und so soll es auch weiterhin bleiben. Danken wir Gott für alles, was dieses Jahr uns gegeben und geben wir für alle, die der Tod uns genommen hat.

Das Neue Jahr soll für uns im Zeichen eines neuen Heiligen stehen. Wir bereiten uns auf den Tag der Heiligsprechung unseres Landsmannes, Bischof Johann Nepomuk Neumann, aus Prachatitz im Böhmerwald vor. Wenn der Tag der Heiligsprechung feststehen wird, dann seid ihr eingeladen zur Pilgerfahrt nach Rom. Für unsere Volksgruppe und für das Land, aus dem er kommt, wird es in der Sprache unserer Zeit ein Jahrhundertereignis sein. So sind wir in freudiger Erwartung der Stunde, da wir zum erstenmal beten dürfen: Heiliger Bischof Johann Nepomuk Neumann, bitte für uns!

Gnade und Freude zum heiligen Christfest,
Gottes Segen und Hilfe für ein gutes neues Jahr

wünscht Prälat Dr. Karl Reiß

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