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sodann wie ein Soldat das Gewehr trugen. Nachher formierten wir uns mit den Feuerwehren und den Ehrendamen zum Festumzug. Als ich die rosafarbenen Kleider und bunten Schärben der Ehrendamen sah, begann ich doch ein wenig neidisch zu werden und nahm mir vor, beim nächsten Gautag auch in einem solchen Festgewand aufzutreten. Dies ist ein Traum geblieben! —
Aber nun zurück zum Fest. Endlich ging es mit Schmiß und Schwung und Blasmusik durch das Dorf. Nur wenige Zuschauer standen am Straßenrand. Die meisten hatten sich schon auf der Festwiese beim „Untern Wetzstua" eingefunden und ein Plätzchen gesichert. Als wir dort eintrafen, begann für uns Kinder der Höhepunkt des Tages. Herr Koschek führte seine Stockkinder in die Mitte der Wiese und gruppierte sie in einem Kreis um sich. Da er immer noch in seinem schwarzen Frack steckte, die Sonne aber unbarmherzig auf die Szenerie niederbrannte, rannen dem armen Mann echte Schweißsturzbäche von der Stirn über das Gesicht und weiter hinter den blütenweißen Kragen. Trotzdem dirigierte er tapfer unsere Tanz-Akrobatik und zuckte nur manchmal ein wenig, wenn wir mit unseren Stöcken ihm zu nah kamen. Das I-Tüpfelchen unserer Vorführung bildete eine Pyramide, die von den Buben zwar mit wackligen Knien, aber dennoch mit Standhaftigkeit aufgebaut wurde. Wir Mädchen irritierten sie beträchtlich, als wir wie kleine Hexen mit unseren Stöcken um das Bauwerk rasten. Herr Koschek atmete auf, denn unsere Nummer kam trotz aller Gefahren zu einem glücklichen Ende, so daß er das Startzeichen zum Sackhüpfen geben konnte. Wir steckten in Kartoffelsäcken und purzelten mehr oder weniger dem Ziel entgegen. Zur Besänftigung unserer erhitzten Gemüter wurde eine wunderbare Buttercremetorte, die eigentlich für den Sieger bestimmt war, an alle Kinder verteilt. So standen wir an der Kaffeebude, wo meine Tante mit vier Freundinnen ihren aktiven Einsatz verrichtete und brüllten wild durcheinander. Wir wurden auch bald vertrieben. So schlich ich mich an das Samariterzelt, wo Herr Weinhart und Fräulein Fechter (Hebamme) eine Bierleiche, die auf der Bahre lag, behandelten. Da spürte ich daß ich eigentlich auch ganz erschöpft war.
Wie ich zur Großmutter heimkam, weiß ich nicht mehr, denn das Fest war doch recht anstrengend gewesen — aber wunderschön!
Da Schlaçowohler Drawacherlzůç
Von Anna Kempf, Lettgenbrunn
Wenn im Herbst die Tage kürzer und die Nächte länger wurden, und wenn sich dann der Winter mit Sturm und Schnee eingefunden hatte, da war es in unserer alten Bauernstube bei Petroleumlicht so schön heimlich und warm, denn der große gemauerte Herd strömte diese Wärme gleichmäßig in den Raum. Gar wenn die Spinnräder der Mutter und Schwester schnurrten, fühlte ich mich geborgen in unserem Heim. Elle um Elle des selbstgewebten Leinen aus gesponnenem Flachs wurden so von meinen Lieben mit ihrem Fleiß in der tristen Jahreszeit erarbeitet. Das Rohleinen wurde im Frühjahr nach Schönfeld zum Großisten gebracht, der es an die Fabriken weiterverschickte.
Damals gab es in Schönfeld noch viele Leinenweber und vor allem Schuster. Die Schönfelder Schuster waren weit und breit bekannt. Jeden Samstag wurden dann die Spinnräder beiseite gestellt und vor Montag nicht mehr angerührt. Der Samstag gehörte dem Hausputz, dem Einkaufen in Schlaggenwald und den sonstigen Arbeiten, die sich angehäuft hatten. Am Sonntag, da saß meine Mutter dann ruhend auf der Ofenbank und hielt die Hände im Schoß. Ich war ein sehr kleines d. h. jung an Jahren zählendes Mädchen und war immer bei ihr. Ein richtiges Nesthockerchen war ich, ein sogenannter Nachkömmling. Meine Schwester war 13 und der Bruder gar 16
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