Geldmittel ausgestattet herumflanieren. Unsere Realschüler hatten keine Mopeds oder gar Autos, um damit die Schule in Elbogen zu erreichen. Selten hatten sie ein Fahrrad. So sollte man sich nicht über uns wundern, wenn wir heute noch sehr sparsam sind, und uns manchen Luxus nicht erlauben. Wir essen noch gerne unsere Erdäpfelbrühe und lassen vom Schweinernem mit Knödeln (jeder Sorte) und Sauerkraut nicht ab. Auch die Bachenen Kniadle hörte ich, gibt es bei vielen Landsleuten noch.
Die haben auch bei anderen einheimischen Leuten Eingang gefunden. Nur können sie „Kniadla" nicht aussprechen und nennen sie Kartoffelpuffer. Nun ja, einen Unterschied im Geschmack gibt es da trotzdem.
„Krudum!" Wer könnte dieses Wahrzeichen unserer engeren Heimat vergessen. Auch den Nachbarn „Spitzberg" dürften wir alle noch sehr gut in Erinnerung haben. Daneben der „Weiße Hügel", der die meisten Schwarzbeeren zeitigte. Ich sage allen Landsleuten, Anna Kempf, Lm. Jakob, Hermine Walter und Albin Steinwasser recht herzlichen Dank für ihre Einsendungen.
Euer Richard Brummeissl
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Ein Turm aus Granit auf festen Boden
Wenn ein Heimatbrief kommt, nimmt er auch mich als Leser ein wenig aus dem Gewohnten heraus. Er bringt Gedanken und Bilder aus der Vergangenheit mit der Gegenwart durcheinander und überläßt mich danach noch viele Stunden der Freude und der Wehmut dieser Verwirrung.
Man möchte reden und schreiben, weil ein Brief eine Antwort verlangt und verläßt sich darauf: andere werden es schon tun. Nach einiger Zeit werden die Bilder wieder blasser, bald vergehen Monate bis ein neuer Heimatbrief eintrifft. Wie lange noch? Die Bitten Herrn Brummeissls um Material und Beiträge fordern mich auf — ich beginne zu suchen.
Ein Bild vom Krudum habe ich noch. Darüber könnte ich schreiben. Wie man in Schlaggenwald ein Bub gewesen ist, wie man Bach, Baum, Wald und Berg in einmaliger Weise erlebte. Wie man von dort bis hierher, von damals bis heute — 40 Jahre lang — davon zehrte.
Der Krudum, der mächtigste im Umkreis, war der Berg unserer Jugendzeit. Darüber schreibe ich, das bedeutet mir etwas. Da er nicht leicht und auch nicht oft zu erreichen war, wurde er auch nicht alltäglich, gesehen hat man ihn alle Tage. Oft habe ich danach gefragt, wie lange man wohl brauchen würde, um hinaufzukommen.
Oftmals haben wir als Buben, Wesp Heinz, Schmieger Ernst, Brandl Günter, Putz Franz die Entfernung abgeschätzt, den Weg besprochen und darüber Pläne gemacht.
An manchen Tagen, wenn der Regen bevorstand, war der Berg so nahe, daß wir in der Nachmittagszeit noch Lust hatten, hin- und hinaufzugehen. Einmal sind wir bis zum Fuße gekommen, aber wegen der fortgeschrittenen Zeit mußten wir umkehren, ohne oben gewesen zu sein. Ein eingebrochenes Grubenloch, eine halb im Hang steckende Holzhauerhütte reichte schon aus, um unsere Phantasie bis in den Schlaf zu erregen. Es war schon ein wenig dunkel und geheimnisvoll, auch wenn wir mit der Krudumbarbe u. den dort ansässigen Zwergen nicht selbst sprechen konnten.
Von droben dann, hoch über den Wald, über die kleinen Äcker und Dörfer blicken zu können, war eine beglückende Weile des Staunens. Wer ringsum im Kaiserwald seine Heimat liebte, liebte auch diesen Krudumgipfel. Der Bauernbub Andreas Kempf — aus Dreihäuser drunten — faßte den Gedanken auf der höchsten Stelle einen Turm zu errichten. Dem treuen Sohn und der Heimat zuliebe wurde er dann von der „Eghalanda Gmoi z' Elbuagn" erbaut. So stand er wie ein Wächter — aus Granit — über unsicheren Wegen und Zeiten, ein Vertrauter des weit ausgebreiteten Landes.
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