Feuerwehr-Gautag in Gfell
[obr] Gfeller Feuerwehr mit Hauptmann Franz Weinhart
Am 22. Juli 1934 erlebte Gfell ein bemerkenswertes Fest.
Es feierte den Feuerwehrgautag unter der Leitung des damaligen Feuerwehrobmannes Franz Weinhart (Weinhart-Schuster).
Meine Erinnerung an das Fest reicht in die Kinderzeit zurück, so daß ich keinen chronologischen Bericht zu geben vermag, sondern nur Streiflichter aus meiner damaligen Perspektive.
Meine Großmutter hatte ihre Enkelkinder für die Ferienzeit um sich versammelt und ihnen eröffnet, daß in wenigen Wochen die Ortsfeuerwehr ein großes Fest feiern würde, zu dem auch die Feuerwehren aus dem Umland als Gäste kämen. Alle Gfeller seien aufgerufen, ihre Kräfte und ihr Können für eine würdige und schöne Ausgestaltung des Festtages einzusetzen. Meine Tante Maria, die mit Leib und Seele Gfellerin war und aus Chemnitz angereist kam, unterstützte meine Großmutter in dem Bemühen, daß wir Kinder mit zum Einsatz kommen müßten, auch wenn wir nur quasi Feriengäste wären. Großmutter und Tante rannten offene Türen ein, denn wir waren von dieser Aufforderung begeistert.
Die Verantwortlichen für die Ausrichtung des Festes brauchten sich tatsächlich über mangelnde Einsatzbereitschaft der Gfeller nicht zu beklagen. Das ganze Dorf fiel in ein Fieber von Emsigkeit, währenddessen die Sonne sengend über den Dächern brütete. Trotz Hitze und Feldarbeit war am Abend kaum jemand so müde, daß er nicht zum Gelingen des Feuerwehrgautages hätte mitwirken wollen.
Ich weiß nicht mehr, wie es dazu kam, daß ich dem Chor zugeteilt wurde. Er fand sich an den Abenden beim „Gräfn-Bauern" ein, wo in der Stube ein Klavier stand, an dem Herr Gräf selbst saß und die musikalische Untermalung spielte. Die Leitung hatte Herr Koschek, der als pensionierter Kurmusiker in einem reizenden Häuschen im Tepltal wohnte. Er kam eigens ins Dorf hinauf, um mit dem Chor die Hymne von Beethoven „Die Himmel rühmen" einzustudieren. In vorwitziger Weise hatte ich immer wieder durchblicken lassen, daß ich nun bereits das zweite Jahr das Klavierspielen erlernen würde. Daraus schloß man, daß ich auch singen können müßte, was aber niemals der Fall war. Herr Koschek teilte mich den glockenhellen Stimmen zu. Da stand ich nun mit fiebernden Wangen und wollte mich nicht blamieren. Es gelang mir auch wirklich, nicht unangenehm aufzufallen, denn ich öffnete tonlos meine Lippen und konnte auf solche Weise auch gar nicht falsch singen. Entweder duldete Herr Koschek mich als stummes Anhängsel, oder er hatte es tatsächlich nicht bemerkt. Ich habe es nie erfahren.
Mein zweiter Einsatz beim Feuerwehrgautag bestand in einer gemeinsamen Darbietung mit gleichaltrigen Mädchen und Buben. Auch hier wurde Herr Koschek tätig und studierte mit uns eine lustige Studie aus tänzerischer Gymnastik und Akrobatik ein. Hierfür bekamen wir zu unserem größten Gaudium schöne, gehobelte, ein Meter lange Stöcke. Herr Koschek muß ein Idealist gewesen sein, denn seine Geduld mit uns war nahezu grenzenlos, während viele Schweißtropfen über sein Gesicht rannen.
Die wunderbaren Stöcke luden natürlich dazu ein, daß wir sie als Kampfwaffen ausprobierten, weshalb wir sie auch immer nach den Übungsstunden wieder abliefern mußten. Aber sonst waren wir sehr ernst bei der Sache. Am Rande unseres geschäftigen Treibens hörten wir, wie die Ehrendamen über ihre Festkleider sprachen, aber wir interessierten uns noch nicht so sehr dafür.
[obr] Die Gfeller Kinder bei ihren Stockvorführungen
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