Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 145
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Na Sudetoněmeckém dni ve Stuttgartu

Am Sudetendeutschen Tag in Stuttgart

Richard Brummeisel

Das Pfingsttreffen in Stuttgart hat wiederum gezeigt, daß wir aus den Sudeten treu zur alten Heimat stehen und solange ein Atemzug unsere Brust noch hergibt, wir nicht bereit sind sie aufzugeben. Schon die Anfahrt ist ein Erlebnis, wenn man an den vielen auf der Autobahn fahrenden Autobussen vorbeifährt, weil man ein etwas schnelleres Fahrzeug benutzen kann. Man meint sie alle zu erkennen, die dem Treffpunkt zustreben. Man winkt und lacht sich zu. Schon unterwegs überkommt einem die Ahnung, wieviele Menschen sich wiederum zusammenfinden werden. Dann strebt man mit Spannung dem Platz zu, an dem man seine Freunde und Bekannten zu finden hofft. Man findet sich, wenn es auch einige Mühe bereitete in diesem Jahr den Bezirk Elbogen auszumachen und dann den Platz der Schlaggenwalder. Zum Glück sind schon immer einige Landsleute früher da, die uns einen Tisch sichern. Bei so einem Massenandrang ist es nicht leicht freie Plätze in größerer Zahl zu reservieren. Nun, wir hatten ein ganz hübsches Häufchen gebildet.

Für mich ist stets der Höhepunkt dieser Zusammenkunft die große Kundgebung. Mit welcher Ausdauer die Hunderttausend auf die Eröffnung harren, ist ergreifend. Wenn dann die Jugend der vertriebenen Landsleute fahnenschwingend auf den Platz einmarschiert, nimmt der Applaus der Masse kein Ende, der über den großen freien Platz rauscht. Die Ansprachen und Begrüßungen sind immer kurz gehalten. Nur der Schirmherr, in diesem Jahr war es Herr Ministerpräsident Filbinger, hielt die Kundgebungsansprache. Er bedachte uns mit großem Lob für die großartigen Leistungen, die wir Sudetendeutschen in allen Ländern der Bundesrepublik erbracht haben. Der Wiederaufbau der Bundesrepublik ist ein Teil unseres Fleißes. Es muß uns immer wieder mit Stolz erfüllen, wenn aus so berufenem Munde unsere Tatkraft herausgestellt wird. Ministerpräsident Filbinger hat in Stuttgart seine große Hochachtung für uns Sudetendeutschen besonders zum Ausdruck gebracht. Immer sind es die Ministerpräsidenten der Süddeutschen Länder, die an diesen Tagen für uns einige Worte erübrigen und unter uns weilen. Die Bundesregierung hat Herrn Staatssekr. Glotz abgeordnet, der wenigstens ein Grußwort anbrachte. Aber wir brauchen uns ja nicht zu wundern. Die Sprecher aller Vertriebenen — auch die sozialdemokatischen — sind stets Mahner, die mit Vorsicht zu den Verlangen der Vertreibungsländer ihre Stimme erheben.

Nur wer das Elend der Vertreibung 1946 erlebt hat, kann das unermeßliche Leid begreifen. Dieser Mensch kann nachempfinden, was es bedeutet um jahrhundertalte Rechte beraubt zu sein, und was es heißt für immer die Heimat verloren zu geben, den Boden, den viele unserer Ahnen kultiviert haben. Für die damalige ältere Generation muß dieses Geschehen von damals mit Sterben gleichgesetzt werden. Wer verpflanzt schon einen alten Stamm und wo soll dieser noch fruchtbar sein? Wir jungen von damals — das waren wir ja noch vor 30 Jahren — haben es verkraftet und konnten einen neuen Lebensabschnitt beginnen. Die Erfahrungen der älteren Generation und die Ratschläge haben wir gut genutzt. Trotz Hungerns und der Raumenge — wer hatte denn damals eine menschenwürdige Wohnung? — In einem Räumchen von wenigen Quatratmetern, waren wir zusammengepfercht und wir haben diese Zeit überdauert.

Die zerbombten Bundesländer, in die man uns aufteilte, in denen es keine geordneten Regierungsverhältnisse gab, denn damals waren noch die Militärs der Siegermächte die Herren, die Deutschland in Zonen aufgeteilt verwalteten. Überall starrte uns die Not und die Ablehnung der alteingesessenen Bevölkerung an. Aber wir haben diese Drangsal verkraftet und ihr den unbeugsamen Willen entgegengesetzt, den Aufbau mit voranzutreiben. Von all den Nöten blieben die Spätaussiedler verschont, sie können sich deshalb keine Vorstellung machen, von dem Elend, das wir gesehen und erlebt haben. Es gab damals keine Renten für unsere alten Leute, keine Mietzuschüsse. Aber die brauchten wir auch nicht, es gab ja keine Wohnungen. Für das Loch — Wohnloch besser gesagt — besaßen wir ja noch die Reichsmark, die uns die Tschechen als Zehrpfennig mitgegeben hatten.

Wenn wir heute zurückschauen, können wir echt stolz sein auf das, was jeder einzelne geschaffen hat. Wer sich ein Eigenheim gebaut hat, mußte viele Opfer bringen und

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