Erlebnisse im Urlaub
Wies halt so ist, wenn einige Schlaggenwalder zusammenkommen und plaudern, da wird auch über Urlaub und Begegnungen geredet. So hatten sich beim Häuser Hermann in Goldbach wiederum einige Schlaggenwalder eingefunden und von der Gastfreundschaft der Ilse und Hermann reichlich Gebrauch gemacht. Hermann brachte seine diversen Getränke aus seiner Bar herbei und Ilse geizte nicht uns zu verwöhnen mit ihren Küchenköstlichkeiten.
Wir, Ldm. Brummeissl mit Frau aus Kahl, Erich mit Frau aus München, Ehepaar Erhard und ich mit meiner Hilde haben eine ganz schöne Runde ergeben. Da die Erhard Frieda mit ihrem Mann im vergangenen Jahr eine Urlaubsfahrt nach Tirol am Walchensee unternommen hatte, für einen 80 Lenze zählenden Rentner eine Leistung. — Ldm. Thomas Erhard ist noch ein sehr geistig reger und munterer Plauderer — , denn eine so weite Autobusfahrt hat auch seine Tücken. Die Familie Häuser waren am Wolfgangsee zur gleichen Zeit. Aber den Hermann hat die Sehnsucht nach seinen Nachbarn gepackt und beschloß mit seinem fahrbaren Hotel — er hat ein gut ausgestattetes Campingmobil — doch einmal nachzuschauen, wo diese sich aufhalten. Nach den Erzählungen war es dort so schön, und so wurde beschlossen, daß wir alle unseren Urlaub dort gemeinsam verbringen wollen. Nur Fam. Brummeissl schloß sich aus, weil sie einen längeren Besuch aus Übersee erwarteten. Aber wir anderen blieben dabei, den August 1976 am Walchensee in Tirol zu erleben. Der Hermann teilte unser Vorhaben den Apothekerseheleuten Hedwig und Emil Reif mit und ich meinem Bruder in Linz. Durch plötzliche Unpäßlichkeit von Erhards, konnten diese an der bereits bezahlten Autobusfahrt nicht teilnehmen. Um aber die Unkosten nicht tragen zu müssen, sprang ich mit meiner Frau ein und wir übernahmen die Fahrt.
Am 31. 7. gings los. So nach meinem Geschmack war es ja gerade nicht, denn ich wäre gerne mit dem eigenen Pkw gefahren und gemeinsam mit Häusers. Aber diese waren schon einen Tag später da. Mit einem weiteren Tag Verzögerung kamen Erich Häuser mit Gattin an. Obwohl unser Häufchen etwas kleiner ausgefallen war, als wir ursprünglich geplant hatten, war es lustig und sehr gemütlich. Mit vielen Witzen und alten Erinnerungen verrannen die Tage.
Einige Tage später kamen Ldm. Emil Reif mit seiner Gattin Hedwig an. Gleichzeitig traf auch mein Bruder Anton mit seiner Frau Mizzi ein. Nun waren wir ein ganz schönes Klümpchen beisammen. Mein Bruder war sehr oft in Schlaggenwald und kannte auch sehr viele Leute. Nun wurde es erst recht gemütlich. Wir haben uns alle über das Zusammenkommen gefreut. Keiner dachte an den Aufbruch und so haben wir viele Stunden in alten Erinnerungen geschwelgt. Es waren unvergeßlich schöne Stunden in diesem Urlaub. Alle meinten wir, wieder einmal in Schlaggenwald gewesen zu sein und in einer gemütlichen Wirtsstube zu sitzen.
Nach diesem schönen Tag und der Wiedersehensfreude mit Reifs und meinem Bruder, wollten wir von Walchensee aus etwas unternehmen und die nähere oder weitere Umgebung ein bißchen unter Augenschein nehmen.
Aber da fiel uns ein, daß der Wendelstein zwar etwas weiter von unserem Urlaubsort entfernt liegt, aber dort ein Schlaggenwalder Kind verunglückt ist, und daran eine Gedenktafel erinnert. So wurde beschlossen, dorthin die Fahrt zu unternehmen. Den Eltern des Verunglückten, Anna und Erich Häuser, glaubten wir damit einen Gefallen zu tun. Freude kann man dazu wohl nie sagen, wenn man Anteil an einem so schrecklichen Unglück nimmt. Also fuhren wir in zwei Fahrzeugen am 7. August von Walchensee über Niederaudorf über die Bayerische Landesgrenze in Richtung Wendelstein. Gleich nachdem wir die Grenze hinter uns hatten, kamen wir auf ein ganz schmales Sträßchen, das keinem entgegenkommenden Fahrzeug eine Ausweichmöglichkeit gelassen hätte. Nach zwei Kilometer Fahrt bog nach rechts ein Weg ab und von dem versprachen wir uns, daß er eine Abkürzung sein müßte, was er auch war, aber nur für Polizei und Wehrmacht benutzbar war. Wir befuhren ihn aber trotzdem. Aber als wir am Fahrwegende waren, wurden wir auch zur Rede gestellt. Erich hatte sich nun fernmündlich mit der zuständigen Dienststelle in Verbindung gesetzt und nachträglich die Genehmigung erhalten. Er darf diesen Weg benutzen. Durch einen Hubschrauber der Deutschen Wehrmacht kam ja sein Junge ums Leben. Es ist gerade keine besondere Großzügigkeit, wenn man ihm gestattet diesen Weg zu benutzen, wenn er mit Freunden und Verwandten ein stilles Gedenken halten will.
Nun begann der Aufstieg zur Gedenktafel bei der Soinhütte und weiter zum Wendelstein. Der Wettergott war uns an diesem Tag gut gesonnen. Die Sonne schien und viele Tropfen
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